
Deutliche Worte und Gesten fand Papst Benedikt während seiner Großbritannien-Reise in Sachen Missbrauch.
England-Reise: Ein Schritt nach vorn im Kampf gegen Missbrauch
Papst macht sich für wirksamere Prävention stark
London. Nach seinem öffentlichen Scham- und Reue-Bekenntnis über Missbrauchsdelikte in der katholischen Kirche ist Papst Benedikt XVI. während seines Großbritannienbesuches hinter den verschlossenen Türen der Londoner Vatikanbotschaft mit Opfern der Skandale zusammengetroffen. Am Samstag hatte das Kirchenoberhaupt bei einer Messe in der Westminster Cathedral die "unbeschreiblichen Verbrechen" an Kindern durch katholische Geistliche angeprangert. Die Vorfälle seien eine Demütigung und Strafe für die ganze Kirche.
Benedikt XVI. sprach bei der festlichen Messe in der katholischen Kathedrale Londons allen Missbrauchsopfern sein tiefstes Bedauern aus. Zugleich bekundete er die Hoffnung auf Heilung und rief alle Gläubigen zur Anteilnahme mit ihnen auf. Fünf Stunden später traf er in der Nuntiatur von Wimbledon mit vier Frauen und einem Mann im Alter zwischen 40 und 50 Jahren zusammen, denen Priester oder Ordensleute Übelstes angetan und damit die Glaubwürdigkeit der Kirche zutiefst erschüttert hatten.
Diskretion der Begegnung mit Opfern
Um die Diskretion der Begegnung wahren, hatte der Vatikan im Vorfeld absolutes Stillschweigen gewahrt. Auch bei ähnlichen Treffen mit Missbrauchsopfern in Washington, in Sydney oder auf Malta bemühte sich der Heilige Stuhl nach Kräften, kein Medienereignis zu schaffen.
Wie bei früheren Treffen mit Missbrauchsopfern hörte der Papst zunächst zu; er ließ sich von den Betroffenen erzählen, was ihnen widerfahren war und was sie quälte. Jedem einzelnen bekundete er persönlich seinen tiefen Schmerz und seine Scham über die Leiden, die Priester ihnen und ihren Familien bereitet hätten. Er betete mit den Opfern, dass ihnen Heilung und Versöhnung widerfahre und sie ihre Ängste überwinden könnten. Das Treffen habe den 83-Jährigen sehr bewegt, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi.
Prävention und Umgang mit Tätern
Deutlicher als bei früheren Begegnungen war freilich das, was Lombardi anschließend über Prävention und den Umgang mit den Tätern mitteilte. Der Papst habe den Opfern versichert, dass die Kirche wirksame Maßnahmen ergreife, um derartige Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Sie unternehme alles ihr Mögliche, um die Beschuldigungen zu klären und um mit den zivilen Behörden zusammenarbeiten. Und vor allem: Kleriker und Ordensleute, die so schwerer Verbrechen beschuldigt würden, übergebe die Kirche der Justiz.
Benedikt XVI. fügte bei seinem Besuch in London noch einen weiteren Schritt hinzu, um deutlich zu machen, dass die Kirche es mit der Abwehr solcher Delikte erst nehme. Nach den Missbrauchsopfern traf der Papst überraschend auch noch mit einer Gruppe von Experten und Freiwilligen zusammen, die Missbrauchsopfer betreut und Präventionsmaßnahmen für die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit erarbeitet. Das Gremium überwacht diese Richtlinien und schreitet im Zweifelsfall ein. Der Papst dankte den Beteiligten im Namen der betreuten Kinder und ihrer Eltern - eine weitere Geste, mit der die Kirche verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewinnen möchte.
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Text: Johannes Schidelko,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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