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24.05.2012
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Papst Benedikt.

Papst Benedikt: Mit Sorge beobachtet die Kirche die wachsende Verdrängung des christlichen Verständnisses von Ehe und Familie aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein.

"Soziales Handeln mehr und mehr von privaten Interessen bestimmt"

Papst sieht Abkehr von christlichen Werten in Deutschland

Castelgandolfo. Papst Benedikt XVI. hat sich besorgt über eine wachsende Abwendung von der christlichen Werteordnung in Deutschland geäußert.

Viele Menschen setzten mittlerweile an die Stelle der Vorstellung von Gott als Person ein "geheimnisvolles und unbestimmtes Höchstes Wesen", das nur eine vage Beziehung zum Leben des einzelnen Menschen habe, sagte der Papst beim Antrittsbesuch des neuen deutschen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Walter Jürgen Schmid (63). Dadurch werde das soziale Handeln "mehr und mehr von privaten Interessen oder vom Machtkalkül bestimmt - zum Schaden der Gesellschaft".

Der neue Vatikanbotschafter Schmid überreichte dem Papst am Montag (13.09.2010) sein Beglaubigungsschreiben. Benedikt XVI. empfing den Diplomaten, der die Bundesrepublik Deutschland zuvor in Moskau vertreten hatte, auf seinem Sommersitz Castelgandolfo.

Verdrängung des christlichen Verständnisses von Ehe und Familie

Der Papst äußerte die Hoffnung, dass die "guten Beziehungen" zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bundesrepublik Deutschland weiter vertieft würden. Mit Sorge beobachte die Kirche jedoch insbesondere "die wachsende Verdrängung des christlichen Verständnisses von Ehe und Familie aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein".

Die Kirche könne keinen Gesetzesinitiativen zustimmen, die eine Aufwertung von alternativen Partnerschafts- und Familienmodellen bedeuteten, so der Papst. Diese trügen zu einer "Aufweichung naturrechtlicher Prinzipien" und damit zur "Relativierung der gesamten Gesetzgebung" sowie zu einer "Verschwommenheit der Wertvorstellungen" in der Gesellschaft bei.

Bei Biotechnologie "sehr wachsam" sein

Im Hinblick auf die neuen Möglichkeiten der Biotechnologie und der Medizin sagte der Papst: "Wir haben die Pflicht genau zu prüfen, wo solche Verfahren eine Hilfe für den Menschen sein können und wo es um Manipulation des Menschen, um eine Verletzung seiner Integrität und Würde geht."

Man könne sich diesen Entwicklungen nicht verweigern, müsse aber "sehr wachsam" sein: "Wenn man einmal damit beginnt, und oft geschieht dies schon im Mutterleib, zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben zu unterscheiden, wird keine andere Lebensphase ausgespart bleiben, gerade auch Alter und Krankheit nicht", sagte der Papst.

Säkulare Gesellschaft bedarf eines ethischen Fundaments

Der neue Botschafter hob in seiner Antrittsrede die Bedeutung des christlichen Menschenbildes für die gesellschaftliche Werteordnung in Deutschland hervor. Eine säkulare Gesellschaft bedürfe eines ethischen Fundaments, das der Staat selbst nicht schaffen könne. Das christliche Menschenbild zähle zu den Elementen, die die "Werte unseres Gemeinwesens wesentlich mitprägen", sagte Schmid.

Die deutsche Regierung wisse sich in ihrem Engagement für Menschenrechte, humanitäre Anliegen, Migranten sowie für die Erhaltung des Friedens und den Kampf gegen den Terrorismus einig mit dem Papst. Die Bundesregierung unterstütze zudem den päpstlichen Appell im Mai dieses Jahres, Atomwaffen in aller Welt vollständig zu vernichten. Die Initiativen des Heiligen Stuhls im interkulturellen und interreligiösen Dialog seien "geschätzte Beiträge" für die vielfältigen Bemühungen um eine verbesserte Integration unser "Mitbürgerinnen und Mitbürger aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen".

Sorge über die Entwicklung der Medien

Der Papst äußerte sich in seiner Ansprache auch besorgt über die Entwicklung der Medien. Durch einen immer härter werdenden Wettbewerb sähen sich diese gedrängt, auch auf Kosten des Wahrheitsgehaltes möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen. "Problematisch" werde es insbesondere dann, "wenn Verantwortungsträger öffentlich Stellung nehmen, ohne in der Lage zu sein, alle Aspekte adäquat zu prüfen.

Nach den am Vatikan üblichen Gepflogenheiten kann der Diplomat nach dem Antrittsbesuch offiziell seine Tätigkeit als Botschafter am Heiligen Stuhl und im diplomatischen Ambiente Roms aufnehmen.

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