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04.02.2012
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Erstmals sind Vatikan-Münzen im regulären Geldverkehr

Papst kommt in die Portemonnaies

Vatikanstadt. Wer im vatikanischen Postamt Briefmarken kauft, sollte am besten nicht passend zahlen: Denn dann steigen die Chancen, dass er einen blitzblanken, goldglänzenden kleinen Fünfziger mit Papstporträt mit dem Wechselgeld bekommt. Bislang erschienen die vatikanischen Euro-Prägungen nur als fein abgepackte Komplett-Münzsätze, für die sich Sammler im Kirchenstaat die Beine in den Bauch standen. Jetzt kommt der Papst in die Portemonnaies.

Grund dafür ist ein am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getretenes Abkommen, das den Vatikan verpflichtet, künftig 51 Prozent seiner Euro-Münzen zum Nennwert in den regulären Geldumlauf zu bringen. Im Gegenzug wurde der Gesamtwert der Euromünzen, die der päpstliche Kleinstaat herausgeben darf, von knapp 1,1 Millionen auf rund 2,3 Millionen Euro erhöht.

Ausgabe der Münzen wohldosiert

Wie dieser Millionenbetrag in harter Münze in den europäischen Geldverkehr kommen sollte, war im Detail bislang unklar und bereitete auch den Verantwortlichen im Vatikan etwas Kopfzerbrechen. Schließlich verfügt das 55 Hektar große Staatswesen, das zu einem erheblichen Teil aus Gärten und Basilika besteht, über eher wenige Schnittstellen für den Austausch von Bargeld. Doch nun blitzten hier und da ohne besondere Ankündigung die ersten 50-Cent-Stücke mit dem Konterfei von Papst Benedikt XVI. auf.

Etwas Glück gehört dazu, um eine der Münzen zu erhalten, denn die Ausgabe erfolgt wohldosiert. "Sie geben uns jeden Tag nur ein paar Münzen", sagt der Mann am Postschalter und weist auf das nahezu leere Fünfziger-Fach in seiner altgedienten hölzernen Wechselschatulle. Auch das päpstliche Münzamt bestätigt die zurückhaltende Strategie: Die Papst-Euros würden nicht in Rollen, sondern nur in kleinen und losen Kontingenten an die Kassen verteilt. Man will nicht Sammler zur Jagd reizen. Und: Bis auf weiteres sind es nur Fünfziger, die in den Umlauf kommen.

Auf Verkauf von Sondereditionen nicht verzichten

Münzen in kleineren Einheiten, wie etwa 10-Cent-Stücke, zu prägen, sei "die Mühe nicht wert", räumt ein Mitarbeiter des Numismatikamts ein. Auf die größeren Werte will der Vatikan verzichten, um sich nicht das Geschäft mit den jährlich erscheinenden Sondereditionen von 2-Euro-Gedenkmünzen zu verderben. Auch das zeigt, dass der Schritt zum ordentlichen Münzverkehr mit gewissen Befürchtungen verbunden war.

Wie viel der Vatikan bisher an seinen Sammler-Euros verdiente, unterliegt der Diskretion. Gemeinsam mit Vatikan-Briefmarken, Eintrittsgeldern der Vatikanischen Museen und Souvenirs zählen die Prägestücke zu den wesentlichen Einnahmequellen des Kleinstaats. Die jährlich 85.000 Kursmünzsätze mit einem Nennwert von 3,88 Euro werden vom päpstlichen Numismatikamt für je 30 Euro ausgegeben; an Sammlerbörsen erzielen solche Sets Preise von bis zu 1.400 Euro.

Kein leichter Weg in die Geldbörsen

Nicht zuletzt mit Blick auf das Sammlergeschäft war die Anbahnung des neuen Euro-Abkommens mit dem Vatikan nicht ganz einfach. "Während die Gespräche mit den Vertretern von Monaco und San Marino konstruktiv waren, zeigte sich der Staat der Vatikanstadt weniger interessiert an einem Meinungs- und Informationsaustausch", vermerkte ein Bericht der EU-Kommission seinerzeit. Aber nicht nur der Vatikan hatte anfänglich Bedenken gegen die Münzeinspeisung. Auch eher laizistisch eingestellte Staaten wie Frankreich oder Belgien hatten dem Vernehmen nach durchaus ein Interesse, Euro-Münzen mit Papst-Porträt aus ihren Geldbörsen fernzuhalten.

Benedikt XVI. tritt nun in den europäischen 50-Cent-Reigen mit Königin Beatrix von den Niederlanden, Großherzog Henri aus Luxemburg, Belgiens König Albert II. und Griechenlands Sozialreformer Eletherios Venizelos. Leise und unmerklich kommt der Vatikan seinen Vertragsvorgaben nach, indem er Kleingeld in Touristengeldbörsen wandern lässt - über zwei Millionen Münzen allein dieses Jahr. Viele Besucher im Vatikan bemerken nicht einmal, dass sie plötzlich den Papst in der Tasche haben. Protestiert hat laut dem Angestellten im Postamt jedenfalls noch keiner.

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