
Martin Buber (1878—1965) – Darstellung auf einer Briefmarke zum 100. Geburtstag.
Medientipp: "Die Erzählungen der Chassidim"
Eine Welt gelebter Weisheit und der Gottessehnsucht
"'Wo wohnt Gott?' - Mit dieser Frage überraschte der Kosker einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: 'Wie redet ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!' Er aber beantwortete die eigene Frage: 'Gott wohnt, wo man ihn einläßt.'"
Es sind Geschichten wie diese, die "Die Erzählungen der Chassidim" so kostbar machen. Der österreichisch-israelische jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (1878-1965) hat sie gesammelt, formte sie sprachlich und durchleuchtete sie philosophisch. In den "Erzählungen der Chassidim" tritt dem Leser eine Welt gelebter Weisheit und existentieller Religiosität entgegen.
Die religiöse Bewegung der Chassidim entstand innerhalb des Judentums gegen 1750 in der Ukraine und in Polen. Es ist eine von tiefem religiösem Gefühl und von Gottessehnsucht getragene Bewegung. Den Chassidim geht es um Frömmigkeit, Demut, aber auch Freude und tätige Liebe. Das Göttliche ist in allen Dingen zu finden; die Begegnung mit Gott ist in der Verrichtung alltäglicher Dinge möglich, davon waren die frommen Juden überzeugt. – Hier klingt das jesuitisch-ignatianische "Gott in allen Dingen finden" an.
Die Legenden der Chassidim (hebräisch: "Fromme") erzählen vom Leben und Wirken der großen Zaddikim ("Gerechte"), den geistigen Führern der osteuropäischen chassidischen Gemeinden. Im Mittelpunkt der Legenden steht die lebensbejahende Religiosität der Chassidim, die durch einfaches, aber fröhliches Leben, durch Nächstenliebe und Gemeinschaftssinn Gott ihre Demut und Verehrung darbringen.
"Die Erzählungen der Chassidim" sind zweifelsohne für den kulturbeflissenen Leser ein wichtiger Teil der Weltliteratur; für den spirituell-interessierten Menschen kann es eine hervorragende geistliche Lektüre sein.
Medientipp:
Martin Buber
Die Erzählungen der Chassidim
848 Seiten, 26,90 Euro
Manesse-Verlag, Zürich
Text: göc | Foto: Archiv
22.07.2010
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