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24.05.2012
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Vatikanfahne

Stühlerücken im Vatikan: Der Papst hat mehrere Personalveränderungen vorgenommen.

Baseler Bischof folgt auf Kardinal Kasper

Papst baut Kurie um: Koch neuer "Ökumene-Minister"

Vatikanstadt / Basel. Der bisherige Basler Bischof Kurt Koch (60) wird Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Das Bistum Basel und Koch selbst teilten die bevorstehende Ernennung durch Papst Benedikt XVI. am Mittwoch (30.06.2010) mit.

Als vatikanischer "Ökumene-Minister" tritt Koch die Nachfolge des deutschen Kardinals Walter Kasper (77) an, der nach einer Annahme seines Rücktritts durch den Papst in Ruhestand geht. Koch schreibt, er übernehme das Vatikan-Amt bereits am Donnerstag (01.07.2010). Deshalb halten Beobachter für sicher, dass Benedikt XVI. an diesem Tag Kaspers Rücktritt bestätigt. Koch wurde zudem zum Apostolischen Administrator seiner bisherigen Diözese Basel ernannt. Dies gelte bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs.

Neuer Chef für Bischofskongregation

Weiter nahm der Papst am Mittwoch (30.06.2010) den altersbedingten Rücktritt des italienischen Kardinals Giovanni Battista Re (76) als Präfekt der Bischofskongregation an. Nachfolger wird der Kanadier Kardinal Marc Ouellet (66), bislang Erzbischof von Quebec.

Mit der Leitung des neu geschaffenen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung betraute der Papst den römischen Weihbischof Rino Fisichella (58), der bislang die vatikanische Akademie für das Leben und als Rektor die römische Lateran-Universität leitete.

Re war seit 1979 in vatikanischen Leitungspositionen tätig: als stellvertretender Innenminister, anschließend elf Jahre lang als Innenminister und seit dem Jahr 2000 als Chef der Bischofskongregation. Sein Nachfolger Ouellet wirkte früher als Theologieprofessor in Rom und war zwischen 2001 und 2002 als Sekretär in dem für Ökumenefragen zuständigen Einheitsrat tätig. Seit acht Jahren leitet er das Erzbistum Quebec und ist damit Primas von Kanada.

Leiter für neue Vatikan-Behörde

Fisichella, 1951 in Codogno in Norditalien geboren, begann seine Laufbahn als Professor für Fundamentaltheologie an der Päpstlichen Universtität Gregoriana in Rom. 1998 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Weihbischof in Rom; 2002 übernahm er die Leitung der Päpstlichen Lateran-Universität. 2008 wurde er von Benedikt XVI. zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben berufen; diese gibt unter anderem Stellungnahmen zu bioethischen Fragen ab. Fisichellas Äußerungen auf diesem Gebiet, aber auch seine Tätigkeit als Hauskaplan des italienischen Parlaments machten ihn zu einem der bekanntesten Kirchenvertreter in Italien.

Koch wurde am 15. März 1950 in Emmenbrücke geboren. Er studierte Theologie in Luzern und München. Nach seiner Priesterweihe 1982 arbeitete er zunächst als Seelsorger in Bern. Seit 1986 lehrte er in Luzern; dort wurde er 1989 Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Hochschule Luzern. Zum Bischof von Basel wurde Koch 1995 ernannt und am 6. Januar 1996 von Papst Johannes Paul II. selbst zum Bischof geweiht. Seit 2002 ist Koch Mitglied des Päpstlichen Einheitsrates. Von 2007 bis 2009 war er Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz. Seit Januar 2010 ist Koch "ständiger Gast" der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Ökumene "aus der unmittelbaren Erfahrung"

Bereits im Februar habe ihn der Papst nach seiner Bereitschaft zur Übernahme dieser Aufgabe gefragt, erläuterte der Bischof in einem persönlichen Schreiben an die Seelsorger seiner Diözese. Benedikt XVI. erklärte Koch zufolge, es sei ihm ein wichtiges Anliegen, dass die Leitung des Einheitsrates von jemandem wahrgenommen werde, der die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen nicht nur aus der Literatur, sondern "aus der unmittelbaren Erfahrung" kenne. Damit habe der Papst erneut gezeigt, dass ihm nicht nur die Ökumene mit den Orthodoxen, sondern auch jene mit den Protestanten am Herzen liege, so Koch.

Der künftige "Ökumene-Minister" beklagte in dem Schreiben eine "zunehmende antirömische Stimmung" und eine "gravierende Entfremdung" gegenüber Benedikt XVI. Er weist den "in der Öffentlichkeit weit verbreiteten" Vorwurf zurück, der Papst wolle hinter die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zurückgehen. Benedikt XVI. wolle keineswegs zurück, sondern die Kirche "vielmehr in die Tiefe führen".

Positive Reaktionen

Die katholische Bischofskonferenz der Schweiz äußerte sich unterdessen erfreut über die bevorstehende Ernennung. Auch wenn man im eigenen Kreis "einen lieben und sehr geschätzten Mitbruder" verliere, begleiteten Koch die "besten Segenswünsche", heißt es in einer Erklärung.

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) würdigte bereits am Mittwoch (30.06.2010) die Verdienste Kardinal Kaspers und dankte ihm für seine "zahlreichen wegweisenden Beiträge" sowie sein "unermüdliches ökumenisches Engagement über viele Jahrzehnte hinweg". Seinem Nachfolger Koch wünschte sie "Gottes Segen" im neuen Amt. Man hoffe, in ihm einen ebenso guten und verlässlichen Partner zu haben wie in Kasper.

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Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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