
Das Patronatsfest Peter und Paul am 29. Juni markiert den abschließenden Höhepunkt der ersten Jahreshälfte.
Kasper, Koch und weitere Kuriengerüchte
Vor den Ferien bündeln sich vatikanische Entscheidungen
Vatikanstadt. Kurz vor der Sommerpause laufen im Vatikan die Arbeiten noch einmal auf Hochtouren. Papst und Kurienbehörden wollen möglichst viele Projekte abschließen oder auf den Weg bringen, bevor für gute zwei Monate im Schatten des Petersdoms die Stallwachen die Macht übernehmen. Das Patronatsfest Peter und Paul am 29. Juni markiert den abschließenden Höhepunkt der ersten Jahreshälfte.
Bevor Benedikt XVI. am 7. Juli nach Castelgandolfo übersiedelt, stehen noch wichtige Entscheidungen an. Eine der ersten soll Medienberichten zufolge den deutschen Kurienkardinal und "Ökumene-Minister" Walter Kasper (77) betreffen. Elf Jahre lang prägte er als eine der markantesten Persönlichkeiten am Heiligen Stuhl die Beziehungen zu den anderen Kirchen, aber auch zum Judentum. Er dürfte in absehbarer Zeit in Pension gehen. Als Präsident des Päpstlichen Einheitsrats hat er manche ökumenische Eiszeit beendet und Fortschritte im Dialog mit Altorientalen und Orthodoxen, aber auch mit den Kirchen der Reformation erreicht.
Nachfolge Kaspers noch ungeklärt
Wann genau Benedikt XVI. Kaspers Rücktritt annimmt, ist offen. "Nach Peter und Paul" heißt es in Rom. Das kann bedeuten sofort, aber auch vielleicht erst nach dem Papstbesuch in England Mitte September. Denn dann gehört Kasper in jedem Fall zur offiziellen Begleitung des Papstes. Noch ist nicht offiziell, wer ihm nachfolgt. Ein knappes Dutzend Namen aus Deutschland und Italien wird in der Presse gehandelt, darunter der des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller (62). Derzeit deutet indes vieles auf den Basler Bischof Kurt Koch (60) hin.
Allerdings gehen Spekulationen gerade im Vatikan oft daneben - wie die zweite große Personalie der nächsten Wochen zeigt. Unisono wurde seit Jahresbeginn der australische Kardinal George Pell (69) als Favorit für die Nachfolge von Giovanni Battista Re (76) an der Spitze der Bischofskongregation genannt. Inzwischen aber gilt der kanadische Kardinal Marc Ouellet (66) als aussichtsreichster Anwärter auf den Posten des letzten ganz großen Kurienmanns aus dem Pontifikat Johannes Paul II. Ouellet, seit 2003 Erzbischof der schwierigen Erzdiözese Quebec, kennt den Vatikan und die Kurie, er war in den Jahren 2001 und 2002 Sekretär im Einheitssekretariat.
Neue Behörde für die Nichtglaubenden
Offen ist auch, ob der Papst noch vor den Ferien die geplante neue Behörde für die Nichtglaubenden ins Leben ruft. Das "Motu proprio" zur Errichtung dieses "Vorhofs der Völker", wie Benedikt XVI. die Initiative einmal nannte, soll fertig sein. Möglicher Chef könnte der römische Erzbischof Rino Fisichella (58) werden, bislang (nicht unumstrittener) Präsident der Akademie für das Leben.
Und auch im Fall Walter Mixa dürfte es noch vor den Sommerferien die angekündigte Aussprache geben. Die Papstaudienz für den emeritierten Augsburger Bischof könnte am kommenden Freitag stattfinden, wie Medien schrieben, aber vielleicht auch schon früher.
Abgesehen davon rätseln Beobachter, mit welchem wissenschaftlichen Projekt sich der Theologen-Papst diesmal in seinem Urlaub beschäftigt. Der zweite Band des Jesus-Buchs ist bereits beim Verlag und den Übersetzern und dürfte im Frühjahr 2011 erscheinen. Möglicherweise will Benedikt XVI. in einem dritten Band die Kindheitsgeschichte Jesu behandeln. Sicher ist, dass der 83-Jährige im Urlaub Kraft schöpfen möchte. Denn nach der schwierigen Großbritannienreise erwartet ihn im Oktober noch die Bischofssynode für den Nahen Osten. Und die Probleme der Kirche in den Ursprungsländern des Christentums verlangen die ganze theologische, ökumenische und interreligiöse Konzentration des Pontifex.
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Text: Johannes Schidelko,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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