Abt der Klosterkirche: Erzbistum nicht zuständig
Zisterzienser: Zollitsch wird grundlos beschuldigt
Freiburg. Die österreichische Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau hat Erzbischof Robert Zollitsch gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in Schutz genommen. Zollitsch habe mit Vorgängen an der Klosterkirche Birnau am Nordufer des Bodensees "nichts zu tun", heißt es in einer Erklärung von Abt Anselm van der Linde vom Donnerstag (03.06.2010). Die Birnau gehört kirchenrechtlich zu Wettingen-Mehrerau. Ähnlich wie von der Linde äußerte sich der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier.
Am Mittwoch (02.06.2010) hatte das ARD-Fernsehmagazin "Report Mainz" berichtet, ein Mann habe Anzeige gegen Zollitsch wegen Beihilfe zum Missbrauch erstattet. Zollitsch habe als damaliger Personalreferent der Erzdiözese Freiburg 1987 die Anstellung eines Paters in der Wallfahrtskirche am Bodensee "veranlasst", obwohl bekannt gewesen sei, dass der Mann bereits sexuell übergriffig gewesen sei. Das Erzbistum wies die Vorwürfe am gleichen Tag zurück.
Orden untersteht dem Papst
Der Abt von Wettingen-Mehrerau räumte einen "nicht adäquaten Umgang" seines Ordens mit Tätern und Opfern sexuellen Missbrauchs ein. Dadurch sei Zollitsch "plötzlich und völlig grundlos" mit der Tat eines Ordensmitglieds in Verbindung gebracht worden. Der Abt betonte, die Zisterzienser unterständen nicht dem Ortsbischof, sondern dem Papst. Er appellierte an die Opfer, mit den staatlichen Behörden und, "so es ihnen möglich ist", mit ihm Kontakt aufzunehmen.
Kirchenrechtler Bier sagte, Zollitsch sei für die Seelsorge in der Birnau "niemals zuständig gewesen, weder als Personalreferent noch als Erzbischof". Der Einsatz von Personal in diesen Pfarreien sei Sache des Abts. Die Organisationsform der sogenannten Territorialabtei, die für Wettingen-Mehrerau gilt, stellt laut Bier eine Ausnahmestruktur dar. Weltweit gebe es nur ein gutes Dutzend solcher Exklaven innerhalb eines Bistums.
Verhalten der Staatsanwaltschaft "irritierend"
Das Verhalten der Freiburger Staatsanwaltschaft, die die Anzeige gegen Zollitsch öffentlich bestätigt hatte, nannte Bier "irritierend". In einem solch frühen Stadium solle ein Staatsanwalt nicht an die Öffentlichkeit gehen. Allerdings habe derzeit "jeder Angst, bei einem Missbrauchsvorwurf zu spät zu handeln". Ungeprüfte Missbrauchsvorwürfe seien problematisch, weil ein Betroffener auch dann beschädigt werde, wenn sich später herausstelle, dass alles frei erfunden sei.
Das Erzbistum hatte betont, Zollitsch habe von den der Anzeige zugrundeliegenden Vorwürfen aus den 1960er Jahren erst 2006 erfahren und dann rasch gehandelt. Man habe den Zisterzienserorden eingeschaltet. Der heutige Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz habe weder von den Vorwürfen aus den 1960er Jahren noch vom erneuten Einsatz des Paters gewusst.
Die Staatsanwaltschaft Freiburg, bei der die Anzeige eingegangen war, leitete diese nach eigenen Angaben an die Staatsanwaltschaft Konstanz mit der Bitte um Übernahme weiter. Der Konstanzer Oberstaatsanwalt Christoph Hettenbach erklärte, dass bislang keine Akten eingegangen seien und deshalb das Übernahmegesuch nicht habe bearbeitet werden können. Hettenbach bestätigte zugleich, dass in seiner Behörde ein Verfahren gegen den Pater anhängig sei. Zum Stand dieser Ermittlungen wollte er sich nicht äußern, da die Akten derzeit bei der Polizei seien.
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Staatsanwalt ermittelt gegen Zollitsch (02.06.2010)
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
04.06.2010
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