
Bischof Luigi Padovese ist erstochen worden.
Luigi Padovese offenbar von eigenem Fahrer umgebracht
Ortsbischof des Paulus-Geburtsorts erstochen
Iskenderun / Tarsus / Bistum. Luigi Padovese, als Bischof unter anderem für den Paulus-Geburtsort Tarsus in der Türkei zuständig, ist am Donnerstag (03.06.2010) erstochen worden. Der 63-Jährige Apostolische Vikar von Anatolien war seit 2008 Vorsitzender der Türkischen Bischofskonferenz. Er wurde im Garten seines Bischofshauses in der Hafenstadt Iskenderun nahe der türkisch-syrischen Grenze attackiert und erlag seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus.
Die Behörden nahmen den Fahrer des Bischofs mit der Tatwaffe fest. Der Gouverneur von Iskenderun teilte mit, es sehe aus, als handele es sich "um eine persönliche Angelegenheit", nicht um ein religiöses oder politisches Motiv. Offenbar habe der Verdächtige im Streit ein Messer gezückt.
Entsetzen in Kirche und Politik
Vatikan-Sprecher Federico Lombardi zeigte sich "entsetzt", er nannte die Tat schrecklich und unglaublich. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte Padovese als "großen Seelsorger und Hirten".
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sieht einen großen Verlust für die türkischen Katholiken. Der Bischof sei ein Märtyrer des Evangeliums, der in der Christenheit nicht vergessen werde. Kardinal Peter Erdö, Vorsitzender des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen, nannte Padovese einen Mann des Friedens und des Guten.
Für Tarsus zuständig – in Münster zu Gast
Der Kapuzinerpriester Padovese stammte aus Mailand und war als Professor der Päpstlichen Universität Antonianum in Rom Fachmann für die Epoche der Kirchenväter. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 2004 zum Bischof und zum Apostolischen Vikar von Anatolien. Als solcher war Padovese zuständig für große Teile der Ost- und Südtürkei, unter anderem für Tarsus, wo der heilige Paulus, größter Missionsreisender der Christenheit und Patron des Bistums Münster, geboren wurde. Da in Padoveses Kirchenbezirk kaum 4.000 Katholiken leben, hat dieser nicht den Rang eines Bistums.
Als 2009 ein weltweites Festjahr an die Geburt des Paulus vor 2.000 Jahren erinnerte, war Padovese auch in Münster zu Gast. Er sprach an einem Geistlichen Abend zur Fastenzeit im St.-Paulus-Dom, der einzigen deutschen Kathedrale, die dem Völkerapostel geweiht ist. Auch besuchte Padovese das münstersche Kapuzinerkloster.
Einfach, offen, bescheiden, herzlich
Der Kapuzinerbruder Bruno Tröndle, der den Bischof seit 1982 persönlich kannte, beschrieb ihn 2009 in der münsterschen Bistumszeitung Kirche+Leben als "einfachen, guten Mitbruder, der nie vergessen hat, dass er immer zuerst Ordensmann ist, und dann erst Bischof oder Professor". Padovese sei "offen, bescheiden und herzlich", er habe auf Reisen möglichst in Kapuzinerklöstern gewohnt, um das Leben des Ordens zu teilen.
Padovese galt als Diplomat. Gegenüber den türkischen Behörden hatte er – unterstützt von der Deutschen Bischofskonferenz – seit Jahren darauf gedrungen, die Feier christlicher Gottesdienste in Tarsus zu ermöglichen. Die Kirche im Paulus-Geburtsort ist seit 1943 vom Staat beschlagnahmt. Sie diente der Armee lange als Lagerraum, derzeit ist sie ein Museum. Verschiedene Behörden hatten wiederholt die Erlaubnis erteilt, dort dauerhaft Gottesdienste zu feiern, andere Stellen hatten die Genehmigung immer wieder widerrufen. Eine endgültige Regelung gibt es bisher nicht.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Luigi Padovese spricht im münsterschen Dom (04.02.2009)
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Text: Jens Joest und
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Jens Joest
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