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24.05.2012
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Grabtuch.

Am Sonntag wird Papst Benedikt XVI. vor dem Grabtuch meditieren.

Papst Benedikt XVI. reist zum Turiner Grabtuch

"Eine Hilfe für den Glauben"

Rom. Turin gleicht seit zweieinhalb Wochen einer großen Pilgerstätte im Ausnahmezustand: Zehntausende Besucher strömen seit dem 10. April täglich in den Dom der norditalienischen Industriestadt. Ihr Ziel: Das Turiner Grabtuch. Bis zum 23. Mai wird das Leinen mit dem geheimnisvollen Antlitz eines bärtigen Mannes, der die Wundmale einer Kreuzigung trägt, erstmals seit zehn Jahren wieder öffentlich ausgestellt.

Das Erzbistum Turin rechnet mit insgesamt mehr als zwei Millionen Besuchern. Der berühmteste Gast wird am Sonntag (02.05.2010) erwartet: Benedikt XVI. Der Papst wird vor dem Grabtuch meditieren. Zuvor feiert er auf der Piazza San Carlo im Zentrum eine Messe und trifft mit Jugendlichen zusammen.

Illustre Gästeschar

Der deutsche Papst reiht sich in eine illustre Gästeschar ein: Vor ihm haben schon der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, der italienische Außenminister Franco Frattini, die Fußballmannschaft "Juventus Turin" und der armenisch-katholische Patriarch Nerses Bedros das Leinen aufgesucht. Sogar eine Gruppe junger Muslime aus Italien kam nach Turin, um das von vielen Katholiken als Grabtuch Christi verehrte Leinen zu sehen.

Was fasziniert die Menschen an diesem 437 Zentimeter langen und 111 Zentimeter breiten Tuch? Hat sich darin tatsächlich ein naturgetreues Porträt Jesu erhalten? Wie ist der Abdruck auf das Gewebe gelangt? Handelt es sich um eine mittelalterliche Fälschung? Die Frage, was das Leinen von Golgatha mit dem Grabtuch von Turin verbindet, hat seit Beginn des 20. Jahrhundert eine leidenschaftliche Debatte über wissenschaftliche Forschung, fromme Überzeugungen und weltanschauliche Vorurteile ausgelöst.

Ursprünge des Grabtuches liegen im Dunkeln

Die Ursprünge des Grabtuches liegen weiterhin im Dunkeln. Nach Ansicht einiger Fachleute soll das Leinen identisch mit dem so genannten Abgar-Tuch sein, das im frühen Mittelalter in Edessa, dem heutigen Urfa im Südosten der Türkei verehrt wurde. Von dort soll es nach Konstantinopel gelangt sein, wo es während der Plünderung der Stadt durch die Teilnehmer des 4. Kreuzzuges 1204 verschwand. Erstmals erwähnt wird das Grabtuch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Frankreich. Seit 1578 befindet sich das Leinen in Turin.

Die wissenschaftliche Erforschung des Grabtuchs begann mit einem Foto. In der Dunkelkammer sah der italienische Hobbyfotograf Secondo Pia 1898 das Negativbild, das erstmals deutlich die Gesichtszüge eines bärtigen Mannes zeigte. Der Körper wies Spuren zahlreicher Verwundungen auf, die zu Geißelung, Dornenkrone und Lanzenstich passten, wie sie die Evangelien beschrieben. Physiker, Chemiker und Biologen untersuchten das Leinen in der Folgezeit so häufig, dass es mittlerweile als das besterforschte Stück Stoff gilt. Pollenspuren verwiesen auf Pflanzen des östlichen Mittelmeerraums, das Material und seine Fertigung passten ebenfalls zur Zeit Christi, hieß es.

Umstrittene Radiokarbontests

Einen schweren Schlag für all jene, die von der Echtheit des Tuches überzeugt waren, stellte 1988 das Ergebnis eines Radiokarbontests dar. Wissenschaftler von drei Universitäten kamen unabhängig voneinander zum Ergebnis, dass es aus der Zeit zwischen 1260 und 1390 stamme. Aber auch dieser Befund wurde bald infrage gestellt. Das Ergebnis sei durch spätere Verunreinigungen, durch Löschwasser eines Brandes von 1532 und durch aufgesetzte Stoffflicken verfälscht worden. Zuletzt wurde diese These im April von Wissenschaftlern der Universität Padua vertreten, die die Messergebnisse neu ausgewertet hatten.

Eine offizielle Stellungnahme der katholischen Kirche zur Echtheit des Grabtuches gibt es bislang nicht. Papst Johannes Paul II. hob während seines Turin-Besuches 1998 hervor, dass die Wissenschaft über die Echtheit des Tuches entscheiden müsse. Die Kirche besitze hierfür keine "besondere Kompetenz". Papst Benedikt XVI. bezeichnete das Tuch vor kurzem in einer Generalaudienz als "Hilfe für den Glauben". In diesem Sinne hatte sich auch der frühere Turiner Kardinal Giovanni Saldarini geäußert. Das Tuch sei in jedem Fall ein "rührendes Zeichen" der Schmerzen Jesu am Kreuz - ob es nun echt sei oder nicht.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Papst Benedikt XVI.
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Text: Thomas Jansen, Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Archiv
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