
Der einst als "Panzerkardinal" titulierte Joseph Ratzinger strahlte als Papst eine gewinnende Herzlichkeit aus und wird in Sprechchören gefeiert.
Missbrauchsskandal überschattet Erfolge des Pontifikats
Benedikt XVI.: Seit fünf Jahren Papst
Vatikanstadt. Der Missbrauchsskandal verdunkelt seit Monaten das öffentliche Bild der Kirche. Die Enthüllung von sexuellen Übergriffen durch Geistliche belastet das katholische Leben in Irland und im deutschen Sprachraum, in den USA wie England - und reicht bis nach Rom, zum Papst.
Theologen sprechen von der ernstesten Kirchenkrise seit der Reformation. Sie wirft einen Schatten auf das Pontifikat von Benedikt XVI., das am Montag (19.04.2010) seinen fünften Jahrestag erreicht.
Dabei brachte gerade das vergangene Jahr für den Papst zunächst beeindruckende Erfolge. Höhepunkt war im Mai 2009 die Reise ins Heilige Land. Die Begegnungen mit der Welt des moderaten Islam in Jordanien waren ein Durchbruch.
Vielbeachtete Vorschläge zur katholischen Soziallehre
Das Verhältnis zum Judentum steht, wie der Gang zur Jerusalemer Klagemauer und später der Besuch der römischen Synagoge zeigte, auf so stabiler Grundlage, dass auch Differenzen um Pius XII. den Dialog nicht ernsthaft beeinträchtigen. Zudem präsentierte sich das Kirchenoberhaupt in Nahost als überparteilicher Mahner für eine gerechte Friedenslösung - und als Anwalt der Christen im Heiligen Land.
Mit seiner dritten Enzyklika "Caritas in veritate" hatte der Papst im Sommer 2009 das Profil seines Pontifikats um vielbeachtete Vorschläge zur katholischen Soziallehre und zur zivilen Weltordnung erweitert. Im Herbst lenkte die Afrikasynode den Weltblick auf die gewaltigen Probleme des Schwarzen Kontinents - und auf die lebendige Ortskirche.
Defizite in der vatikanischen Koordination
Schließlich gelang es dem Vatikan, wenn auch mit Mühe, die Erregung um die Piusbrüder zu dämpfen und auf den Kern des Traditionalisten-Problems zurückzuführen: Auf die theologischen Streitfragen um das Konzil, um Ökumene, interreligiösen Dialog und Liturgiereform. Der Dialog wird jetzt, abseits der TV-Kameras, in Experten-Zirkeln geführt.
Bereits der Konflikt um die Piusbrüder machte Defizite in der vatikanischen Koordination und Öffentlichkeitsarbeit deutlich. Der Papst und sein Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone haben die Kurie in den vergangenen fünf Jahren fast komplett neu besetzt. Aber der Theologe auf dem Papstthron konzentriert sich in erster Linie auf die Verkündigung und Präzisierung des Glaubens. Er forciert den Dialog zwischen Kirche und Welt, zwischen Glaube und Vernunft.
Gesuchter Gesprächspartner für die Mächtigen der Welt
Aber er kümmerte sich weniger um Verwaltung. Und Bertone hat offenbar den Apparat nicht immer ausreichend im Griff. Mehrfach musste der Papst selbst mit Klarstellungen eingreifen. Vatikansprecher Federico Lombardi, ein hochqualifizierter Medienprofi, hat eine der schwierigsten Aufgaben am Heiligen Stuhl.
Konsequenter als sein Vorgänger hält sich Benedikt XVI. aus der Alltagspolitik heraus. Das hindert ihn nicht, deutlich das natürliche Sittengesetz einzumahnen und den Schutz des Lebens wie den Wert von Ehe und Familie zu fordern. Weiterhin ist das Kirchenoberhaupt gesuchter Gesprächspartner für die Mächtigen der Welt: US-Präsident Barack Obama war unlängst im Vatikan, ebenso sein russischer Amtskollege Dmitri Medwedew. Derzeit bemüht sich der Heilige Stuhl um bessere Beziehungen zu Vietnam und zu China.
Er ist und bleibt der Wissenschaftler
Benedikt XVI. ist nicht der Medienstar, nicht der "Papst der Herzen" wie sein polnischer Vorgänger, dessen Seligsprechung bevorsteht. Er ist und bleibt der Wissenschaftler, der Professor. Im kommenden Sommer verzichtet er sogar auf den traditionellen Bergurlaub, um sein geplantes Jesus-Buch abzuschließen. Aber auch der einst als "Panzerkardinal" titulierte Joseph Ratzinger strahlte bald gewinnende Herzlichkeit aus, wird in Sprechchören gefeiert.
Freilich scheint der anfängliche Vertrauensvorschuss nach den Irritationen um die Regensburger Rede, die Piusbrüder und nun um die Missbrauchsdebatte zu schmelzen. Auffallend ist, dass der Papst, der seine Reisen und Audienzen zunächst stark reduzierte, seit gut einem Jahr wieder präsenter ist. Beobachter sprechen von einer neuen "Charme-Offensive".
Noch viel Überzeugungsarbeit steht an…
Im aktuellen Missbrauchsskandal setzt der Papst weniger auf Charme als auf Argumente. Ratzinger hatte bereits 2001 strenge Richtlinien für die Kirche verfügt, auch wenn man ihm heute manche ererbten Fehler früherer Jahre persönlich anlastet. Für die kommenden Jahre des Pontifikats steht noch viel Überzeugungsarbeit bevor.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Mehr zum Thema im Internet:
Text: Johannes Schidelko,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
16.04.2010
Heilige und Selige
Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Dossier: Maria
Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.
Wohnungsnotfallhilfe
In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Sterbebegleitung
Wann beginnt das Sterben? Was erwartet mich auf meinen letzten Wegen vor dem Tod? Kann ich mich und meine Verwandten auf diese Wege vorbereiten?
Ehegericht
Mit seinen rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigt sich Offizial Kurt Schulte größtenteils mit so genannten Ehenichtigkeitskeitsverfahren.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de












Newsticker für Ihr Web