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21.02.2019
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Christian Hennecke.

Christian Hennecke.

Interview mit Christian Hennecke

Chance, vom Glauben zu erzählen

Hildesheim. Die Situation der Kinder, die sich auf die Erstkommunion vorbereiten, hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. 80 Prozent der Kinder würden von zu Hause keine christliche Prägung mehr mitbekommen, meint Christian Hennecke, Regens des Priesterseminars in Hildesheim, in dem in Kürze erscheinenden Buch "Einfach Erstkommunion feiern". Dieser Wandel beschäftigt auch das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, das jedes Jahr bundesweit die Vorbereitung der Erstkommunionkinder in den Pfarreien mit passendem Unterrichtsmaterial unterstützt. Mit Christian Hennecke sprach Alfred Herrmann vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken.

Bonifatiuswerk: Herr Hennecke, Sie sind in Ihrem Buch Meinung, dass es mit der Erstkommunionkatechese der letzten 40 Jahre nicht gelungen ist, Menschen nachhaltig in das Christsein einzuführen und sie vom Geist des Evangeliums formen zu lassen. Woran liegt das?

Regens Christian Hennecke: Die Situation, in der wir uns als Kirche befinden, hat sich grundsätzlich geändert. Wir entfernen uns zusehends von dem, was die klassische Erstkommunionvorbereitung immer vorausgesetzt hat, nämlich dass die Kinder in ihren Familien eine christliche Prägung erfahren, dass sie durch ihre Eltern nach der Taufe in die kirchliche Tradition hineingeführt werden. Die Erstkommunion sollte in diesem volkskirchlichen Verständnis eigentlich der Abschluss einer Wegetappe im Glauben sein. Stattdessen kommen mittlerweile mehr als 80 Prozent der Kinder und Eltern aus einer Situation relativ ungeprägter Christlichkeit.

Bonifatiuswerk: Das klingt nach einer Diaspora-Situation inmitten katholischer Gemeinden?

Hennecke: Ja, wir treffen auf eine ganz neue Art von Diaspora. Früher konnte man von recht geschlossenen Konfessionskernen ausgehen. Familiengruppen hielten Gemeinden zusammen. Heute begegnen wir Familien, die kaum noch auf gleichgesinnte Familien im Glauben treffen. Hinzu kommt, dass innerhalb der Familien oftmals eine Diaspora-Situation zu finden ist. Viele Paare können ihren Kindern ihren Glauben gar nicht homogen bezeugen, weil nur einer von ihnen glaubt.

Bonifatiuswerk: Welches Ziel kann Erstkommunionvorbereitung in solch einer Situation überhaupt haben?

Hennecke: Das Ziel der Erstkommunionvorbereitung ist immer, das Evangelium zu verkünden und auf die Feier des großen Geheimnisses der Begegnung mit Gott vorzubereiten. Doch für die meisten ist der Erstkommunionunterricht eine erste Verkündigung. Als sinnvoll erweist es sich deshalb, dass eine entsprechend gute Erstverkündigung in diesem Rahmen organisiert wird, um die Kinder, aber auch die Eltern das erste Mal mit diesem lebendigen Gott in Verbindung zu bringen.

Bonifatiuswerk: Inwieweit gewährleistet eine Erstverkündigung ein Heranführen der Kinder an die Gemeinde?

Hennecke: Wir nutzen die Chance, dass Menschen ein Anliegen haben, nämlich Erstkommunion zu feiern, egal welche Motive damit verbunden sind. Dadurch können wir in einer bestimmten Zeit ganz intensiv von unserem Glauben erzählen. Wir sollten aber auch wissen, dass nach der Erstkommunionfeier dieser Moment der Erstverkündigung zu Ende ist und nur selten eine kontinuierliche Glaubensbiographie folgt. Das können Sie mit einem Tanzkurs vergleichen. Wenn Sie einen solchen belegen, wollen Sie hinterher ja auch nicht unbedingt tanzen. So heißt es bei der Erstkommunion auch nicht, dass die Kinder hinterher weiterhin die Kommunion empfangen wollen.

Bonifatiuswerk: Es würde immer schwieriger, ist aus den Gemeinden zu hören, katholisch sozialisierte Eltern zu finden, die die Vorbereitung der Kinder übernehmen können. Hier scheint ein wirklicher Notstand zu herrschen. Was können die Gemeinden tun?

Hennecke: Immer wieder Eltern aus den jeweiligen Jahrgängen auszuwählen, die einiger Maßen in der Lage scheinen, die Erstkommunionvorbereitung zu übernehmen, ist aufgrund der Situation, in der wir stehen, kein Zukunftsprojekt. Ich empfinde es als problematisch, dass Eltern, die die Kinder zur Erstkommunion vorbereiten sollen, erst einmal selber auf die Erstkommunion vorbereitet werden müssen. Wir müssen vielmehr fragen, ob nicht wir, die fest im Glauben stehen, bereit sind, uns als Zeuginnen und Zeugen, als Zeugengemeinschaft zu verstehen. Deshalb würde ich zuerst fragen, ob Katechese und Evangelisierung, nicht zunächst Gemeinde-Aufgabe ist, und wer aus der Gemeinde, jenseits aller Jahrgangseltern, ein Charisma für die Glaubensweitergabe an Kindern mitbringt.

Bonifatiuswerk: Inwieweit sollten Gemeinden Eltern in den Erstkommunionunterricht mit einbeziehen, um auch ihnen den Glauben näherzubringen?

Hennecke: Es würde natürlich einer Erstkommunionvorbereitung gut stehen, Wege zu schaffen, die es ermöglichen, dass Eltern wie die Kinder und zusammen mit den Kindern glauben lernen. Das geht natürlich nur, insoweit sie einbezogen werden wollen.

Bonifatiuswerk: Wie könnte ein Weg aussehen?

Hennecke: Am besten, in dem man die Eltern in einen Weg der ganzen Gemeinde einbindet. Ein Modell sehe ich in der sogenannten "Gemeinde-Katechese2. Sie stammt aus der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten und heißt dort "Whole community katechesis". Acht Mal im Jahr kommen alle aus der Gemeinde zu einem Sonntag mit Katechese, also Glaubensunterricht, zusammen, diejenigen, die schon da sind, und jene, die neu hinzukommen. Die Gemeinde-Katechese ist offen für alle und ermöglicht so die Erfahrung, dass alle gemeinsam auf dem Weg sind. Sie nimmt sich auf diese Weise einer der Hauptherausforderungen des Glaubensunterrichtes an, dass Katechese in einem Raum der Erfahrung, Kirche zu sein, stattfindet. Dadurch wird nicht der Eindruck erweckt, wir machen nur Kurse für die unwissenden Eltern der Erstkommunionkinder. Umgekehrt besteht bei vielen Erwachsenen und Jugendlichen aus unseren Gemeinden ein hohes Bedürfnis nach Katechese.

Bonifatiuswerk: Wo kann da das Bonifatiuswerk und die Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe seinen Beitrag leisten?

Hennecke: Wichtig ist zunächst, diese Situation, in der wir in der Erstkommunionvorbereitung stehen, noch deutlicher den Gemeinden vor Augen zu führen, um Reflexionsprozesse über ganz neue Wege anzuregen. Denn es nutzt nichts, wenn Gemeinden Teilprobleme immer wieder notdürftig mit Pflastern bedecken. Außerdem ist es wichtig, Erfahrungen mit neuen Wegen in der Erstkommunionvorbereitung bekannt zu machen. Mit Hilfe des Bonifatiuswerkes könnten auch pilotprojektartig Wege der Erstkommunionvorbereitung ausprobiert werden, die auch unter extremen Diasporazusammenhängen funktionieren. Das würde ich sehr begrüßen.

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Text: Alfred Herrmann | Foto: Alfred Herrmann
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