
Ein neuer Kinofilm nähert sich dem Geschehen in Lourdes.
Film wurde von Gläubigen wie Atheisten ausgezeichnet
"Lourdes" zeigt Wunder in kühler Laboratmosphäre
Lourdes. Selten wird ein Drama über Glaubensfragen von Gläubigen wie Atheisten prämiert. Das Kunststück gelang der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner mit ihrem jüngsten Film "Lourdes", der derzeit in den deutschen Kinos läuft. Die Auseinandersetzung über Wunder erhielt bei den 66. Filmfestspielen in Venedig sowohl den Signis-Preis der ökumenischen Jury wie den Brian-Award der Religionskritiker, benannt nach Monty Python's Jesus-Satire "Life of Brian".
Die Handlung spielt auf einer Wallfahrt des Malteser-Ordens nach Lourdes. 1858 erschien dort die Gottesmutter dem Bauernmädchen Bernadette Soubirous. Nach ersten Heilungen entwickelte sich der Ort zu einer der größten Wallfahrtstätten der Christenheit mit jährlich mehrere Millionen Pilgern.
Hauptdarstellerin beeindruckt
Zu ihnen gehört auch die Hauptfigur von Hausners Film, Christine – beeindruckend gespielt von Sylvie Testud. Die junge Frau leidet an Multipler Sklerose und ist an den Rollstuhl gefesselt. Sie hofft weniger auf ein Wunder, sondern mehr, ihre unfreiwillige Isolation zu überwinden. Nach Besuchen in der Grotte und Bädern bessert sich Christines Befinden überraschend. Sie kann wieder laufen. Das Ärztekomitee von Lourdes prüft, ob ein Wunder vorliegt. Das Ergebnis bleibt offen, da die Krankheit vorübergehende Besserungsschübe kennt.
Auch der Film gibt keine abschließende Antwort. Hausner geht es um die Ambivalenz zwischen der kirchlichen Überzeugung, wonach Gott durch Wunder heilend in das Leben von Menschen eingreifen kann, und dem grundsätzlichen Zweifel am Glauben. Damit wirft sie zugleich zentrale Fragen nach der Existenz Gottes, der Sehnsucht nach Glück und Heil auf der einen Seite und der Erfahrung von Krankheit, Zufall und Unheil auf der anderen Seite auf.
Dokumentarisch streng
Das Werk ist formal streng gehalten, die Personen und Riten einer Pilgerwalfahrt werden fast dokumentarisch beobachtet. Die Kamera wahrt beobachtende, erkundende Distanz. Schon die erste Szene zum Frühstück im Pilgerhospiz wirkt wie die Sequenz einer Überwachungskamera. Bei Schuberts "Ave Maria" kommen die Pilger nach und nach in den schmucklosen Kantinenraum. Die Bilder sind leicht entfärbt. Die Außenaufnahmen erinnern an ausgebleichte Fotos aus den 60er Jahren.
So wird der Film zur Milieustudie. Die Teilnehmer der Pilgergruppe übernehmen die unterschiedlichen weltanschaulichen Perspektiven: Die Mutter, die mit ihrer kranken Tochter alljährlich nach Lourdes kommt und nun erleben muss, dass ausgerechnet eine wenig gläubige MS-Kranke geheilt wird; freiwilligen Helfer, die sich offenbar eher nach Ferien sehnen – was dem Engagement der Malteser nicht wirklich gerecht wird. Zwei Tratsch-Tanten, die Geschwätziges zum Besten geben... Und natürlich fehlt der Priester nicht. Gesellig, bodenständig kümmert er sich aufmerksam um die Pilger.
"Ich habe mir vorgestellt, mich diesem sehr ambivalenten Ort eher wie ein japanischer Forscher zu nähern", erläuterte Hausner in Venedig. Tatsächlich entsteht bei aller scheinbar dokumentarischen Lebensnähe eine kalte Laboratmosphäre. Jeder hat seine Rolle in einer präzisen Choreographie. Entsprechend erscheinen die Antworten des Geistlichen oft allzu abstrakt.
Geheilte reagiert zurückhaltend
Vor allem aber erspart Hausner ihrer Protagonistin eine wirkliche Entscheidungssituation. Sie habe versucht "das Wunder so unwunderlich wie möglich zu erzählen" meint sie. In der Tat bleibt Christines Reaktion auf die Heilung seltsam zurückhaltend, leidenschaftslos. Ja, sie kann sich offenbar mehr über ein Fruchteis in der Sonne freuen als über die wiedergewonnene Beweglichkeit.
Zum Wunder gehört aber, dass der Mensch aus körperlicher oder seelischer Not unerwartet herausgerissen sich zunächst auch emotional überwältigt sieht. Erst dann versucht er, das Geschehen rational oder spirituell tiefer zu verstehen. Im Film "Lourdes" ist die Reflexion dem Wunder aber immer schon voraus – was eine existenzielle Auseinandersetzung letztlich verhindert.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Dossier: Wallfahrt
Heiligenkalender: Heilige Bernadette Soubirous
Berufsschüler begleiten behinderte Pilger nach Lourdes (10.10.2006)
Lourdes: Bislang 67 anerkannte Wunderheilungen (04.10.2006)
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
07.04.2010
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Heilige und Selige
Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.
Dossier: Maria
Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.
Wohnungsnotfallhilfe
In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
Sterbebegleitung
Wann beginnt das Sterben? Was erwartet mich auf meinen letzten Wegen vor dem Tod? Kann ich mich und meine Verwandten auf diese Wege vorbereiten?
Marienmonat
Als schönster Monat des Jahres soll der Mai der "schönsten aller Frauen" geweiht sein. Maialtäre und Maiandachten entstammen einer barocken Frömmigkeitstradition.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de












Newsticker für Ihr Web