
Das Grab Jesu in der Grabeskirche in Jerusalem.
Israel: Die Passions- und Ostergeschichten vor Augen (3)
"Er sah und glaubte"
Israel ist ein faszinierendes, aber auch spannungsreiches Land, sagt Franzis Rewer. Die 20-Jährige war mit einer Gruppe der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Münster im heiligen Land und hat jene biblischen Orte erlebt, an denen ihr die Passions- und Ostergeschichte besonders nahe kam. In kirchensite.de schreibt sie über ihre Eindrücke und Gefühle:
Was ist denn hier los? Das ist mein erster Gedanke, als wir mit unserer Gruppe die Grabeskirche in Jerusalem betreten. Der Besucher sieht sich hier nicht einer Kirche, sondern mehreren kleinen Heiligtümern und Kapellen auf zwei Etagen gegenüber. Die Grabeskirche ist von allen Seiten zugebaut, weil beinahe jede christliche Konfession versucht hat, so nah wie möglich an das Grab und die Kreuzigungsstätte Jesu heranzurücken. Heute ist die Kirche in der Hand von sechs verschiedenen christlichen Konfessionen. Dies schlägt sich in ihrer Gestaltung nieder. Es gibt viel Streit über Räume und Messzeiten, und so liegt die Schlüsselgewalt der Kirche in der Hand einer muslimischen Familie.
Ein Freund und ich schauen uns einmal die ganze Kirche an. Sie ist voller Menschen, die umhergehen und sich an der Kreuzigungsstelle dicht an dicht an das Heiligtum drängen. Wir beschließen am nächsten Morgen früh aufzustehen und eine Messe in der Grabeskirche zu besuchen in der Hoffnung, dass es dann ein wenig ruhiger ist. Unsere Erwartung wird nicht enttäuscht. Am nächsten Morgen machen wir uns mit einer kleinen Gruppe um halb sieben auf den Weg zur Grabeskirche. Die Wege sind verlassen und nur einzelne Verkäufer sind schon auf den Beinen, die vor ihren Geschäften fegen. Die Ostergeschichte berichtet von Maria von Magdala, die in der Frühe zum Grab geht und den Stein vom Grab weg gerollt sieht. Sie läuft zu Simon Petrus und dem "Jünger, den Jesus liebte", und erzählt ihnen, was geschehen ist.
Franzis Rewer (r.) erfuhr die heiligen Orte in Israel als spannungsreich und faszinierend. |
Aber was ist eigentlich geschehen? Nach der Tortur des Karfreitags und der Ungewissheit, wie es weitergehen soll, ist das leere Grab sicher ein weiterer Schock für die Jünger Jesu. Unsere kleine Pilgergruppe ist mittlerweile am Grab Jesu angekommen. Die Messe wird direkt vor der Stelle gehalten, an dem das Grab Jesu verehrt wird. Alle Bänke sind besetzt, aber die Atmosphäre ist trotzdem sehr andächtig.
Es ist etwas Besonderes, die Messe an diesem Ort zu feiern. Eine Etage höher wird in dieser Kirche die Kreuzigungsstelle Jesu " verehrt: Golgotha. Und hier, nur einige Meter weiter, feiern wir die Aufestehung. Das macht für mich besonders deutlich, worum es in den Kar- und Ostertagen geht. Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern das Leben. Das Leid ist nicht das Ende, sondern die Hoffnung. In der Eucharistiefeier bleibt Jesus auch bei uns als sichtbares Zeichen der Liebe und des Lebens. Die Architektur der Kirche macht die Nähe zwischen Kreuz und Auferstehung besonders deutlich. So bleibt die unübersichtliche Grabeskirche, in der viel über Räume und Messzeiten gestritten wird, doch ein zentraler Ort für die ganze Christenheit – egal welcher Konfession.
Für die Jünger, die Jesus zu Lebzeiten gefolgt sind, gibt es neue Hoffnung nach seinem Tod. Der Jünger, den Jesus liebte, ging in das Grab hinein. Dann heißt es im Evangelium vom Ostersonntag: "Er sah und glaubte."
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