
Der Vatikan plädiert dafür, auch rechtlich verjährte Fälle von Missbrauch anzuerkennen und Wiedergutmachung zu leisten.
Stellungnahmen des Vatikans zum Missbrauchsskandal
"Ausschlaggebend für die Glaubwürdigkeit"
Vatikanstadt. Der Vatikan hat am Wochenende (28.03.2010) erklärt, der Umgang mit dem sexuellen Missbrauch durch Geistliche und kirchliche Angestellte sei "ausschlaggebend für die moralische Glaubwürdigkeit" der Kirche. Auch wenn die Fälle teilweise Jahrzehnte zurücklägen, sei es wichtig, die Vergehen anzuerkennen und den Opfern Wiedergutmachung zu leisten, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi in Radio Vatikan.
Der Vatikan hat zudem eine eigene Internetseite zum Missbrauchsskandal eingerichtet. Unter "www.resources.va" finden sich relevante Dokumente, Ansprachen und Stellungnahmen zur aktuellen Krise, darunter auch der Brief des Papstes an die irischen Katholiken. Zudem unterhält der vatikanische Pressesaal einen deutschen Twitter-Kanal (news_va_de), der zeitnah über neue Veröffentlichungen informiert.
"Missbrauch der Missbrauchsfälle"
Derweil hat Kardinal Walter Kasper die neue Zölibatsdebatte als eine Instrumentalisierung des Pädophilieskandals zurückgewiesen. Die verpflichtende Ehelosigkeit katholischer Priester in die Diskussion zu ziehen, sei ein "Missbrauch der Missbrauchsfälle", sagte der deutsche Kurienkardinal und Präsident des päpstlichen Ökumenerates im Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Stampa" am Montag (29.03.2010). Der Eheverzicht sei zwar "kein Dogma", aber es gebe "keinen Grund, die Gesetzgebung zu revidieren und den Stand der Dinge zu ändern".
"Es ist erwiesen, dass die Pädophilie in keinerlei Zusammenhang mit der uralten Tradition steht, die Priester am Heiraten hindert", sagte Kasper. Auch Missbrauchsstatistiken belegten "exakt das Gegenteil". Die priesterliche Ehelosigkeit habe nach wie vor ihren Sinn in der ungeteilten Hingabe der Geistlichen für ihren Dienst. Es sei "nicht weise", dieses Kirchengesetz "auf der Welle der Pädophiliefälle im Klerus zu diskutieren", so der Kardinal.
Zuvor hatte sich der italienische Kardinal Carlo Maria Martini für ein Überdenken der Zölibatspflicht ausgesprochen. Die zentralen Fragen um Sexualität müssten im Licht der heutigen Generation, der Humanwissenschaften und der Lehre der Bibel neu beantwortet werden, sagte der Bibelwissenschaftler und frühere Mailänder Erzbischof in einem Zeitungsinterview.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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