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19.09.2018
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Petersdom.

Vatikansprecher Lombardi hat jetzt bekräftigt, der Papst habe in seiner Amtszeit als Erzbischof von München und Freising (1977 bis 1982) nichts mit den Personalentscheidungen zu tun gehabt, die das Erzbistum selbst jetzt als falsch eingestufte.

Missbrauch:

Vatikan weist Vorwürfe gegen den Papst zurück

Vatikanstadt/Bonn. In der Debatte um sexuellen Missbrauch weist der Vatikan alle Verdächtigungen gegen Papst Benedikt XVI. entschieden zurück. Alle Versuche, ihn "mit einer gewissen Verbissenheit" persönlich in Missbrauchsfälle zu verwickeln, seien gescheitert, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi am Wochenende.

Der Papst selbst äußerte sich am Sonntag (14.03.2010) beim Angelusgebet auf dem Petersplatz nicht persönlich zu dem Thema. Zugleich erklärte ein Experte der Glaubenskongregation, dass der Vatikan eine Aufhebung der vom Kirchenrecht vorgesehenen zehnjährigen Verjährungsfrist für Missbrauchsdelikte erwägt.

Politiker warnten vor Fixierung auf katholische Kirche

Während am Wochenende weitere Missbrauchsfälle in kirchlichen und anderen Einrichtungen bekannt wurden, warnten Politiker und Verbände vor einer Fixierung der Debatte auf die katholische Kirche. Zugleich ging die Diskussion um den Zölibat, also die Pflicht zur Ehelosigkeit bei katholischen Priestern, weiter. Eine aktuelle Umfrage zeigt einen deutlichen Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche.

Lombardi bekräftigte, der Papst habe in seiner Amtszeit als Erzbischof von München und Freising (1977 bis 1982) absolut nichts mit den Personalentscheidungen zu tun gehabt, die das Erzbistum selbst jetzt als falsch eingestufte. Ein pädophiler Priester war 1980 zur Therapie nach München gekommen und später durch eine Verfügung des damaligen Generalvikars Gerhard Gruber wieder in der Seelsorge eingesetzt worden. Nach 1982, dem Jahr des Wechsels Ratzingers nach Rom, wurde der Geistliche erneut sexuell straffällig.

Diskussion um Verjährungsfristen

Der Münchener Erzbischof Reinhard Marx versprach in der "Bild am Sonntag" eine umfassende "Aufklärung und Aufarbeitung" aller Vorfälle. Die Täter müssten sich ihrer Verantwortung stellen, und den Opfern solle Gerechtigkeit widerfahren. "Wir sehen uns darin von Papst Benedikt XVI. bestärkt", so Marx wörtlich.

In der Diskussion um Verjährungsfristen erwägt der Vatikan eine Aufhebung der zehnjährigen Frist für Missbrauchsdelikte. Das erklärte Charles J. Scicluna, Strafverfolger der Glaubenskongregation für schwere kirchenrechtliche Vergehen, in der Tageszeitung "Avvenire".

"Gesamtgesellschaftliches Phänomen"

Mehrere deutsche Politiker und Verbände warnten vor einer Fixierung auf die Kirche. Kindesmissbrauch komme am häufigsten in Familien vor und sei ein "gesamtgesellschaftliches Phänomen", das bisher tabuisiert worden sei, erklärten die Generalsekretäre von SPD und CSU, Andrea Nahles und Alexander Dobrindt, sowie der Deutsche Kinderschutzbund. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) brachte ebenso wie Grünen-Chefin Claudia Roth unabhängige Untersuchungskommissionen ins Gespräch.

Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser und der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke stellten die Zölibatspflicht für Priester ebenso in Frage wie der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen sehen alle drei aber nicht.

"Kirche geht am klarsten gegen sexuellen Missbrauch vor"

Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" wehrte sich am Sonntag in einem Gastkommentar gegen Angriffe auf die Kirche und ihre Leitung. Es werde mit "Verbissenheit" versucht, Missbrauchsfälle als besonders häufig in der Kirche darzustellen. Dabei sei sie diejenige Institution, die am klarsten gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen vorgehe.

Am Wochenende wurden weitere Missbrauchsfälle aus katholischen, evangelischen und nicht-kirchlichen Einrichtungen bekannt. Nach einem "Spiegel"-Bericht soll es etwa bei den Regensburger Domspatzen noch in den 1990er Jahren Missbrauch an Minderjährigen und sexuelle Übergriffen unter Schülern gegeben haben. Ein vom "Spiegel" als "ehemaliger Schüler" genannter Thomas Mayer ist dem Bistum Regensburg allerdings nicht bekannt, wie ein Sprecher der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte. Die Vorkommnisse seien ebenfalls bisher nicht bekannt, mögliche Opfer sollten sich beim Bistum melden, um die Fälle aufklären zu können.

Glaubwürdigkeitsverlust

Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für "Bild am Sonntag" führen die bekannt gewordenen Vorfälle zu einem deutlichen Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche. Das sagen demnach 71 Prozent aller Befragten und mit 67 Prozent auch mehr als zwei Drittel der befragten Katholiken.

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