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29.06.2016
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Traumatische Erinnerungen quälen die Opfer von sexuellem Missbrauch.

Traumatische Erinnerungen quälen die Opfer von sexuellem Missbrauch.

Ein Skandal zieht Kreise

Eine Chronologie zum Thema Missbrauch

Berlin. Seit Mitte Januar erschüttert der Missbrauchsskandal die katholische Kirche in Deutschland. kirchensite.de stellt wichtige Stationen aus den vergangenen Wochen im Bistum und in der deutschen Kirche der Entwicklung zusammen:

Mitte Januar 2010: Der Leiter des Canisius-Kollegs der Jesuiten in Berlin, Pater Klaus Mertes, informiert in Briefen rund 500 Schüler der "potenziell betroffenen" Abiturjahrgänge 1975 bis 1983 über mögliche Missbrauchsfälle. Er entschuldigt sich für "ein Wegschauen" im Lehrerkollegium und im Orden.

30. Januar: Mertes verweist in einem Zeitungsinterview auf strukturelle Probleme in der Kirche. Sie leide an "Homophobie" und habe sich beim Thema Sexualität vom realen Alltag weit entfernt.

1. Februar: Der ranghöchste deutsche Jesuit, Pater Stefan Dartmann, erklärt in Berlin, ihm seien bislang 25 Opfer bekannt. Außer den 20 Betroffenen am Canisius-Kolleg seien es 3 an der Hamburger St.-Ansgar-Schule und 2 Personen am Jesuitengymnasium in St. Blasien im Schwarzwald.

4. Februar: Auch am Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten gibt es Verdachtsfälle.

6. Februar: Laut einer vorab veröffentlichten Umfrage des Nachrichtenmagazins "Spiegel" wurde in der katholischen Kirche Deutschlands seit 1995 gegen 97 Priester und Laien wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt.

6. Februar: Die Missbrauchskommission des Bistums Münster gibt auf die Umfrage des "Spiegel" die Auskunft: Aktuell (Stand Februar 2010) gibt es im Bistum Münster zwei Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch."

8. Februar: Papst Benedikt XVI. verurteilt sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester.

8. Februar: Regens Andreas Tapken (Münster) sieht emotionale Unreife als eigentliche Ursache von Kindesmissbrauch. Man könne nicht den Zölibat mit dem Phänomen Missbrauch in Verbindung bringen, erklärt er im Deutschlandradio Kultur angesichts der jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfälle durch Jesuiten in den 1970er- und 1980er-Jahren.

9. Februar: Pater Theo Schneider legt sein Amt als Rektor am Aloisiuskolleg "im Interesse einer lückenlosen Aufklärung" nieder.

Pfarrer Hans Döink ist Leiter der diözesanen Kommission für "Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche und andere Mitarbeiter(innen) im kirchlichen Dienst".

10. Februar: Ein Kaplan im niedersächsischen Teil des Bistums Münster wird vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs entlastet. Nach einer kircheninternen Untersuchung stellt eine bischöfliche Kommission in ihrem Abschlussbericht fest, dass ein entsprechender Verdacht sich nicht bestätigt habe. Auch die Einschätzung der Polizei gehe in die gleiche Richtung.

11. Februar: Im Bistum Münster gibt es einen neuen Fall des Verdachts der sexuellen Belästigung Minderjähriger: Ein früherer Pater der Maristen, der mittlerweile münsterscher Bistumspriester ist, soll in den 1950er-Jahren in den Niederlanden eine Minderjährige sexuell belästigt haben. Dem emeritierten Pfarrer wird daraufhin durch den Bischof von Münster die weitere Ausübung priesterlicher Dienste bis zur Klärung der Vorwürfe verboten. Da sich die Belästigung in den Niederlanden ereignet haben soll und die betroffenen Personen die niederländische Sprache sprechen, wird in Absprache mit dem Regionaloberen der Maristen entschieden, dass die niederländische Kommission "Hulp en Recht" (Hilfe und Recht), eine unabhängige Kommission für Meldungen wegen sexuellen Missbrauchs durch Geistliche in den Niederlanden, beauftragt, die Angelegenheit zu klären.

15. Februar: Die öffentliche Debatte über das Thema Kindesmissbrauch sieht der diözesane Missbrauchsbeauftragte, Pfarrer Hans Döink (Coesfeld), als "Reinigungsprozess, der notwendig ist" für die Kirche. Zu lange sei das Thema verharmlost worden, wobei Döink einschränkt, dass diese Tendenz zum Vertuschen und Verschweigen insgesamt in der Gesellschaft so gewesen sei. Erst seit einigen Jahren sei ein anderes Bewusstsein entstanden. "Wir müssen uns diesen Missbräuchen offen stellen, sie aufklären und informieren – das sind wir den Opfern und auch der Gesellschaft schuldig."

16. Februar: Der Augsburger Bischof Walter Mixa führt den Missbrauch auch auf die zunehmende Sexualisierung des öffentlichen Lebens seit 1968 zurück.

18. Februar: Nach Angaben der Missbrauchs-Beauftragten der Jesuiten, der Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue, haben sich bei ihr bundesweit rund 115 Opfer gemeldet und 12 Täter namentlich genannt.

22. Februar: Die Bischöfe entschuldigen sich zum Auftakt ihrer Frühjahrsvollversammlung wegen der Missbrauchsfälle. Ehemalige Schüler des Benediktinergymnasiums Ettal erheben gegenüber zwei Ordensleuten und einem weltlichen Erzieher Vorwürfe wegen Missbrauchs.

22. Februar: In einem Internat der Pallottiner in Rheinberg am Niederrhein soll es in den 1960er-Jahren zu sexuellem Missbrauch gekommen sein. Dies sei dem Orden jetzt zugetragen worden, erläutert der Provinzial der Pallottiner, Pater Hans-Peter Becker, in einer Presseerklärung.

23. Februar: Nach dem von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) geäußerten Vorwurf der mangelnden Rechtstreue der Kirche fordert die Bischofskonferenz ultimativ eine Korrektur.

24: Februar: Gegen einen im Bistum Münster in der Pfarrseelsorge tätigen Pater der Hiltruper Misssionare gibt es Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs. "In Absprache mit dem Oberen wurden ihm bis zur Klärung der Vorwürfe jegliche priesterlichen Dienste untersagt", erklärt Personaldezernent Domvikar Hans-Bernd Köppen gegenüber kirchensite.de. – Die Ordensgemeinschaft informierte die Diözese darüber, dass der Geistliche während einer früheren Tätigkeit am Gymnasium Johanneum in Homburg (Saar) vor mehr als 20 Jahren an Schülern sexuelle Handlungen vorgenommen haben soll.

24: Februar: Im Skandal um Missbrauchsfälle in der Kirche hat die münstersche Theologin Marianne Heimbach-Steins die Bischöfe und Ordensoberen vor Vertuschung und Verdrängung gewarnt. "Es geht nicht um wenige Einzelfälle, sondern um ein verbreitetes Phänomen", meint die Sozialethikerin.

25. Februar: Die Bischofskonferenz beschließt bei ihrer Vollversammlung einen Vier-Punkte-Plan, um Missbrauch in der Kirche konsequent aufzudecken. So sollen die Richtlinien von 2002 überarbeitet und die Priesterausbildung überprüft werden. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wird Sonderbeauftragter für sexuelle Missbrauchsfälle.

26. Februar: Der Schulleiter des Ettaler Gymnasiums und Prior der Benediktinerabtei, Pater Maurus Kraß, tritt zurück. Am 24. Februar hatte auch Abt Barnabas Bögle auf Druck der Erzdiözese München sein Amt niedergelegt.

26. Februar: Ein Pfarrer aus Rees wird beim Bistum Münster wegen Fehlverhaltens gegenüber einem Kind angezeigt; er verzichtet auf die Pfarrstelle. Das Bistum leitet diese Anzeige "unverzüglich" an die diözesane Kommission für Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Diese vernimmt die betroffenen Personen: "Die Kommission hat dem Bischof mitgeteilt, dass hier kein Fall von sexuellem Missbrauch vorliegt. Der Pfarrer hat sich dem Kind gegenüber allerdings unangemessen verhalten."

26. Februar: Mit einem öffentlichen Aufruf möchte das Bistum Münster Opfer von sexuellem Missbrauch ermutigen, sich zu melden. Ein entsprechendes Schreiben an die katholischen Pfarrgemeinden in Münster-Hiltrup wird dort in den Messen am 28.02.2010 verlesen. Ein in Hiltrup in der Pfarrseelsorge tätiger Pater der Hiltruper Misssionare hat, wie es in dem Schreiben heißt, den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen während einer früheren Lehrertätigkeit im Saarland vor mehr als 20 Jahren inzwischen gestanden.

Bischof Felix Genn ist über die Missbrauchsfälle durch Priester und Ordensleute erschüttern.

27. Februar: Bischof Felix Genn ist "erschüttert" über die Missbrauchsfälle durch Priester und Ordensleute: "Das unsägliche Leid, das von kirchlichen Verantwortlichen wehrlosen Kindern zugefügt worden ist, beschämt mich zutiefst", schreibt Genn in einer aktuellen Ergänzung seines Fastenhirtenbriefs, der am zweiten Fastensonntag in den Gemeinden verlesen wurde.

28. Februar: Erzbischof Robert Zollitsch hält einen Runden Tisch für alle gesellschaftlich relevanten Gruppen für sinnvoll. Einen Runden Tisch nur für die katholische Kirche lehnt er dagegen ab.

1. März: Die umfangreiche Berichterstattung über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche führt dazu, dass auch lange zurückliegende Fälle in den Blick der Öffentlichkeit kommen. So auch ein Vergehen vor mehr als 50 Jahren im Vinzenzwerk in Münster-Handorf, einem sozial- und heilpädagogischen Kinder- und Jugendheim. Ein Priester hat nach den neu bekannt gewordenen Vorwürfen in den 1950er Jahren ein Heimkind sexuell missbraucht. Schon in den 1970er Jahren, als der Fall bekannt wurde, sei das Bistum Münster dem nachgegangen, wie Personaldezernent Domvikar Köppen gegenüber kirchensite.de erklärt. Der Priester sei daraufhin in therapeutische Behandlung gegangen.

2. März: Die Staatsanwälte ermitteln wegen Missbrauch vor Ort in Ettal.

5. März: In Ettal gab es nicht nur sexuellen Missbrauch, sondern über Jahre extreme Gewalt gegenüber Schülern. Der Sonderermittler spricht von mehr als zehn prügelnden Patres. Die Zahl der Opfer bezifferte er auf rund 100.

6. März: Kurienkardinal Walter Kasper reagiert mit "tiefer Enttäuschung" und "großem Zorn" auf die Missbrauchsfälle. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Nikolaus Schneider, würdigt die Anstrengungen der katholischen Kirche um Aufarbeitung.

7. März: Leutheusser-Schnarrenberger fordert einen Runden Tisch allein zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche.

8. März: Vertreter der Bundesregierung und der Opposition fordern finanzielle Entschädigungen für Missbrauchsopfer. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) lädt Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zu einem Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch an.

8. März: Pfarrer Hans Döink (Coesfeld) dementiert, dass ein weiterer des sexuellen Missbrauchs geständiger Hiltruper Missionar in der Pfarrseelsorge im Bistum Münster tätig war. Dieser Priester sei nur kurzzeitig vertretungsweise in der Krankenhausseelsorge aktiv gewesen und habe keinen Vertrag mit dem Bistum gehabt. Damit stellt der Leiter der Kommission für "Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst" entsprechende Rundfunkmeldungen richtig.

9. März: Der Vatikan lobt die Bischofskonferenzen und Ordensleitungen in Deutschland und Österreich, sie hätten unverzüglich und entschlossen reagiert.

9. März: Die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, Margret Pernhorst (Lüdinghausen), lobt ebenfalls die Aufklärungsbemühungen des Bistums Münster im Missbrauchsskandal ausdrücklich. Gleichzeitig verwahrt sie sich gegen einen Generalverdacht gegenüber allen Priestern. "Das Bistum – und hier vor allem die Döink-Kommission – macht eine gute Arbeit: Vorwürfen wird nachgegangen, Opfern zugehört und geholfen, Täter werden zur Verantwortung gezogen, die Öffentlichkeit wird laufend informiert", meint Pernhorst. Darin dürfe auch nicht nachgelassen werden.

9. März: Der diözesanen Kommission für "Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche und andere Mitarbeiter im kirchlichen Dienst" ist ein neuer Verdachtsfall gemeldet worden: Ein Canisianerbruder soll in den 1960er Jahren im Internat des Collegium Johanneum (Loburg) in Ostbevern Schüller missbraucht haben.

9. März: Im Streit um die strafrechtliche Aufklärung von sexuellem Missbrauch durch Priester stellt die Deutsche Bischofskonferenz klar, dass sie die staatlichen Strafverfolgungsbehörden vorbehaltlos unterstütze. "Die Kirche fordert Geistliche zu einer Selbstanzeige auf, wenn Anhaltspunkte für eine Tat vorliegen, und informiert von sich aus die Strafverfolgungsbehörden", heißt es in einer Erklärung von Pressesprecher Matthias Kopp.

11. März: Mit Bedauern und einer Entschuldigung an die Opfer reagiert die Brüdergemeinschaft der Canisianer auf Missbrauchsvorwürfe an eines ihrer Mitglieder. "Die Vorwürfe treffen uns sehr", heißt es in einer Stellungnahme des Leiters der Gemeinschaft, Bruder Ludwig Rensing. Die Leitung der Canisianerbrüder habe alle Mitbrüder aufgerufen, "zur Aufklärung beizutragen und gegebenenfalls weitere Vergehen bekannt zu machen; dies schließt mögliche Selbstanzeigen nicht aus".

11. März: Ein weiterhin entschlossenes Handeln gegen Fälle von sexuellem Missbrauch fordert Pfarrer Hans Döink. "Die Bischöfe und wir alle müssen jetzt zupacken und demonstrieren, dass wir konsequent gegen den Missbrauch vorgehen", sagte der Missbrauchsbeauftragte des Bistums Münster im Interview mit der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur". Döink übt in dem Interview auch Kritik: "Ich habe den Eindruck durch Reaktionen auf konkrete Fälle, dass es immer noch ein verharmlosendes Verhalten gibt, das den Skandal nicht ernst genug nimmt."

12. März: Papst Benedikt XVI. empfängt den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Bei dem Gespräch im Vatikan wird Zollitsch den Papst unter anderem über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland informieren.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Kindesmissbrauch

Text: Norbert Göckener, Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: M.E. (Öffnet externen Link in neuem Fensterpixelio.de), Michael Bönte, Norbert Göckener
12.03.2010

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