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04.02.2012
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Zollitsch.

Erzbischof Zollitsch will mit allen gesellschaftlichen Gruppen an einen Tisch, um dem Missbrauch von Kindern entgegenzuwirken.

Missbrauch: Zollitsch wünscht sich "runden Tisch für alle"

"Besonders schlimmer Vertrauensbruch"

Bonn. Die Missbrauchs-Debatte in Politik und Kirche geht weiter. Dabei hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, einen Runden Tisch für alle gesellschaftlich relevanten Gruppen in Sachen Missbrauch für sinnvoll. Einen Runden Tisch nur für die katholische Kirche lehnt er dagegen ab, erklärte er in einem Interview der "Welt am Sonntag", denn "sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche".

Auch wenn jedes Vergehen durch Priester ein besonders schlimmer Vertrauensbruch sei, sei Missbrauch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Von den rund 15.000 Fällen, die pro Jahr staatsanwaltlich erfasst würden, spielten sich die wenigsten in einem kirchlichen Rahmen ab. "Das entschuldigt uns nicht", betonte Zollitsch. Es zeige aber, dass die Kirche alleine nur einen kleinen Teil zur Lösung beitragen könne.

In einem weiteren Interview im Südwestrundfunk SWR kündigte Zollitsch an, im März Papst Benedikt XVI. über den Umgang der deutschen Bischöfe mit dem Missbrauchsskandal zu informieren: "Wenn die Linie, die wir als Deutsche Bischofskonferenz haben, zu einer Art Generallinie wird in unserer katholischen Kirche, dann wird sicher auf Zukunft hin Vieles besser werden".

Brief der Justizministerin

Der Erzbischof begrüßte zudem einen Brief von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), in dem sie den Umgang der Kirche mit dem Missbrauchsskandal im Grundsatz gelobt habe. In der Frage, wann ein Verdachtsfall zur Anzeige kommen solle, halte sie jedoch ihre Kritik aufrecht. Ein Termin für das geplante Gespräch zwischen Zollitsch und der Ministerin stehe noch nicht fest.

Die FDP forderte unterdessen die katholische Kirche auf, einen Entschädigungsfonds für Missbrauchsopfer aufzulegen. Dies wäre ein wichtiges Signal an die Betroffenen, dass "die Kirche sich nicht hinter Verjährungsfristen versteckt, sondern sich in jedem Fall zu ihrer Verantwortung für die Opfer bekennt", sagte der rechtspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Ahrendt, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". CDU und FDP plädierten außerdem dafür, sexuellen Missbrauch von Kindern künftig als Verbrechen und nicht länger nur als Vergehen zu ahnden.

Erzbischof Zollitsch würde eine gesellschaftliche Debatte über die Verlängerung der Verjährungsfristen ausdrücklich begrüßen. Dabei müssten aber insbesondere die Anliegen der Opfer berücksichtigt werden. Eine Aufweichung des Beichtgeheimnisses lehnt er in diesem Zusammenhang aber strikt ab. Er würde allerdings jedem Täter "intensiv zur Selbstanzeige raten". Doch auch Opfer müssten sich weiterhin an die Kirche wenden können, ohne fürchten zu müssen, dass der Fall auch gegen ihren ausdrücklichen Willen vor Gericht komme.

Berlin: Mittlerweile150 Opfer

Die Beauftragte des Jesuitenordens für das Thema Missbrauch, die Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue, sagte der "Berliner Morgenpost", mittlerweile hätten sich etwa 150 Opfer aus ganz Deutschland bei ihr gemeldet. Raue sprach sich dafür aus, in jedem Bistum externe Beauftragte für das Thema einzusetzen.

Ebenfalls am Wochenende veröffentlichten der "Kölner Stadt-Anzeiger" und die "Frankfurter Rundschau" die Ergebnisse einer von ihnen in Auftrag gegebenen Umfrage. Danach befindet sich die katholische Kirche in Deutschland in einer tiefgreifenden Vertrauenskrise. Nicht einmal ein Drittel der Deutschen (30,3 Prozent) hielten sie für ehrlich. Nur knapp 20 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass die Kirche zur Aufklärung der Missbrauchsfälle beitrage.

Der Missbrauchsskandal im Kloster Ettal hat unterdessen neue Dimensionen erreicht. Nach dem vom Erzbistum München-Freising forcierten Rücktritt von Abt Barnabas Bögle legte auch der Prior und Schulleiter Pater Maurus Kraß sein Amt nieder. Grund war ein weiterer bekanntgewordener Verstoß gegen die Meldepflicht eines 2003 aufgetauchten Verdachts. Im Kloster und in den dazugehörigen Einrichtungen ist derzeit der Münchner Anwalt Thomas Pfister als Sonderermittler tätig. Sein Zwischenbericht wird für kommenden Freitag erwartet.

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