
Erzbischof Robert Zollitsch.
"Maßlos polemisiert"
Zollitsch stellt Leutheusser-Schnarrenberger Ultimatum
Freiburg. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser Schnarrenberger (FDP) falsche Tatsachenbehauptungen vorgeworfen. Zugleich stellte er der Ministerin ein Ultimatum, innerhalb von 24 Stunden Interviewäußerungen von Montagabend (22.02.2010) zum kirchlichen Missbrauchsskandal zu korrigieren.
Niemals zuvor habe ein Mitglied der Bundesregierung eine "ähnlich schwerwiegende Attacke" gegen die katholische Kirche geführt, sagte Zollitsch am Dienstag (23.02.2010) vor Journalisten in Freiburg. Er wolle seinen Protest außer in dem Brief an die Ministerin am Dienstag auch in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausdrücken.
"Eine Grenze überschritten"
Zollitsch warf Leutheusser-Schnarrenberger vor, mit ihrem "Tagesthemen"-Interview, "maßlos polemisiert" zu haben. Offenbar wolle sich die Ministerin auf "eine Welle setzen" und verspreche sich dadurch eigene Vorteile. Die Äußerungen hätten eine Grenze überschritten, die ihn zu dieser Entgegnung zwängen, sagte der Erzbischof.
Zollitsch kritisierte die Ministerin scharf, weil diese der Kirche wahrheitswidrig vorhalte, bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen nicht mit der staatlichen Justiz zusammenzuarbeiten. "Die Ministerin behauptet, bisher habe sie nicht den Eindruck, dass die Verantwortlichen der katholischen Kirche auch nur beim Verdacht auf sexuellen Missbrauchs konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wollten", so Zollitsch. Dies sei rundweg falsch.
Kein Sonderweg für die Kirche
Auch gebe es seit mehreren Jahren kirchliche Leitlinien, die eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft vorsähen. Die Kirche wolle bei der Aufklärung von sexuellem Missbrauch keinen Sonderweg, betonte der Konferenzvorsitzende.
Zollitsch wandte sich auch gegen das Tagesthemen-Interview der Ministerin, weil diese darin suggeriere, dass die bundesweit 120 bekannt gewordenen Fälle alle erst vor kurzem passiert seien. "Die meisten Vorfälle liegen lange zurück. Ich wundere mich, dass die Ministerin so emotional und undifferenziert Stellung nimmt. Das grenzt an eine Verdrehung der Tatsachen", sagte der Bischofskonferenzvorsitzende.
Kritik von Leutheusser-Schnarrenberger
Leutheusser-Schnarrenberger hatte erklärt, die Verantwortlichen müssten "endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mit aufklären." Die Kirchenvertreter hätten bislang nicht den Eindruck erweckt, dass sie auch nur bei Verdachtsfällen mit den Strafverfolgungsbehörden konstruktiv zusammenarbeiten wollten.
"Es ist leider bisher nicht ersichtlich, dass sie ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben, und deshalb muss natürlich überall da, wo nicht verjährt ist, das ganz klar erfolgen", sagte die Ministerin in einem ARD-Interview.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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