
Erzbischof Robert Zollitsch.
Bischofskonferenz:
Missbrauch wird Thema der Vollversammlung
Bonn/München. Die deutschen Bischöfe wollen sich auf ihrer bevorstehenden Vollversammlung Ende Februar in Freiburg mit dem Missbrauchsskandal bei den Jesuiten beschäftigen.
Das gab der Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, am Mittwoch (03.02.2010) in Bonn bekannt. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass die von uns 2002 verabschiedeten Richtlinien konsequent umgesetzt werden", so Zollitsch. Den Missbrauchsopfern sprach er sein Mitgefühl aus. Zugleich zeigte er sich "für die eindeutige Entschuldigung" von Jesuitenprovinzial Stefan Dartmann dankbar.
Missbrauchsvorwürfe gegen weiteren Pater
Dartmann hatte am Dienstagabend (02.02.2010) bekannt gegeben, dass gegen einen weiteren Pater Missbrauchsvorwürfe vorliegen. Dieser habe sich in einem Fall schuldig bekannt. Der betreffende Jesuit habe sich inzwischen bei der Polizei gemeldet und Anzeige gegen sich selbst erstattet. Außerdem, so Dartmann, habe er ihn mit sofortiger Wirkung vom priesterlichen Dienst suspendiert.
Der betreffende Jesuit war unter anderem Religionslehrer am Canisius-Kolleg in Berlin, Jugendseelsorger in Hannover und Lehrer und Jugendseelsorger in Hamburg. In Hannover soll es zu den jetzt bekannt gewordenen Übergriffen gekommen sein. Zuletzt leitete der Pater mehr als zwei Jahrzehnte lang das von ihm gegründete Hilfswerk "Ärzte für die Dritte Welt".
Nur "die Spitze des Eisbergs"
Der Rektor des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, sieht in den bislang bekannten Missbrauchsfällen nur "die Spitze des Eisbergs". Was in dem Jesuitengymnasium sichtbar geworden sei, passiere auch an anderen Schulen, "nicht nur an katholischen", sagte Mertes dem Berliner "Tagesspiegel". Zugleich kritisierte er die öffentliche Debatte über die Vorfälle. "Da schwingt im Moment auch viel Voyeurismus mit."
Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen rief die Kirche zu größerer Wachsamkeit auf. "Ich bitte immer wieder alle Mitarbeiter des Erzbistums, ein wachsames Auge zu haben. Ein Aufruf zum Bespitzeln ist das nicht", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Sämtliche Fälle müssten konsequent und umfassend aufgeklärt werden. Dabei müsse die Kirche eine "Vorreiterrolle" übernehmen.
Schwellenangst der Opfer abbauen
Der katholische Pastoraltheologe Hanspeter Heinz forderte strukturelle Veränderungen. Die Richtlinien der Bischofskonferenz hätten zwar Verbesserungen gebracht, reichten aber nicht aus, sagte der emeritierte Professor am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Augsburg.
Heinz verwies darauf, dass alle Diözesen Ansprechpartner benannt hätten, an die sich Betroffene wenden könnten. "Gedacht war allerdings daran, dass man unabhängige Fachleute beauftragt, um die Schwellenangst der Opfer abzubauen." Fast in der Hälfte der Bistümer seien jedoch de facto kirchliche Amtspersonen ernannt worden. "Die aber sind nicht unabhängig genug, um den Opfern die Angst zu nehmen."
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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