
Vertraute Szenerie in der Krippe.
Kommentar
Gnadenbringende Weihnachtszeit
Schade! An diesem Sonntag endet die Weihnachtszeit – zumindest liturgisch. Klar, mittlerweile gibt es nicht wenige, die schon am zweiten Weihnachtstag den Tannenbaum nicht mehr sehen können und deswegen "das Fest" beenden. Aber diese Gruppe Zeitgenossen beginnt den Advent – oder das, was sie dafür hält – auch schon kurz nach Allerheiligen. Sie verpasst etwas. Nicht nur den Advent – auch die "gnadenbringende Weihnachtszeit", die wir in "O du fröhliche" besingen.
Schade auch, dass die Kirche den liturgischen Weihnachtsfestkreis so kurz bemessen hat. Schade, weil diese Zeit mit ihrer Botschaft und deshalb ihrer Stimmung eigentlich so stark ist, dass sie auch locker länger trägt.
Was tun? Ich gebe zu: Die "Leute", denen der Advent nichts sagt und die darum zu früh Weihnachten anfangen lassen, werde ich nicht ändern. Und eine Bittschrift an den Vatikan zur Verlängerung des Weihnachtsfestkreises wird auch wohl wenig Aussicht auf Erfolg haben.
Dennoch: Weihnachten bietet so viel an Tiefe, dass man es in dieser kurzen Zeit nicht ausschöpfen kann. Wie wäre es daher, wenn die "Weihnachtsfans" die Zeit vor und nach dem Fest richtig – das heißt in seinem eigentlichen Sinn und heftig – feiern?
Meine Frau und ich hatten das Glück, gleich dreimal zu Weihnachten ein Neugeborenes in den Armen zu halten. Mit Blick auf dieses hilflose Bündel Mensch wurde uns stets aufs Neue bewusst, auf welches Wagnis sich der Gottessohn eingelassen hat und welches Bild von Gott uns dieses Fest vermittelt.
Pfarrer Ulrich Zurkuhlen, theologischer Berater von Kirche+Leben, hat einmal geschrieben: "Die Wurzel alles Bösen in der Welt ist die panische Angst des Menschen um sich selbst; die Angst, sich selber absichern zu müssen gegen alle und alles, was als Bedrohung oder Beschränkung der eigenen Existenz angesehen wird." An Weihnachten sieht man, wie Gott sich dagegen stellt. Wehrlos, ohne Absicherung, im totalen Vertrauen: Jesus war ganz auf die Liebe von Maria und Josef angewiesen, er lebte bis zum letzten Atemzug am Kreuz das bedingungslose Vertrauen in seinen göttlichen Vater. Und all das ist zur gläubigen Nachahmung empfohlen!
Darum: Die Weihnachtslieder im Gotteslob, die vermeintlich so vertraute aber provokante Szenerie einer Krippe, die Lesungstexte und Feste der Weihnachtszeit bieten so viel Stoff zum Nachdenken, Meditieren und Feiern, dass man locker damit die Zeit bis Lichtmess (2. Februar) füllen kann. Probieren wir es doch – "alle Jahre wieder"!
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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