
Papst Benedikt XVI. hat ein unruhiges Jahr hinter sich.
Piusbrüder, Nahostreise, Afrikasynode
2009 war ein arbeitsintensives Jahr für Papst und Vatikan
Rom. Für Papst und Vatikan war 2009 kein leichtes Jahr - und das am wenigsten wegen des Zwischenfalls an Heiligabend, als eine junge Frau zu Beginn der Christmette die Absperrungen im Petersdom übersprang und den Papst zu Fall brachte. Zwar erwiesen sich die Nahostreise, die erste Sozialenzyklika und die Afrikasynode als Erfolge mit öffentlicher Breitenwirkung.
Zunächst aber sorgte das Versöhnungsangebot des Papstes an Traditionalisten und Piusbrüder für Erregung. Die Rücknahme der Exkommunikation für den Holocaust-Leugner Richard Williamson entwickelte sich zum Eklat. Die Williamson-Affäre machte Kommunikationspannen im Vatikan deutlich. Benedikt XVI. musste Erklärungen und Entschuldigungen nachreichen, um Missdeutungen der kirchenrechtlichen Begnadigung auszuräumen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel meldete sich kritisch zu Wort - und irritierte damit wiederum einen Teil der Unionsanhänger.
Ruhe kehrte erst wieder ein, als der Papst die für die Pannen verantwortliche Kommission "Ecclesia Dei" neu besetzte und direkt der Glaubenskongregation unterstellte. Seit Ende Oktober diskutiert eine Dialoggruppe von Vatikan und Piusbrüdern über die eigentlichen Streitfragen: das Zweite Vatikanische Konzil, Ökumene, Religionsfreiheit und interreligiösen Dialog.
Die Aufregung um die Piusbrüder belastete zu Jahresbeginn auch andere Papst-Initiativen. Die Ernennung des konservativen Geistlichen Gerhard Wagner zum Weihbischof in Linz erregte die Gemüter so sehr, dass der Papst sie bald zurückzog. Auch seine Afrikareise war anfangs von einer Diskussion über Kondome gegen Aids überschattet. Erst nach drei Tagen fanden auch die Aufrufe des Papstes für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität sowie gegen Armut, Gewalt und Korruption öffentliche Resonanz.
Als Erfolg erwies sich die Heilig-Land-Reise des Papstes. In Jordanien gab das Treffen mit muslimischen Würdenträgern dem Dialog mit dem moderaten Islam Auftrieb. Der Appell für einen gerechten und dauerhaften Nahost-Frieden und für eine Zwei-Staaten-Regelung fand internationale Aufmerksamkeit. In Israel wurde zwar zunächst Kritik an der Papstrede in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem laut. Aber sie wurde durch freundliche Gesten des Kirchenoberhaupts beim Besuch der Klagemauer, beim Disput im Großrabbinat und bei einem interreligiösen Friedenstreffen kompensiert. Großmessen in Jerusalem, in Betlehem und Nazaret machten zudem die einheimischen Christen eindeutig zu den Hauptadressaten der Reise.
Breite und positive Resonanz fand auch die Sozialenzyklika des Papstes, die im Juli passend zum G-8-Gipfel und zum Antrittsbesuch von US-Präsident Barack Obama im Vatikan erschien. In "Caritas in veritate" entfaltete der Theologen-Papst die Idee einer neuen Weltordnung. Ungewöhnlich konkret äußerte er sich zu Verzerrungen und Missständen in Wirtschafts- und Finanzsystemen, zu Hunger und Armut, zum wachsenden Graben zwischen Arm und Reich, zum Recht auf Arbeit, zum Umweltschutz. Die Kernbotschaft: Die Wirtschaft braucht für ihr korrektes Funktionieren ein ethisches Fundament.
Ein weiteres Großereignis war im Herbst die Afrikasynode. In seinem Jahresrückblick vor der römischen Kurie bezeichnete Benedikt XVI. sie als thematischen Höhepunkt des Jahres. Dringender denn je brauche der Kontinent Versöhnung, Gerechtigkeit, Frieden und internationale Solidarität, lautete die Botschaft.
Für Aufsehen sorgte gegen Jahresende eine neue Initiative der Glaubenskongregation für übertrittswillige Anglikaner. In neuen Kirchenstrukturen sollen Konvertiten eine Heimat finden. Dies bedeute kein Missionieren oder Abwerben von Mitgliedern anderer Konfessionen, stellte der Vatikan klar. Der ökumenische Dialog mit den Anglikanern gehe weiter, unterstrich Benedikt XVI. bei einem Besuch von Primas Rowan Williams im Vatikan.
Gemischte Resonanz fand kurz vor Weihnachten die Zuerkennung des "heroischen Tugendgrades" für Johannes Paul II. (1978-2005) und für Pius XII. (1939 - 1958). Vor allem jüdische Gemeinden kritisierten die Vorstufe der Seligsprechung für den Pacelli-Papst. Man hätte zuvor alle Vatikanarchive öffnen und die Behauptungen über sein angebliches "Schweigen" zur Judenverfolgung aufarbeiten sollen, hieß es. Der erste große Termin im neuen Jahr bleibt davon allerdings unberührt: Am 17. Januar besucht Benedikt XVI. die römische Synagoge.
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Text: Johannes Schidelko /
KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH | Foto: Michael Bönte
29.12.2009
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