Weihnachten 2009:
Kirchen mahnen zu Zusammenhalt und fordern Lehren aus der Krise
Berlin. Die Kirchen in Deutschland haben an Weihnachten zu mehr Zusammenhalt und Solidarität in der Gesellschaft aufgerufen. In ihren Predigten und Ansprachen warnten katholische und evangelische Bischöfe auch davor, aus der Wirtschafts- und Finanzkrise zu wenig Konsequenzen zu ziehen. Laut Umfragen wollte jeder zweite Deutsche an Weihnachten einen Gottesdienst besuchen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, wandte sich gegen übersteigertes Leistungsdenken und forderte mehr Solidarität mit gesellschaftlich Ausgegrenzten. In der Gesellschaft gehe es zu sehr um Leistung und Erfolg, die Stärkeren setzten sich zu Lasten des "Zerbrechlichen und Schwachen" durch, kritisierte der Freiburger Erzbischof. Die Menschwerdung zeige den Menschen, was das Wichtigste sei: "Zu lieben, füreinander da zu sein; ohne Hintergedanken und Vorbedingung, ohne Profit und Vorteil.&qu
Käßmann: Mut zum Frieden wichtigste weihnachtliche Botschaft
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Margot Käßmann, bezeichnete in ihrer Predigt den Mut zum Frieden als die wichtigste weihnachtliche Botschaft. Die Entwicklung in Afghanistan habe gezeigt, dass Waffen offenbar keinen Frieden schafften, sagte sie in Hannover. Zuvor sprach sie sich in Interviews für einen schnellen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan aus. "Wir brauchen eine klare Exit-Strategie."
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx appellierte an die Gläubigen, ungeachtet von Ängsten, Krisen und Katastrophen nicht aufzugeben. Christen seien in dieser Welt Träger der Hoffnung und des Mutes, sagte Marx im Münchner Liebfrauendom. Er warnte, in Bezug auf die Finanz- und Wirtschaftskrise werde derzeit der Eindruck erweckt, die alten Verhaltensweisen und Zielsetzungen seien weiter vorherrschend.
Lehmann: Zeichen für Gottes Solidarität mit den Menschen
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann nannte Weihnachten ein Zeichen für Gottes Solidarität mit den Menschen. Gott streife die Welt "nicht wie ein leuchtender Komet, der wieder im All verschwindet, sondern er wird wirklich Mensch, einer von uns", sagte er beim Festgottesdienst im Mainzer Dom.
Weihnachten habe nichts mit Geld und Umsatz, sondern mit der Liebe Gottes zu tun, sagte Kardinal Joachim Meisner in der Christmette im Kölner Dom. Der Übergang vom reich gedeckten Gabentisch zur Krippe im Stall sei aber nicht ganz einfach.
Overbeck: Größere Anstrengungen für soziale Gerechtigkeit
Jesus sei nicht in einem Palast geboren worden, sondern in ärmlichsten Verhältnissen, erinnerte der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky. Gesellschaftliche Konventionen hätten dabei keine Rolle gespielt. Dennoch könne die Weihnachtsgeschichte Mut machen, "Familie zu akzeptieren und zur Familie zu stehen".
Der neue Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zu größeren Anstrengungen für soziale Gerechtigkeit auf. Aus dem Antlitz von Arbeitslosen, "die zum Spielball verschiedener Interessen jenseits der Achtung ihrer Würde werden", blicke Gott die Menschen an.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
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