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24.05.2012
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Josef Sayer.

Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer.

Misereor-Hauptgeschäftsführer Sayer zur Klimakonferenz

"Wir haben keinen Planeten B"

Kopenhagen. Für verbindliche Zusagen zum Klimawandel sind am Wochenende (12./13.12.2009) in Kopenhagen rund 100.000 Menschen auf die Straße gegangen - mehr als vorher erwartet. Als ein "Signal der Hoffnung" bezeichnet Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer diese Demonstrationen. Mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sprach er am Montag (14.12.2009) in Kopenhagen über den Druck der Öffentlichkeit, Erwartungen an den Gipfel und die moralische Verantwortung der Industrieländer.

KNA: Herr Sayer, der Klimagipfel geht in die entscheidende Phase. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf?

Sayer: Ich bin noch skeptisch. Das Risiko ist weiter sehr groß, dass es keine verbindliche Einigung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern gibt und der Gipfel scheitert.

KNA: Wo hakt es denn?

Sayer: Die Industrieländer haben bisher nur kurzfristige Zusagen getroffen. Die Entwicklungsländer erwarten aber auch langfristige Zusagen über 2012 hinaus. Nur so lässt sich ihr Vertrauen gewinnen. Sie lassen sich nicht mit kurzfristigen Zusagen abspeisen. Es geht um ein globales Problem, bei dem alle, Nord und Süd zusammenwirken müssen.

KNA: Was ist nötig?

Sayer: Unter anderem, dass den Entwicklungsländern langfristige finanzielle Zusagen gemacht werden und ein Technologietransfer stattfindet, damit sie auf die Herausforderungen reagieren können. Die Entwicklungsländer haben das gleiche Recht auf Entwicklung. Diese muss nachhaltig sein und darf nicht die Fehler der Industrieländer wiederholen. Die USA, Europa, und China tragen am meisten zum CO2-Ausstoß bei und sind damit hauptverantwortlich für den Klimawandel. Daraus erwächst eine besondere Verantwortung. Im Moment verhalten sich Industrie- und Schwellenländer wie in einem Wild-West-Film: Wer sich als erster bewegt, verliert. Das ist aber skandalös. Wir stehen vor einer Schicksalsfrage der gesamten Menschheit und der zukünftigen Generationen. Handeln ist mehr als überfällig.

KNA: Und die Entwicklungsländer, sind sie auch in der Pflicht?

Sayer: Es ist ja nicht so, dass sie einfach nur die Hand aufhalten. Sie leisten schon ihren Beitrag, bemühen sich etwa um Anpassungsmaßnahmen, und sie leisten eine Beitrag zur Bindung von CO2. Die Frage der Klimagerechtigkeit stellt sich aber für die gesamte Völkergemeinschaft. Erzbischof Rowan Williams von Canterbury sagte bei der ökumenischen Feier am Wochenende in Kopenhagen: Die Führer der Industrieländer müssen ihre Angst überwinden und in Vorleistung gehen. Sie tragen eine moralische Verantwortung.

KNA: Die Kirchen sind sich einig in ihrer Forderung nach einem gerechten Umgang mit dem Klimawandel. Auch andere Gruppen drängen auf eine Berücksichtigung der Armen. Am Wochenende gingen etwa 100.000 Menschen in Kopenhagen für verbindliche Abkommen auf die Straße.

Sayer: Das ist für mich ein sehr wichtiges Zeichen der Hoffnung. Besonders hoffnungsvoll stimmt mich, dass viele junge Menschen aus alle Teilen der Welt an den Demonstrationen teilnahmen. Diesem Druck der Öffentlichkeit können sich die Verantwortlichen nicht entziehen. Und ich erwarte auch, dass kirchliche Amtsträger in Deutschland weiter Druck machen.

KNA: Meinen Sie, dass diese Stimme Gehör findet?

Sayer: Die Frage des Klimawandels ist die zentrale Frage der Gegenwart und der Zukunft. Dem kann man sich nicht verschließen. Auch ist die Erwartungshaltung sehr groß: Wenn mehr als 120 Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, unter ihnen Obama, Merkel, Sarkozy und Brown, können sie nicht einfach wiederholen, was sie bereits gesagt haben. Die Enttäuschung der Menschen überall auf der Welt wäre sonst sehr groß. Über Volkes Stimme kann die Politik nicht einfach hinweggehen. Und wenn Geld für die Lösung der Finanzkrise da war, muss es erst recht für diese globale Schicksalsfrage vorhanden sein.

KNA: Und das soll bis Freitag in Kopenhagen passieren?

Sayer: Nach Kopenhagen werden die Entscheidungen konkretisiert werden müssen. Aus politischen Entscheidungen müssen rechtlich verbindliche und faire Handlungsschritte entwickelt werden. Es ist höchste Zeit für Entscheidungen und schnelles Handeln. Schließlich, und das stand auch auf einem Plakat, das ich auf einer Demonstration getragen habe: Wir haben keinen Planeten B.

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