
Papst Benedikt XVI.
Mahner gegen den weltweiten Klimawandel
Der grüne Papst Benedikt XVI.
Vatikanstadt. Hollywood-Apokalypsen vom Schlage "2012" braucht Benedikt XVI. nicht, um sein Öko-Bewusstsein wachrütteln zu lassen. Der Mann, der sich in seinem früheren Kurienamt mit feinen Verästelungen der Theologie befasste, führt seit seiner Papstwahl 2005 Begriffe wie Klimawandel und Nachhaltigkeit ganz selbstverständlich im Sprachschatz.
Inzwischen gehört Benedikt XVI. neben dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. und dem Dalai Lama zu den einflussreichsten religiösen Mahnern gegen ökologischen Raubbau.
Appell gegen die Erderwärmung
Regelmäßig nutzt der 82-Jährige seine Auftritte, um der Weltöffentlichkeit ins Gewissen zu reden: Die Osterbotschaft 2009, von TV-Anstalten in alle Welt übertragen, verband er mit einem Appell gegen die Erderwärmung; die G-8-Staaten rief er bei ihrem Treffen im italienischen Aquila zum Umdenken auf. Bei der UN-Klimakonferenz im September in New York mahnte er die Regierenden per Videobotschaft. Auch beim aktuellen Gipfel in Kopenhagen ist der Vatikan mit einer Delegation vertreten.
Ökologisches Handeln verpflichtet laut Benedikt XVI. zwar unterschiedslos alle; für ihn aber hat dieses Engagement religiöse Wurzeln. Verantwortung für die Schöpfung gehöre zu den "Grundlagen des Glaubens", betont der langjährige Chef der Glaubenskongregation. Ökologie verbindet sich für ihn unlösbar mit sozialer Gerechtigkeit: Armen Ländern dürften nicht die Kosten dessen aufgebürdet werden, was Industrienationen verschulden.
"Allianz zwischen Mensch und Erde"
Besonders versucht der Papst die junge Generation zu mobilisieren. Die Rettung des Planeten machte er zu einer Kernbotschaft beim Weltjugendtreffen 2008 in Sydney. Zuvor rief er in Loreto 400.000 Jugendliche zu einer neuen "Allianz zwischen Mensch und Erde" auf: "Bevor es zu spät ist, müssen wir mutige Entscheidungen treffen."
Auch im persönlichen Gespräch mit Staatschefs sind Umwelt und Klima auffallend häufig ein Thema - etwa beim Antrittsbesuch von Barack Obama. Der US-Präsident attestierte dem Papst eine "außerordentliche Führerschaft" in diesem Bereich.
Gemischte Ökobilanz im päpstlichen Kleinstaat
Dabei fällt im päpstlichen Kleinstaat selbst die Ökobilanz gemischt aus: Die Einführung von Altpapiertonnen in einer Redaktion von Radio Vatikan sorgte für Aufsehen bei benachbarten Büros, Energiesparlampen halten nur zögerlich Einzug. Ein eigener Umweltbeauftragter, gang und gäbe in Diözesen nördlich der Alpen, fehlt bislang unter den vielfältigen Ämtern des vatikanischen Governatorats - auch wenn sich die Abteilung "Technische Dienste" wacker für die Abfalltrennung schlägt. Im Ganzen aber spiegelt der Vatikanstaat italienische Realitäten wider.
Positive Ansätze gibt es: Nachdem eine deutsche Firma 2.400 Photovoltaik-Module für das Dach der Audienzhalle spendierte und damit den Solarstromanteil des Kleinstaats auf revolutionäre 20 Prozent erhöhte, sonnt sich der Vatikan im Glanz des ökologischen Fortschritts. Inzwischen will man groß in regenerative Energien einsteigen: Seit Monaten wird an Plänen gefeilt, auf dem Sendegelände von Radio Vatikan nördlich von Rom einen 300-Hektar-Solarpark zu errichten. Damit rückte der Papst mit einem Satz in die Weltliga der Sonnenstromerzeuger auf.
Erstes treibhausgasneutrales Land der Welt?
Ein anderes spektakuläres Projekt, ein Klima-Wald für den Vatikan, kümmert vor sich hin. Mit dem Geschenk von 125.600 Bäumen wollten zwei Agenturen für CO2-Zertifikate den päpstlichen Kleinstaat zum ersten treibhausgasneutralen Land der Welt machen. Zwei Jahre nach der Ankündigung 2007 hakte Rom nach und erfuhr, erste Pflanzarbeiten beim ungarischen Dorf Tiszakeszi sollten Anfang 2010 beginnen.
Der Initiator, David Gazdag von der Firma KlimaFa, ist für Auskünfte nicht zu erreichen. "Er hält sich wohl ein bisschen versteckt", so der zuständige Ansprechpartner in der Kurie. Gelohnt habe sich die Aktion trotzdem - allein wegen der Medienresonanz zum Thema Klimaschutz.
Symbolische Aktionen
Auch sonst bleibt es teils bei symbolischen Aktionen. Am internationalen Energiespartag knipste der Vatikan die Kuppelbeleuchtung des Petersdoms aus, auf dass andere ebenso handelten. Aber Ökologie steht weiter oben auf der Agenda. Nicht zuletzt mit Blick auf den immer rücksichtsloseren Kampf um Ressourcen. Das Motto zum Weltfriedenstag am 1. Januar lautet: "Wenn du den Frieden willst, bewahre die Schöpfung".
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Text: Burkhard Jürgens,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Archiv
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