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24.05.2012
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Adventskranz.

Nicht nur der Blick auf die Adventszeit lässt Unterschiede zwischen den beiden lateinischen Riten zu Tage treten.

Ambrosianischer Ritus in Mailand

Wenn die fünfte Kerze brennt…

Mailand. Wer dieser Tage einen Fuß in eine der zahlreichen Kirchen im Zentrum von Mailand setzt, dessen Blick vermag an einer Adventsdekoration haften zu bleiben, die Fragen aufwirft. Schon seit dem vergangenen Sonntag brennen auf den Adventskränzen überall vier Kerzen, insgesamt zieren deren sechs den vorweihnachtlichen Tannenschmuck.

Was manch fremdem Beobachter auf den ersten Blick wie ein Fauxpas erscheinen mag, ist für die hier lebenden Gläubigen alles andere als ungewöhnlich. In weiten Teilen der norditalienischen Erzdiözese folgt die Kirche seit Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends dem Ambrosianischen Ritus, der auf den Bistumspatron und einstigen Mailänder Bischof Ambrosius zurückgeht und zuletzt im Zuge der Liturgiereformen des Zweiten Vatikanischen Konzils unter Leitung des residierenden Erzbischofs erneuert wurde.

Weihnachten verschlafen?

Hat man nach dem in Deutschland geläufigen römischen Ritus sprichwörtlich mit der fünften Kerze Weihnachten verschlafen, so geht es in der Kirchenprovinz Mailand und einigen angrenzenden Gebieten dann erst in die letzte Phase vor dem Fest der Geburt Christi.

Nicht nur der Blick auf die Adventszeit lässt Unterschiede zwischen den beiden lateinischen Riten zu Tage treten. Die Fastenzeit etwa beginnt in Mailand nicht am Aschermittwoch, sondern erst am darauffolgenden Sonntag. Die Priester tragen während der österlichen Bußzeit nicht violett, sondern rot.

Nicht außergewöhnlich…

Spricht man einmal mit Menschen, die beide Riten kennen und in Alltag und Glaubenspraxis erleben, verspürt man trotz dieser Differenzen eine enorme Zurückhaltung. "Für die Gläubigen in Mailand ist der Ritus nicht außergewöhnlich. Menschen, die hier herkommen, gewöhnen sich in der Regel auch schnell an die Eigenheiten ", sagt die Mailänderin Maria-Luisa Malagoli.

Pfarrer Hans Cornelsen, seit 2004 Leiter der Gemeinde deutschsprachiger Katholiken in Mailand und Priester des Bistums Münster, pflichtet ihr bei. Er sieht vor allem mit Blick auf den Umgang der Mailändischen Gläubigen mit ihrem Ritus nur geringfügige Auswirkungen.

Segen für den Lektor vor der Lesung

Und doch: Wer als Kenner der römischen Liturgie in Mailand die heilige Messe besucht, dem fallen unvermeidlich ein paar Besonderheiten auf. Beim "Kyrie" manifestiert sich ein erster Unterschied zum römischen Ritus. Während die Gläubigen in der römischen Liturgie zur Anrufung zwei Mal mit "Kyrie eleison" und ein Mal mit "Christe eleison" antworten, beschränken sich die Ambrosianer auf die dreifache Antwort "Kyrie eleison".

Vor den Lesungen wird ein weiteres Merkmal des Ritus sichtbar. Ein jeder Lektor erbittet vor dem Gang an den Ambo mit der kurzen Formel "benedicimi Padre" den Segen. Dies geschieht in der römischen Liturgie ausschließlich dann, wenn der Diakon das Evangelium verkündet. Für viele Gottesdienstbesucher ist die Platzierung des Friedensgrußes weiteres Zeichen der Differenz. Anders als in den römischen Messen erfolgt der Gruß nicht erst nach dem Vaterunser, sondern bereits während der Gabenbereitung. Das Credo erfolgt nach dem Offertorium, nicht nach der Predigt.

Gesang zur Brotbrechung

Wenngleich in der Regel weniger gesangliche Elemente zur ambrosianischen Liturgie gehören, wird dem Gesang zur Brotbrechung (Canto allo spezzare del pane) eine besondere Wertschätzung zuteil, während die Anrufung "Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt" am Ende des eucharistischen Gebets ausbleibt.

Ein signifikanter liturgischer Unterschied steht am Ende einer jeden heiligen Messe. Auf die Formel "Der Herr sei mit euch" – "Il signore sia con voi" antworten die Gläubigen neben dem obligatorischen Antwortruf "und mit deinem Geiste" – "e con il tuo spirito" mit dem abermals dreimaligen "Kyrie eleison".

Ob der Ritus wirklich bereits zu Lebenszeiten des heiligen Ambrosius etabliert wurde, gilt als ungewiss. Die liturgischen Texte jedoch werden dem aus Trier stammenden Kirchenvater zugeschrieben. Am 7. Dezember, dem Gedenktag des heiligen Ambrosius, begeht die Erzdiözese alljährlich seinen Feiertag.

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