Genn: Billig-Kleidung geht zu Lasten der Entwicklungsländer
Adveniat-Aktion in Bamberg eröffnet
Bamberg. Das katholische deutsche Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat hat am Sonntag (29.11.2009) seine Weihnachtsaktion eröffnet. Unter dem Motto "Den Armen eine gute Nachricht!" wirbt es im Dezember in bundesweit rund 100 Veranstaltungen um Unterstützung für sonst wenig beachtete Länder in Lateinamerika. Beispielland ist der karibische Inselstaat Haiti, das ärmste Land Amerikas. Die Weihnachtskollekte in allen katholischen Kirchengemeinden Deutschlands kommt dem Hilfswerk zugute, das damit rund 3.500 Hilfsprojekte fördert.
Beim Eröffnungsgottesdienst im Bamberger Dom am ersten Advent (29.11.2009) rief Erzbischof Ludwig Schick zum Handeln gegen Hunger, Gleichgültigkeit und Egoismus auf. Der Klimagipfel in Kopenhagen müsse ein Erfolg werden, weil der Klimawandel bereits jetzt in armen Ländern durch Hurrikans und Überflutungen Hunger und Elend vergrößere. Arme Länder bräuchten einen Schuldenerlass. Außerdem müssten Handelsbarrieren abgebaut werden, die Entwicklungsländer zugunsten der Industrienationen benachteiligten, forderte Schick, der auch die Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz leitet.
Der Vorsitzende der haitianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Louis Kebreau von Cap-Haitien, sagte, in Ländern wie Haiti sei die Kirche überlebenswichtig. Mit Blick auf die in seinem Land stationierten UN-Truppen forderte Kebreau eine internationale "Solidarität auf Augenhöhe". Diese müsse auf gegenseitigem Verständnis und auf Teilhabe beruhen, sonst werde Haiti nie seine "Sklavenmentalität" ablegen. Solange den Armen weder Würde noch Bildung zuteil würden, werde es immer Unruhen und Gewaltausbrüche geben. Kebreau dankte für die Hilfe der deutschen Bevölkerung und die Unterstützung von Adveniat. Es sei Auftrag der Kirche, für die Achtung der Menschenwürde zu kämpfen.
Genn: Armut in größeren Zusammenhängen sehen
Der Vorsitzende der Adveniat-Kommission der Bischofskonferenz und münstersche Bischof Felix Genn nahm zu Beginn der Weihnachtsaktion zum Vertrieb von Billigkleidung Stellung. Deren Verkauf in deutschen Discountern gehe zu Lasten der Armen in Entwicklungsländern, sagte Genn am Donnerstag (26.11.2009) bei einer Adveniat-Pressekonferenz in Bamberg.
Für die Kleidungs-Produktion werde den Menschen ein Hungerlohn gezahlt, kritisierte der Bischof. Es sei daher problematisch, etwa ärmere Menschen in Deutschland auf Schnäppchenangebote zu verweisen. Wer Menschen arm mache oder arm halte, verletze deren elementare Rechte. Genn sprach sich dafür aus, Armut in größeren Zusammenhängen neu sehen zu lernen. Dies erfordere ein Umdenken etwa bei Handelsschranken oder der Frage der Arbeitsmigration.
Seit Gründung von Adveniat im Jahr 1961 haben die Deutschen mehr als 2,1 Milliarden Euro dafür gespendet. Jährlich können Projekte in ganz Lateinamerika im Umfang von rund 40 Millionen Euro gefördert werden.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Kirche von A bis Z: Adveniat
Bistumshandbuch: Spenden für die großen Hilfswerke
Dossier: Advent und Weihnachten
Dossier: Bischof Felix Genn
Text: jjo,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
29.11.2009
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