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24.05.2012
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Ethikrat für Ende der anonymen Kindesabgabe.

Die Babyklappen sind eine Notlösung für Mütter, die Ihre Kinder nicht selber aufziehen können.

Kritik aus den Reihen der Kirchen

Ethikrat für Ende der anonymen Kindesabgabe

Berlin. Der Deutsche Ethikrat hat sich mit deutlicher Mehrheit für ein Ende von Babyklappen und anonymen Geburten ausgesprochen. Beide seien ethisch und rechtlich sehr problematisch, heißt es in einer am Donnerstag (26.11.2009) in Berlin vorgestellten Stellungnahme des Rates.

Die Kölner Medizinethikerin Christiane Woopen sagte, es sei unwahrscheinlich, dass Mütter und Väter, die ihre Kinder töten wollten, "von dem Angebot überhaupt erreicht werden". Kritisiert wurde die Stellungnahme aus den Reihen der Kirchen: In einem Sondervotum sprachen sich sechs der 26 Ethikrat-Mitglieder für eine Fortsetzung der Angebote aus. Dazu zählen der Augsburger katholische Weihbischof Anton Losinger, der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff und der evangelische Mediziner Eckhard Nagel, der auch Präsident des Ökumenischen Kirchentages 2010 ist.

Glück und Käßmann dagegen

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann sprachen sich für eine Beibehaltung der Babyklappen aus. Die Angebote seien trotz ethischer und rechtlicher Bedenken weiter vertretbar, argumentieren die Kirchenvertreter im Ethikrat.

"Es besteht immerhin die reale Möglichkeit der Rettung eines Kindes vor dem Tod durch die Angebote der anonymen Kindesabgabe, so dass diese im Hinblick auf den Lebensschutz bestehen bleiben müssen", forderte Losinger.

Seit zehn Jahren praktiziert

Die seit rund zehn Jahren in Deutschland praktizierte anonyme Kindesabgabe soll verhindern, dass Frauen Neugeborene töten oder aussetzen. Die Zahl tot aufgefundener Neugeborener in der Bundesrepublik ist nach Angaben des Kinderhilfswerks "terre des hommes" seit Einführung dieser Angebote im Jahr 1999 konstant geblieben und 2008 sogar gestiegen.

Der Ethikrat empfiehlt stattdessen dem Gesetzgeber, eine "vertrauliche Kindesabgabe mit vorübergehender anonymer Meldung" zu ermöglichen. Zudem verlangt er eine umfassende öffentliche Information über bestehende Hilfsmöglichkeiten. Konkret sollen Frauen in Notlagen verlangen können, dass die Daten zur Geburt für die Dauer eines Jahres nur einer betreuenden Beratungsstelle und nicht dem Standesamt mitgeteilt werden. Damit soll nach Woopens Worten ein "angemessener Zeitraum größtmöglicher Vertraulichkeit geschaffen werden".

Bundesweit rund 80 Babyklappen

Bundesweit gibt es nach Angaben des Ethikrats rund 80 Babyklappen; zudem böten etwa 130 Kliniken anonyme Geburten an. Seit Jahren gibt es politisch und gesellschaftlich eine Auseinandersetzung über den Sinn von Babyklappen. Kritiker und Verfechter der anonymen Kindabgabe verweisen jeweils auf konkurrierende Grundrechte: einerseits auf das Recht auf Leben, andererseits das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung.

Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) begrüßte das Mehrheitsvotum. "Wir teilen die Meinung des Ethikrates, dass der Weg der anonymen Kindesabgabe zumindest juristisch in eine Sackgasse führt und auch im Hinblick auf den konkreten Lebensschutz keine befriedigende Lösung darstellt", sagte die SkF-Bundesvorsitzende Maria Elisabeth Thoma.

"Leben von Kindern retten"

Dagegen erklärte ZdK-Präsident Alois Glück, dass Angebote einer betreuten anonymen Geburt nicht eingestellt werden sollten. "Sie helfen, das Leben von Kindern zu retten, bieten Frauen einen sicheren Rahmen und einen geschützten Raum für die Entbindung und tragen in vielen Fällen dazu bei, dass die Mütter sich nach der Geburt für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden", so Glück.

Auch Käßmann wandte sich gegen das Mehrheitsvotum des Ethikrats. Der Rat gehe von fragwürdigen und ungesicherten Annahmen aus, sagte die Bischöfin auf der Landessynode in Hannover. Frauen verstünden die Babyklappe nicht als Anreiz für eine "Entsorgung" ihrer Kinder. Auch die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) kritisierte den Ethikrat: Das Recht auf Leben wiege zweifellos höher als das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung, sagte die Vorsitzende Claudia Kaminski.

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