Blick ins Nachbarbistum:
Paderborn will seine Seelsorge neu ausrichten
Paderborn. Rückläufige Finanzen, weniger Katholiken, nicht mehr so viele Seelsorger wie in früheren Zeiten: Der Kirche bläst der Wind ins Gesicht. Der Paderborner katholische Erzbischof Hans-Josef Becker analysiert schonungslos und spricht von einem "atemberaubenden Tempo", in dem das vertraute Leben der Kirche unter dem Einfluss gesellschaftlicher Entwicklungen zusammenschmilzt.
Und doch bleibt der Erzbischof zuversichtlich. Beim Diözesanen Forum "Perspektive 2014" am Wochenende in Paderborn rief er die rund 400 Teilnehmer auf, jetzt erst recht nach neuen Wegen in der Pastoral zu suchen. Der Glaube sei kein "Auslaufmodell". Und: "Jede Erschütterung kann für die Kirche auch eine Chance bedeuten."
Zum Jahresende wird es ernst
Im Hintergrund der Beratungen, zu denen katholische Laienvertreter, Delegierte von Verbänden, Geistliche, pastorale Mitarbeiter und die Bistumsleitung zusammenkamen, stehen einschneidende Maßnahmen. Zum Jahresende wird es ernst. Denn dann legt der Erzbischof endgültig fest, wie die Neustrukturierung der Pfarreien im Erzbistum konkret aussieht.
Im Schnitt bilden dann etwa fünf bis zehn Gemeinden einen sogenannten "pastoralen Raum", für den dann ein Seelsorgerteam mit einem gemeinsamen Leiter zuständig ist. Manches steht da in Frage. Wo wird der leitende Pfarrer seinen Sitz haben? Welche Stellung haben die anderen Gemeinden? Wo steht ein Sonntagsgottesdienst zur Disposition? Wie klappt die Zusammenarbeit der Seelsorger? Da ist Unruhe an der Basis.
"Perspektive 2014"
Auch der Erzbischof sorgt sich, dass die neuen Strukturen mit Leben gefüllt werden. Deshalb das Diözesane Forum, das nicht von ungefähr zur Halbzeit des vor zehn Jahren ausgerufenen Beratungsprozesses "Perspektive 2014" stattfindet. Noch konkreter als vor fünf Jahren sollen Ideen für neue Seelsorgekonzepte in den Blick genommen werden. Denn trotz aller Unsicherheiten und Veränderungen "dürfen wir jetzt nicht einfach so weitermachen wie bisher", betont der Erzbischof.
Becker selbst wirbt für ein größeres Engagement von Ehrenamtlichen. Versorgungsmentalität und Anspruchsdenken müsse aktiver Teilhabe aller Christen weichen - wobei der Erzbischof einräumt, dass in der Vergangenheit ein solches Handeln oft blockiert worden sei. Die Einbindung und Mitwirkung aller Getauften und Gefirmten, die der Erzbischof "Berufungspastoral" nennt, schreibt auch den Priestern eine neue Rolle zu: Sie sollen sich als "geistliche Mentoren und Begleiter vor Ort" verstehen.
Keine fertigen Antworten
Wie genau der Weg in die Zukunft aussehen soll, auf diese Frage hat auch Becker keine fertigen Antworten. Arbeitsgruppen haben erste Lösungsansätze entwickelt, die beim Forum vorgestellt werden. Einen Aufgabenschwerpunkt sehen die Arbeitsgruppen beim Thema Glaubensunterweisung. Verstärkt sollten hier Ehrenamtliche gewonnen, als Katecheten ausgebildet und dabei insbesondere die Sprachfähigkeit über den Glauben entwickelt werden.
Bei der Erstkommunionvorbereitung sei nicht nur den Kindern ein Zugang zum Glauben zu eröffnen, sondern auch ihren mitunter kirchenfernen Eltern. Überhaupt sei die Katechese für Erwachsene stärker in den Vordergrund zu rücken, zumal selbst bei vielen Getauften keine Evangelisierung stattgefunden habe.
Was hat Priorität?
Insgesamt müsse es eine "Kultur des Willkommens" geben, betont der Erzbischof. Angesichts der neuen Herausforderungen weiß er aber auch um die Befürchtung, dass der Arbeitsdruck auf die Seelsorger übergroß werden kann. Entlastungen könne es durch die neuen Pastoralverbünde im Verwaltungsbereich geben, stellt er in Aussicht.
Zugleich mahnt Becker aber auch klare Entscheidungen darüber an, was in einer Gemeinde Priorität hat und was nachrangig ist. Der Erzbischof: "Zeitreserven entstehen nur, wenn man aus dem Hamsterrad immer neuer, einfach addierter, der Gewohnheit entsprechender Ansprüche und Erwartungen herausfindet."
Text: Andreas Otto,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
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