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27.05.2016
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Alois Glück

Alois Glück.

Stratege und Nothelfer

Alois Glück rückt an die Spitze der Laienkatholiken

Bonn. "Schweren Herzens", wie er sagt, hat Alois Glück die Führung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) übernommen. Vor seiner Wahl zum neuen Präsidenten am Freitag (20.11.2009) sagte er oft Nein, das erste Mal bereits vor vier Jahren.

2008 zog sich der altgediente CSU-Stratege Schritt für Schritt aus der aktiven Politik zurück, um endlich mehr Zeit für die Familie zu haben. Doch im Sommer haben sie ihn beim ZdK dann doch noch herumgekriegt - im dritten Anlauf. Am Ende sah sich der 69-Jährige vor den massiv an ihn herangetragenen Erwartungen zur Kapitulation gezwungen: "Ich hätte selbst kein gutes Gefühl mehr gehabt, mich zu verweigern."

Weg begann in der Landjugend

Glück ist auf eine Art und Weise Pflichtmensch, wie es manche für altmodisch halten. Außerdem möchte er etwas von dem zurückgeben, was er der katholischen Kirche verdankt. Und das ist viel.

Über die Katholische Landjugendbewegung fand der autodidaktisch begabte Bauernsohn, der früh seinen Vater verlor, in den 1950er Jahren zuerst zu ehrenamtlichem Engagement, wurde Landessekretär der Landjugend, ging zum Bayerischen Rundfunk und anschließend in die Politik.

Begnadeter Strippenzieher

38 Jahre blieb Glück CSU-Abgeordneter in Bayern. Als Fraktionsvorsitzender und begnadeter Strippenzieher seit 1988, als Landtagspräsident ab 2003. Oft bedauerte Glück, dass dieser Weg aus den kirchlichen Jugendverbänden hinein in die Parteien und Parlamente heute nur noch von wenigen eingeschlagen wird.

Der 69-Jährige steht für einen gesellschaftspolitisch engagierten Katholizismus. Die katholische Soziallehre und das christliche Menschenbild sind für ihn ein wichtiger Kompass. Für das ZdK, dem er schon seit 26 Jahren angehört, ist der Chef der bayerischen Bergwacht ein höchst willkommener Nothelfer aus verzwickter Lage.

Brockmann gescheitert

Im April platzte die Nominierung des hessischen Bildungsstaatssekretärs Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU). Mindestens ein Drittel der deutschen Bischöfe hatte Brockmann in einem bis dato einmaligen Akt für das Amt an der ZdK-Spitze abgelehnt. Seither wird vor und hinter den Kulissen heftig um den weiteren Kurs des Katholiken-Komitees gerungen. Eine Reihe Bischöfe wünscht sich weniger innerkirchliche, dafür mehr gesellschaftspolitische Wortmeldungen des Gremiums.

Glück sieht in diesen Alternativen keinen Gegensatz. Doch er muss die Waage neu austarieren. Als "wandelnder Vermittlungsausschuss" der CSU scheint der Politiker dafür prädestiniert. In seiner Antrittsrede warb der ZdK-Präsident für eine neue innerkirchliche Streitkultur.

Meinungsverschiedenheiten: für Glück kein Unglück

Konflikte hätten das Volk Gottes auf seinem Weg von Anfang an begleitet. Meinungsverschiedenheiten sind für Glück kein Unglück, sondern ein Zeichen der Vitalität. Entscheidend sei, wie die Kontroversen ausgetragen werden: ob im Respekt vor dem Anderen und dessen Gewissen oder mit dem Anspruch, dass nur die eigene Position die allein katholische sei.

Das Reizwort "Donum Vitae" nahm er dabei nicht in den Mund, aber es schwang zwischen den Zeilen mit. Der Politiker meldete "Klärungs- und Beratungsbedarf" über die Bedingungen des Handelns von Katholiken im öffentlichen Leben an.

Persönliche Überzeugungen wie auch offizielle kirchliche Positionen könnten in einer offenen Gesellschaft, in der Staat und Kirche getrennt seien, nicht eins zu eins umgesetzt werden, gab er zu bedenken. Kompromissbereitschaft sei gefragt. Wenn ein solches Engagement aber innerkirchlich Ausgrenzung nach sich ziehe, sei dies keine Ermutigung.

Kompromiss in Sachen "Donum Vitae"

In Sachen "Donum Vitae" hat Glück seinen eigenen Kompromiss gefunden. Noch vor der Wahl erklärte er seine Ämter in den Gremien des kirchlich nicht anerkannten Schwangerenberatungsvereins für ruhend, ohne seine Mitgliedschaft ganz aufzugeben, wie es mancher erwartete. Eine große Mehrheit der deutschen Bischöfe hat dies akzeptiert.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche von A bis Z: Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.zdk.de

Text: Christoph Renzikowski, Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Jürgen Kappel
20.11.2009

    1. Kirche von A bis Z: Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)
    1. Bußmann und Sternberg gewählt

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