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24.05.2012
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Berliner Mauer

Über 28 Jahre war die Berliner Mauer Teil der innerdeutschen Grenze.

Im Wendejahr 1989 spielten die Katholiken nur die zweite Geige

Durch Führungswechsel gehemmt

Berlin. Als am 9. November 1989 in Berlin die Mauer fiel, befand sich der neue Berliner katholische Bischof Georg Sterzinsky gerade 1.500 Kilometer weiter südlich. Zwei Monate nach seiner Bischofsweihe war er zum Antrittsbesuch bei Papst Johannes Paul II. nach Rom gereist. Erst nach seiner vorzeitigen Rückkehr konnte er am darauf folgenden Sonntag in der St.-Hedwigs-Kathedrale einen großen Dankgottesdienst feiern.

Die Episode ist charakteristisch für die Rolle der katholischen Kirche in der DDR während der Wendemonate: Obwohl die Katholiken wie kaum eine andere Gruppe den SED-Staat innerlich ablehnten, fanden sie sich nur selten in der ersten Reihe des Protests. Das hatte Gründe.

Nach der Berufung des Vorsitzenden der Berliner Bischofskonferenz, Kardinal Joachim Meisner, zum Erzbischof von Köln, war die katholische Kirche in der DDR seit Frühjahr 1989 quasi führungslos. Seit den 1950er Jahren hatte es sich bewährt, dass zu politischen Fragen - wenn überhaupt - nur der Vorsitzende der Bischofskonferenz auf Landesebene und die Ortsbischöfe auf Bezirksebene Stellung nahmen. Der Erfurter Bischof Joachim Wanke leitete das Bischofskollegium zwar kommissarisch, doch konnte er wichtige Fragen nicht am Telefon erörtern, weil die Stasi mithörte.

Vorsichtige Kurskorrekturen

Dabei hatten seit Anfang der 1980er Jahre die damals jungen Bischöfe Meisner und Wanke vorsichtige Kurskorrekturen in die Wege geleitet. Das Katholikentreffen 1987 in Dresden mit rund 100.000 Teilnehmern signalisierte auch nach außen den Wunsch der Katholiken nach Mitgestaltung. Weitere Schritte waren die Einrichtung einer Pressestelle der Bischofkonferenz 1988 und die Teilnahme der katholischen Kirche an der Ökumenischen Versammlung 1988/89, die die Forderung nach Veränderungen selbstbewusst aussprach.

Viele Katholiken beteiligten sich an den Friedensgebeten und anderen Veranstaltungen, die meist in evangelischen Kirchen stattfanden. Mit dieser Form von "Gebeten", die häufig einen Forumscharakter hatten, taten sich die katholischen Bischöfe schwer - weniger aus inhaltlichen Gründen, sondern wegen ihres Liturgie-Verständnisses. Aber auch manche Forderung nach einem "verbesserlichen Sozialismus" teilten sie nicht, weil damit der Sozialismus als solcher nicht in Frage gestellt wurde.

Hirtenwort machte Furore

Am 24. Juni ernannte der Papst den Erfurter Generalvikar Sterzinsky zum Nachfolger Meisners, am 9. September wurde er zum Bischof geweiht. Schnell kam es zu Absprachen über das weitere Vorgehen: Erstmals äußerten sich die Bischöfe gemeinsam oder einzeln zum anhaltenden "Exodus" aus der DDR und setzten sich für politische Veränderungen ein. Vor allem das Hirtenwort des Magdeburger Bischofs Johannes Braun machte Furore: "Eine Gruppe oder eine Partei, die von sich behauptet, sie habe immer recht, ist nicht dialogfähig, nicht fähig, Reformen einzuleiten", befand Braun unverblümt - damals noch unerhörte Töne für die SED.

Während sich die Bischöfe vorsichtig auf das neue Terrain wagten, auf dem die weit größere evangelische Kirche bereits lange Erfahrung hatte, bildeten sich schon die ersten neuen Oppositionsgruppen und Parteien außerhalb dieses geschützten Raums. Bereits wenig später implodierte die SED-Herrschaft, und den Kirchen fiel die Rolle zu, den Runden Tisch des Übergangs zu moderieren.

Zu zaghaft

Sterzinsky sagt im Rückblick, dass die Bischöfe in den entscheidenden Wochen im Herbst zu zaghaft gewesen seien. Sie hätten den richtigen Zeitpunkt verpasst, sich klar auf die Seite der Opposition zu stellen, etwa nach den gefälschten Kommunalwahlen im Mai. Er selbst, so sagt er, habe sich in den ersten Wochen nach seiner Amtsübernahme noch unsicher gefühlt und nicht gleich die traditionelle Distanz zur Politik aufgeben wollen.

Nicht wenige katholische Laien ergriffen dagegen beherzt die neuen Chancen. Viele hatten in katholischen Studentengemeinden oder innerkirchlichen Gremien die ersten Erfahrungen mit demokratischen Verfahren gemacht. Die prominentesten von denen, die es in die Politik verschlug, waren Wolfgang Thierse (SPD) und Hans Joachim Meyer (CDU).

Text: Norbert Zonker / Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH | Foto: Thomas Nestke, Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.pixelio.de
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