
Papst Benedikt XVI. feierte mit rund 50.000 Menschen einen Gottesdienst in Nazaret.
Papst Benedikt XVI. in Nazaret
Größte Messe der Heilig-Land-Reise und Friedenslied
Nazaret. Papst Benedikt XVI. hat in Nazaret am Donnerstag (14.05.2009) die größte Messe seiner Heilig-Land-Reise gefeiert. Zu dem zweieinhalbstündigen Gottesdienst kamen nach offiziellen Angaben rund 50.000 Menschen, darunter Pilger aus aller Welt. Die Messe in Nazaret war dem Schutz der Familie gewidmet. Sie sei der Grundstein jeder guten Gesellschaftsordnung, sagte Benedikt XVI. bei dem Großgottesdienst unter freiem Himmel. Daher habe der Staat die "Pflicht, Familien in ihrer Erziehungsaufgabe zu unterstützen". Familien müssten in Würde leben und sich entfalten können.
Am Nachmittag traf sich das katholische Kirchenoberhaupt mit den religiösen Oberhäuptern Galiläas in der Verkündigungsbasilika von Nazareth. Zum Abschluss der Begegnung mit christlichen Oberhäuptern sowie jüdischen, muslimischen und drusischen Repräsentanten stimmte der Rabbiner Alon Goschen-Gottstein ein Lied an, dessen Text aus den Worten "Salam - Schalom, Herr, gib uns Frieden" bestand. Darauf erhoben sich Benedikt XVI. und die übrigen Geistlichen, fassten sich an den Händen und sangen mit.
"Geniale und kreative Idee"
Im Anschluss gab es Diskussionen, ob es sich um ein Gebet gehandelt habe. Vatikansprecher Federico Lombardi sprach von einer "genialen und kreativen Idee", mit der der Rabbi die Schwierigkeit des gemeinsamen Betens von Juden, Christen und Muslimen umgangen habe. Dies löse aber nicht das "Problem, dass ein förmliches Gebet der unterschiedlichen Glaubensbekenntnisse gemeinsam nur schwer vorstellbar ist".
In seiner Rede vor den Religionsvertretern betonte der Papst, alle Religionen seien verpflichtet, Kinder vor Fanatismus und Gewalt zu schützen. Die unterschiedlichen religiösen Traditionen hätten ein "mächtiges Potenzial, um eine Kultur des Friedens zu fördern". In ihrem Zentrum stehe die Überzeugung, dass der Frieden selbst ein Geschenk Gottes sei, auch wenn er nicht ohne menschliche Anstrengungen erlangt werden könne.
Der Respekt zwischen Glaubensgemeinschaften müsse sich auch konkret im Umgang mit den Gebetstätten zeigen, forderte Benedikt XVI. und mahnte zum Abbau von Spannungen. In Nazaret haben in den vergangenen Jahren Pläne islamischer Fundamentalisten zum Bau einer großen Moschee neben der Verkündigungsbasilika das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen belastet.
Treffen mit Ministerpräsident
Vor dem interreligiösen Treffen war der Papst in der Heimatstadt Jesu mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zusammengetroffen. Thema der privaten Unterredung im Franziskaner-Konvent von Nazaret, die etwa 15 Minuten dauerte, sei eine Belebung des Nahost-Friedensprozesses gewesen, teilte Lombardi mit.
Nach einem privaten Gebet in der Grotte der Verkündigungsbasilika, wo laut Überlieferung Maria von einem Engel die Botschaft der Empfängnis Jesu erhielt, feierte der Papst zudem einen Gottesdienst mit Geistlichen aus dem Norden Israels. Dabei rief er erneut die Christen zum Verbleib im Heiligen Land auf.
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Dossier: Papst Benedikt XVI.
Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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