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24.05.2012
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Papst begeht den Karfreitag in Rom

"Antlitz Jesu spiegelt sich in dem aller Leidenden"

Rom. Papst Benedikt XVI. hat am Abend des Karfreitags (10.04.2009) den traditionellen Kreuzweg gebetet. Zehntausende Gläubige folgten beim Kolosseum dem symbolischen Leidensweg Christi. Die Meditationen zu den 14 Stationen vom Garten Getsemani bis zum Kreuz stammten dieses Jahr vom indischen Erzbischof Thomas Menamparampil. Er formulierte seine Betrachtungen nach eigenen Worten als "Hymnus der Hoffnung". Während des Gebets trugen abwechselnd Katholiken aus unterschiedlichen Regionen der Welt ein schlichtes Holzkreuz auf den Palatin-Hügel. Von dort verfolgte Benedikt XVI. die Zeremonie.

Der Papst erinnerte zum Abschluss des Kreuzweges an die gegenwärtig Leidenden. Jesus habe alle menschlichen Ängste auf sich genommen. "Sein Antlitz spiegelt sich in dem jedes gedemütigten und verletzten Menschen, jedes Kranken und Leidenden, Einsamen, Verlassenen und Verachteten", so Benedikt XVI. Erneut betete er für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in den Abruzzen und ihre Angehörigen, "damit auch ihnen der Stern der Hoffnung und das Licht des auferstandenen Herrn aufgeht".

Die Gebete des Kreuzweges riefen gegen Angst und globale Probleme zu "Hoffnung wider jede Hoffnung" auf. "Unter der Oberfläche von Naturkatastrophen, Kriegen, Revolutionen und Konflikten aller Art gibt es eine stille Gegenwart, ein zielgerichtetes göttliches Handeln. Sie bleibt verborgen in der Welt, in der Gesellschaft, im Universum", hieß es in dem Text des indischen Erzbischofs. Anhand der Stationen des Leidenswegs Jesu riefen die Meditationen zu Gewaltverzicht auf. Menamparampil zitierte Franz von Assisi, Mahatma Gandhi und Mutter Teresa.

Ohne auf die Ausschreitungen militanter Hindus gegen Katholiken im vergangenen Herbst in Indien konkret einzugehen, sprach die Meditation von neuen Martyrien. "Jesus leidet weiter, wenn die Gläubigen verfolgt werden", hieß es. Die Kreuzweg-Andacht beklagte eine öffentliche Verspottung und Aufgabe von Werten. Gewalt gegen Frauen und Kinder, ethnische Konflikte, Folter und Menschenrechtsverletzungen wurden verurteilt. Zugleich erinnerte der Text an die Verantwortung für eine gemeinsame Zukunft und warnte vor Raubbau und Umweltverschmutzung.

Katholiken unterschiedlicher Nationen wechselten sich beim Tragen des schlichten schwarzen Holzkreuzes ab. Stellvertretend für die Leidenden übernahmen ein junger Rollstuhlfahrer und ein Kranker gemeinsam mit Betreuern das Kreuz für einige Stationen.

Liturgie am Nachmittag

Mit einer von Stille und Ernst geprägten Feier im Petersdom hatte der Papst am Nachmittag des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Zu Beginn des Gottesdienstes kniete das Kirchenoberhaupt vor dem Kreuz und verharrte in schweigendem Gebet. Mit dem Papst nahmen zahlreiche Kardinäle, Bischöfe und Vertreter des Diplomatischen Corps an dem Wortgottesdienst und der Zeremonie der Kreuzverehrung teil. Nach katholischer Tradition findet am Karfreitag, dem Gedächtnistag des Todes Jesu, keine Messe statt. Im Lauf der Feier beteten Papst und Gläubige für die großen Anliegen der Kirche. Die Fürbitten wurden in zehn Sprachen vorgetragen.

Die Auslegung der biblischen Leidensgeschichte hielt traditionsgemäß der päpstliche Hausprediger Raniero Cantalamessa. Dabei wies er eine Atheisten-Kampagne auf Londoner Bussen mit dem Slogan "Vielleicht gibt es keinen Gott, also genieß dein Leben" als zynisch gegenüber Leidenden zurück. Auch mit Bezug auf das Erdbeben in den Abruzzen sagte der Kapuziner, das Leid bleibe ein Geheimnis, insbesondere das Leid Unschuldiger; "aber ohne Glaube an Gott wird es noch absurder". Man nehme den Menschen "noch die letzte Hoffnung auf Erlösung". Atheismus sei ein "Luxus, den sich nur die Privilegierten des Lebens erlauben können".

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Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
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