Zweiter Tag der Afrika-Reise des Papstes
Aids-Problematik bleibt ein Thema
Yaounde. Die Aids-Problematik hat auch den zweiten Tag der Afrika-Reise von Papst Benedikt XVI. bestimmt. Dabei betonte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch (18.03.2009) in der kamerunischen Hauptstadt Yaounde, der Papst wolle bei der Reise keine neuen Akzente zu dem Thema setzen. Mit seinem Statement habe Benedikt XVI. lediglich die Position seines Vorgängers Johannes Paul II. in dieser Frage bekräftigt.
In Deutschland dauerten unterdessen die Debatten an. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke lehnte es ab, Kondome zu tabuisieren, warnte aber zugleich vor einer Überschätzung ihrer Bedeutung. "Die Kirche steht nicht in einer finsteren Anti-Kondom-Ecke, von der aus sie die Menschen einschüchtern will", unterstrich der Bischof in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung "Die Zeit".
Kritik von zwei Ministerinnen
Die SPD-Bundesministerinnen Ulla Schmidt und Heidemarie Wieczorek-Zeul kritisierten, moderne Entwicklungszusammenarbeit müsse den Ärmsten der Armen Zugang zu Mitteln der Familienplanung geben. Dazu gehöre auch der Einsatz von Kondomen, erklärten sie gemeinsam in Berlin: "Alles andere wäre unverantwortlich."
Scharfe Kritik kam vom gesundheitspolitischen Sprecher der SPD Wolfgang Wodarg und von der Deutschen Aids-Hilfe. Wodarg sagte, durch "seine ideologisch-weltfremde und leichtfertige Äußerung" lade der Papst eine schwere Schuld auf sich. Er bringe "Menschenleben in Gefahr und entwertet verantwortungsbewusste Präventionsarbeit vieler Nichtregierungsorganisationen, Regierungen und internationaler Aufklärungsprogramme". Die Aids-Hilfe erklärte, angesichts des millionenfachen Leids durch HIV und Aids in Afrika sei eine kategorische Ablehnung von Kondomen "znisch und menschenverachtend".
Engagement der Kirche gegen Aids
Jaschke verwies dagegen auf das Engagement der Kirche gegen Aids. Jede zweite aller Einrichtungen im Kampf gegen Aids weltweit werde von den Kirchen getragen, jede vierte von der katholischen Kirche. Vatikansprecher Lombardi erläuterte, die Kirche setze auf Sexualerziehung, auf wirksame Therapien, um die Weitergabe des HI-Virus von infizierten Müttern auf ihre Kinder zu unterbrechen, sowie auf eine soziale und seelsorgliche Begleitung der Betroffenen.
Benedikt XVI. hatte am Dienstag (17.03.2009) zu Beginn seiner Afrika-Reise gesagt, die Aids-Epidemie lasse sich nicht durch die Verteilung von Kondomen überwinden; Kondome vergrößerten die Probleme nur. Am Mittwochmorgen (18.03.2009) besuchte Benedikt XVI. außerhalb seines offiziellen Programms 67 Teilnehmer eines Aids-Projekts, das der Papst als vorbildlich und wegweisend erachtete.
Begegnung mit Bischöfen
An seinem zweiten Tag in Yaounde stattete das Kirchenoberhaupt Staatspräsident Paul Biya einen Höflichkeitsbesuch ab. Im Anschluss traf er mit den Bischöfen des Landes zusammen. In seiner Ansprache rief er die Katholiken des Landes zum Einsatz für die Armen und Benachteiligten auf. Jeder Mensch müsse in Würde leben können. Dabei gebe es keinen Raum für Parteigeister und ethnische Fixierungen.
Als weitere Herausforderungen der Kirche nannte Benedikt XVI. unter anderem die Situation der Familie und die Ausbreitung von Sekten, esoterischen Bewegungen, Aberglauben und Relativismus. Um dem zu begegnen, sei vor allem die Ausbildung und Glaubensunterweisung von Kindern und Jugendlichen wichtig. Die Bischöfe müssten energisch die Werte der afrikanischen Familie verteidigen und das Verständnis von Ehe als einer unauflöslichen Gemeinschaft fördern.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
19.03.2009
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