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24.05.2012
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Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI.

Benedikt XVI. sucht in Afrika Rückhalt in schwerer Zeit

Der Papst der Hoffnung

Yaounde. Noch einmal hat den Papst das Beben der vergangenen Wochen eingeholt. Auf dem Weg nach Kamerun, kurz bevor die päpstliche Maschine afrikanisches Festland erreicht, konfrontiert ein Journalist Benedikt XVI. mit dem Gerücht, er sei ein sehr einsamer Mann im Apostolischen Palast, selbst ohne geschlossene Rückendeckung aus der Kurie. "Um die Wahrheit zu sagen", sagt der Papst, "ich muss ein bisschen lachen über diesen Mythos der Einsamkeit." Dabei schaut er nicht eben heiter. Doch er betont das gute Netzwerk enger Mitarbeiter und loyaler Bischöfe.

Kurz darauf gerät das Flugzeug in Turbulenzen. Der Airbus rüttelt, aber der Papst steht fest. Seine Reise nach Afrika führt ihn unter 160 Millionen Freunde, in eine Kirche, die stetig wächst und Zukunft verheißt. Afrika hat viele Probleme, aber für Benedikt XVI. ist Afrika auch die Lösung. "Ich bin sicher, dass ich gestärkt zurückkehre", sagt er, bevor er überhaupt gelandet ist.

Zehntausende jubeln

"The Pope of Hope", "Der Papst der Hoffnung". Mit diesem Transparent begrüßen sie Benedikt XVI. bei seiner Ankunft in Yaounde. Eine Stunde dauert die Fahrt vom Flughafen Nsimalen in die Millionen-Metropole, eine Fahrt durch Felder aus rotem Staub und üppigen Bananenstauden. Und zu Zehntausenden heißen die Gläubigen ihren Papst willkommen, säumen den langen Weg im Papamobil mit Jubel und Tanz, Xylophonen und Trommeln.

Viele tragen in Händen, was den Segen des Mannes aus Rom erhalten soll: Kleinkinder, Rosenkränze, Bilder von Jesus, Benedikt XVI., auch Präsident Paul Biya. Er muss den Frauen der Hauptstadt ganze Fabrikladungen von Kleidern gestiftet haben, lange Gewänder mit Porträts von Biya und Benedikt. Dass der Papst Kamerun besucht und als "ein Zeichen der Vorsehung" - wie der Präsident sagt - dort symbolisch die Afrika-Synode der katholischen Bischöfe eröffnet, das ist auch ein Festtag für das ganze Land.

"Humanisierung der Sexualität"

Die Menschen auf den Straßen wissen noch nichts von den Themen des Papstes bei seiner fliegenden Pressekonferenz. Einige altgediente Vatikan-Experten raunen auf der Fahrt in die Stadt von einem sehr problematischen Auftakt. Benedikt XVI. sprach über Aids. Recht mutig beschrieb der Papst die katholische Kirche als Sturmspitze im Kampf gegen die Geißel des Kontinents. Die Krankheit lasse sich "nicht mit der Verteilung von Präservativen besiegen", sagt er. "Im Gegenteil, sie vergrößern das Problem."

In seinen Augen ist die Kirche mit ihren Sozialstationen und Aufklärungsprogrammen keineswegs der Bremsklotz der Aids-Prävention, als den sie nicht zuletzt Experten der Weltgesundheitsorganisation sehen. In Wirklichkeit sei "gerade die katholische Kirche im Kampf gegen Aids effektiver, präsenter und stärker", so Benedikt XVI. Effizienz heißt für den Papst: Hinarbeiten auf eine "Humanisierung der Sexualität", eine verantwortungsvoll gelebte Partnerschaft, die den anderen schützt - und notfalls auf Sex verzichtet.

Armut, Kriege, Korruption

Benedikt XVI. kommt als Missionar. In den nächsten Tagen in Yaounde und von Freitag an in Angolas Hauptstadt Luanda will er sich den harten Realitäten stellen, an denen das Land und der Kontinent leiden: Armut, Kriege, Korruption. Doch anbieten will er den Menschen nichts als die Botschaft des Evangeliums. Politische und wirtschaftliche Programme sind für ihn nicht Sache der Kirche.

Politik und Gesellschaft, so glaubt er, werden sich dann verändern, wenn die Menschen ihr Leben an Christus ausrichten. Mehr als eine Veränderung der Strukturen, so Benedikt XVI., wäre eine "Reinigung der Herzen" nötig. Und was Strukturen betrifft, schiebt der Papst als kleinen Seitenhieb hinterher, funktionieren diejenigen der katholischen Kirche oft noch dort, wo sonst nichts anderes mehr geht.

Jeder glaubt an irgendetwas

Benedikt XVI. weiß um die tiefe Religiosität, auf die er in Kamerun und Angola bauen kann. Anders als im zusehends gottesfernen Westen stelle sich in Afrika das Problem des Atheismus nicht, sagt der Papst unter Verweis darauf, dass hier jeder an irgendetwas glaubt - und seien es Ahnengeister. Ein ungewöhnlicher Schulterschluss für den einstigen Glaubenshüter der katholischen Kirche.

Wohl gebe es eine gewisse Konkurrenz der Sekten; aber vor allem sieht der Papst eine Öffnung der traditionellen Religionen für das Christentum: Sie kennen einen Gott, wenngleich oft fern und dunkel, und "warten, dass er näherkommt". Benedikt XVI. will ihnen sein Antlitz zeigen, das Gesicht des menschgewordenen Gottes in Christus.

Hoffnungen ruhen auf Afrika

Die Hoffnungen des Papstes ruhen auf Afrika. Seine Worte kommen aus dem Herzen, als er nach seiner Ankunft in Yaounde das biblische Motto der Reise zitiert, das zugleich das Motto der im Herbst stattfindenden Kontinental-Synode der afrikanischen Bischöfe ist: "Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt."

Das Jahrtausend ist noch jung, dieser Kontinent ist es auch. Benedikt XVI. hofft auf neuen Schwung unter den Gläubigen, um diese Botschaft "zu den Herzen der Völker Afrikas und zu den Völkern in aller Welt" zu bringen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Papst Benedikt XVI.
  2. Öffnet externen Link in neuem FensterPapst: "Afrika ein Kontinent der Hoffnung" (15.03.2009)

Text: Von Burkhard Jürgens, Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Archiv
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