
Papst Benedikt XVI. hat Pannen eingestanden, die es nach der Begnadigung des Holocaust-Leugners Richard Williamson und seiner Mitbrüder gab.
Nach Debakel um die Pius-Brüder
Papst: Pannen, Verletzungen und Konsequenzen
Rom. Nach mehrwöchigem Schweigen hat sich Benedikt XVI. aus der Deckung gewagt. In einem persönlichen und langen Brief an die weltweit fast 5.000 katholischen Bischöfe hat er all die Fragen beantwortet, die in den vergangenen Wochen in ungezählten Leitartikeln, Talkshows und Politiker-Kommentaren aufgeworfen wurden.
Mit einer für ein Kirchenoberhaupt unerhörten Offenheit hat er die Pannen eingestanden, die es nach der Begnadigung des Holocaust-Leugners Richard Williamson und seiner Mitbrüder gab. Und er hat so tiefe Einblicke in eigene Verletztheiten gegeben wie noch kaum ein Papst vor ihm. Man habe ihn "ohne Scheu und Zurückhaltung mit Hass bedacht", beklagt der Papst. Selbst einige Katholiken hätten "mit sprungbereiter Feindseligkeit" auf ihn eingeschlagen.
Kaum Vergleichbares in der Geschichte des Papsttums
Um Vergleichbares in der Geschichte des Papsttums zu finden, muss man lange suchen. Selbst Benedikts polnischer Vorgänger, der die eigene Person auf völlig neue Weise in die Institution des Papsttums einbrachte, hat nichts derartig Persönliches über seine Amtsführung veröffentlicht. Doch damit nicht genug.
Der Papst räumt ein, dass "Grenze und Reichweite" der aufgehobenen Exkommunikationen bei der Veröffentlichung "nicht klar genug dargestellt worden sind". Weiter betont er, dass die Pannen vermeidbar gewesen wären, wenn der Vatikan das Internet als Informationsquelle besser genutzt hätte. Und er gelobt Besserung und macht damit einen weiteren Schritt in die Moderne.
Jüdische Freunden fairer als katholischen Kritiker
Die wichtigsten Signale sendet der Papst in dem Brief aber in die innerkirchliche Debatte und an die Adresse seiner jüdischen Dialogpartner. Er bedankt sich nicht nur bei "den jüdischen Freunden", von denen er sich fairer behandelt fühlt als von manchem katholischen Kritiker. Er gibt ihnen auch zu verstehen, dass er die "Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens" fortsetzen will, die schon im Pontifikat seines Vorgängers bestand. Überraschend klar bekennt sich Benedikt XVI. auch zum interreligiösen Dialog. Die an Gott Glaubenden müssten "in der Unterschiedenheit des Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zugehen".
Die große Neuigkeit besteht darin, dass der Papst die Klärung der nun noch offenen Fragen rings um die Wiedereingliederung der Pius-Brüder der Römischen Glaubenskongregation anvertrauen will. Ihr soll künftig die bisher zuständige Kommission "Ecclesia Dei" zugeordnet werden, die mitunter eigenwillig vorgegangen war.
Annahme des Konzils durch die Pius-Brüder
Mit großer Aufmerksamkeit werden die Theologen aller Lager auch jene Passagen des Papstbriefes lesen, in denen er von der Annahme des Konzils durch die Pius-Brüder spricht. Weniger schroff als die deutschen Bischöfe, die das Bekenntnis zum Konzil zur Vorbedingung für die kirchliche Einheit machen, formuliert der Papst: "Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche."
Er deutet auch an, wo für ihn die Eckpunkte einer solchen Klärung liegen: Die Bruderschaft könne die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962, also im Jahr der Konzilseröffnung, einfrieren. Aber auch die "großen Verteidiger des Konzils" müssten die frühere Lehrgeschichte der Kirche und den "Glauben der Jahrhunderte" annehmen. Sollte es weitere "doktrinelle Klärungen" geben, hat nun offenbar die Glaubenskongregation die Aufgabe, die authentische Auslegung der Konzilsaussagen festzulegen.
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Text: Ludwig Ring-Eifel,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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