Kongress zum sexuellen Missbrauch in Rom
Vatikan: Wer vertuscht, ist ein "Feind der Gerechtigkeit"
Rom. Der Beauftragte des Vatikan für die Ahndung von Missbrauchsfällen, Charles Scicluna, greift die Vertuschung von Missbrauchsfällen in der Kirche scharf an. Wer Fälle nicht melde, sei ein "Feind der Gerechtigkeit und damit der Kirche", sagte Scicluna beim Kongress "Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung" der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. An dem Treffen nehmen 220 Vertreter von Bischofskonferenzen und katholischen Orden teil.
Immer noch gebe es eine "Kultur des Schweigens", die überwunden werden müsse, sagte der Kurienmitarbeiter. Die Zahl neuer Missbrauchsfälle sinke in Ländern, in denen die Kirche entschieden vorgehe und auf Transparenz setze. Scicluna betonte, Kindesmissbrauch sei nicht nur ein kirchenrechtliches Delikt, sondern auch ein Verbrechen nach staatlichem Recht.
Wo wie bei Missbrauch die Rechte anderer auf dem Spiel stünden, wäre Gnade gegenüber den Tätern eine falsche Form von Mitleid, sagte Scicluna. Die kirchlichen Gesetze zum Umgang mit Missbrauch seien klar; die Menschen müssten auch sicher sein können, dass die Gesetze angewandt würden.
Ackermann: Kongress ist Meilenstein
Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, würdigte den Kongress als "Meilenstein im Engagement gegen sexuellen Missbrauch". Die Tagung zeige, "wie wichtig der Kirche die Beschäftigung mit diesem Thema ist". Der Papst mache "klar, dass die Kirche die Aufarbeitung weltweit proaktiv und noch systematischer angehen will".
"Der Austausch mit den Bischofskonferenzen anderer Länder zeigt mir, dass wir sowohl in der Aufarbeitung als auch in der Prävention nicht an einem Nullpunkt stehen", betonte Ackermann. Allerdings sei die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt längst nicht abgeschlossen. Beschlossene Maßnahmen müssten umgesetzt und auf Wirksamkeit überprüft werden.
Als besonders bewegend schilderte Ackermann den Bericht einer irischen Betroffenen auf dem Kongress, die als Kind von einem Geistlichen missbraucht worden war. "Es war sehr schmerzhaft und bitter, diese Lebensgeschichte und vor allem das Versagen der zuständigen Autoritäten ungeschminkt zu hören."
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
09.02.2012
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