Fälle in Regensburg und Ettal
Vatikan nimmt Pädophilie-Vorwürfe "sehr ernst"
Vatikanstadt. Der Vatikan vertraut auf "transparente Untersuchungen" des Bistums Regensburg im Fall der Missbrauchsvorwürfe bei den "Regensburger Domspatzen". Der Heilige Stuhl werde sich nicht in die Aufklärung einschalten, sagte ein zuständiger Vatikanmitarbeiter der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag (05.03.2010).
Der Heilige Stuhl nehme die Pädophilievorwürfe "sehr ernst", sagte der Vatikanmitarbeiter. Dies gelte für Deutschland ebenso wie für ähnliche Vorgänge etwa in Irland oder den USA.
Visitation des Klosters Ettal?
Der Bitte des Klosters Ettal um eine Visitation will der Vatikan nach internen Informationen entsprechen. Es gebe allerdings noch keine offizielle Antwort, weil das Gesuch noch auf dem Geschäftsweg sei, hieß es in Kurienkreisen.
Bei der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland stehen die Regensburger Domspatzen derzeit im Brennpunkt des öffentlichen Interesses. Der Sprecher des Bistums Regensburg, Clemens Neck, sagte am Freitag vor Journalisten, es gebe bisher keinen aktuellen Fall. Allerdings meldeten sich mutmaßliche Opfer früherer Übergriffe derzeit bei der diözesanen Missbrauchsbeauftragten, Birgit Böhm. Dabei gehe es um Vorfälle aus den frühen 1960er Jahren.
Georg Ratzinger weiß nichts von Missbrauch
Hinweise, die sich auf die Amtszeit von Domkapellmeister Georg Ratzinger, den Bruder von Papst Benedikt XVI. beziehen, lägen nicht vor, erläuterte der Sprecher. Ratzinger (86) war von 1964 bis 1994 Chef des weltberühmten Knabenchors. Er sagte dem Bayerischen Rundfunk, er wisse nichts von Missbrauch bei den Domspatzen.
Die heute Verantwortlichen der Domspatzen äußerten ihre Bestürzung und Bedauern über das geschehene Unrecht und machten ihr Interesse an einer vollständigen Aufklärung deutlich, auch wenn die bekannten Fälle Jahrzehnte zurücklägen. In einem auf ihrer Internetseite veröffentlichten Brief an die Domspatzen, ihre Eltern und Mitarbeiter der Einrichtung baten sie um Unterstützung ihrer Bemühungen. Wer möglicherweise Opfer geworden sei oder etwas wisse, solle sich melden.
Kinderpornografie im Benediktinerkloster Ettal?
Im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal soll die Staatsanwaltschaft bei ihrer Durchsuchung offenbar auch nach Kinderpornografie gesucht haben. Dies berichtet der "Münchner Merkur". Ein Mönch soll eingeräumt haben, entsprechende Daten und Filme aus dem Internet herunter geladen zu haben. Der Münchner Bistumssprecher Bernhard Kellner habe die Vorwürfe jedoch nicht kommentieren wollen und auf laufende Ermittlungen verwiesen.
Die Abtei hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass vergangene Woche, unabhängig von den vier wegen Missbrauchs an Schülern beschuldigten Mönchen, ein weiterer Pater Selbstanzeige erstattet hatte. Dieser Fall habe aber nicht mit den anderen Vorwürfen zu tun, hieß es auf Nachfrage im Kloster.
"Erschreckendes Ausmaß von Gewalt"
Weiter berichtet das Blatt, dass die wegen Übergriffen beschuldigten Ettaler Patres offenbar gewaltsamer gegen Schüler vorgegangen seien als bisher bekannt. "Erschreckend ist vor allem das Ausmaß der Gewalt und Prügeleien", so Kellner.
Die Ombudsleute, die die Münchner Erzdiözese dem Kloster zur Verfügung gestellt hatte, erhalten dem Bistumssprecher zufolge nach wie vor eine Vielzahl von Hinweisen ehemaliger Schüler. Diese bestätigten die bereits bekanntgewordenen Vorfälle. Am Freitag wollen der im Kloster tätige Sonderermittler, Rechtsanwalt Thomas Pfister, und ein Vertreter des Ordens die Öffentlichkeit über den Sachstand informieren.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
05.03.2010
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