Sieben Jahre Haft für Ordensgeistlichen
Priester wegen Missbrauchs in 155 Fällen verurteilt
Kassel. Wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in 155 Fällen und wegen des Besitzes von Kinderpornografie hat das Landgericht Kassel am Donnerstag (25.11.2010) einen Ordenspriester zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der geständige 50-Jährige, der bis Mai in der Seelsorge im hessischen Fritzlar tätig war, hatte die Taten zwischen 1992 und 2003 begangen. Die sechs Opfer waren alle Ministranten und damals bis zu 14 Jahre alt.
Zu den sexuellen Handlungen kam es nach Auffassung des Gerichts auf Grund einer pädophilen Neigung des Täters. Das Gericht gestand ihm zu, jenseits der sexuellen Übergriffe durchaus segensreich gewirkt zu haben. Andererseits habe er in der Arbeit mit Ministranten eine Plattform für seine Neigungen gefunden. Er sei für die Kinder eine absolute Vertrauensperson gewesen und habe deren Vertrauen missbraucht. Die Strafkammer wies darauf hin, dass die Opfer aus problematischen familiären Verhältnissen gekommen seien.
Die sexuellen Handlungen nahm der Täter meist mittels Videokamera auf. In seinem Schlusswort vor Gericht bat der Mann alle um Vergebung, die durch sein Verhalten geschädigt worden seien und deren Vertrauen er missbraucht habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Gericht ließ Revision zum Bundesgerichtshof zu. Wegen Fluchtgefahr ordnete es eine Fortsetzung der Untersuchungshaft an.
Der Geistliche, der auch als Schulpfarrer und Religionslehrer an einer katholischen Fritzlarer Schule wirkte, gehört dem Orden der Prämonstratenser an. Im Mai hatte das für Fritzlar zuständige Bistum Fulda die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, nachdem ein Anfangsverdacht bekanntgeworden war. Die Niederlassung der Prämonstratenser in Fritzlar entsprach der Bitte des Bistums, Hansjörg L. von seiner Seelsorge-Tätigkeit und seinen schulischen Verpflichtungen zu entbinden. Zum 1. Juli wurde die Fritzlarer Niederlassung der Prämonstratenser, die fünf Ordensleute einschließlich des jetzt Verurteilten zählte, im Zuge der Missbrauchsvorwürfe geschlossen. Auf der Grundlage eines mit dem Bistum Fulda geschlossenen Vertrags hatten sich die Prämonstratenser 20 Jahre um die Seelsorge in Fritzlar gekümmert.
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KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
26.11.2010
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