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11.02.2012
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Bischofskonferenz

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Bischofskonferenz zu Missbrauchsskandal

"Priester sollen sich selbst anzeigen"

Bonn. Im Streit um die strafrechtliche Aufklärung von sexuellem Missbrauch durch Priester hat die Deutsche Bischofskonferenz klargestellt, dass sie die staatlichen Strafverfolgungsbehörden vorbehaltlos unterstütze.

"Die Kirche fordert Geistliche zu einer Selbstanzeige auf, wenn Anhaltspunkte für eine Tat vorliegen, und informiert von sich aus die Strafverfolgungsbehörden", heißt es in einer am Dienstag (09.03.2010) in Bonn veröffentlichten Erklärung von Pressesprecher Matthias Kopp.

Wunsch der Opfer respektieren

Auf ein solches Vorgehen werde nur dann verzichtet, "wenn es dem ausdrücklichen Wunsch des Opfers entspricht. Auch der staatliche Gesetzgeber respektiert den Wunsch des Opfers und hat unter anderem deshalb darauf verzichtet, bei den entsprechenden Straftaten eine Anzeigepflicht einzuführen."

Hintergrund sind Vorwürfe unter anderem von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Sie hatte der Kirche vorgehalten, dass eine Direktive der vatikanischen Glaubenskongregation von 2001 vorschreibe, dass auch schwere Missbrauchsfälle zuallererst der päpstlichen Geheimhaltung unterlägen und nicht an staatliche Behörden weitergegeben werden sollten.

Getrenntes kirchliches Strafverfahren

Diese Darstellung sei falsch, erklärte die Bischofskonferenz. Es gebe unabhängig vom staatlichen Verfahren ein eigenes, davon völlig getrenntes kirchliches Strafverfahren, dessen Akten nach einem Rundschreiben der Glaubenskongregation von 2001 in Rom geführt und vertraulich behandelt ("Secretum Pontificium") würden.

"Die kirchliche Unterstützung der staatlichen Strafverfolgungsbehörden bleibt davon unberührt", so die Bischofskonferenz. "Das kirchliche Verfahren ist selbstverständlich dem staatlichen Verfahren nicht vorgeordnet." Dies solle bei einer Neuregelung der Leitlinien der Bischofskonferenz klarer als bisher dargestellt werden.

Missbrauchsvorwürfe im Bistum Mainz

Unterdessen gibt es auch im Bistum Mainz nun Misshandlungs- und Missbrauchsvorwürfe. Das Bistum teilte am Mittwoch (10.03.2010) in Mainz unter Hinweis auf erste ihm vorliegende Informationen mit, dass es im früheren Konvikt Bensheim Ende der 1970er Jahre zu "Fällen von Misshandlungen und Übergriffen" durch zwei Täter auf Schüler gekommen sei.

Die Jugendlichen seien den Informationen zufolge wegen nichtiger Anlässe massiv geprügelt worden. Auch der Verdacht des sexuellen Missbrauchs durch einen damaligen und 1979 aus den Diensten des Bistums ausgeschiedenen Heimleiter stehe im Raum. Laut Bistum wurde die zuständige Staatsanwaltschaft in Darmstadt über die Vorwürfe informiert.

Weitere Verdachtsfälle in Limburg

Im Bistum Limburg gibt es weitere Fälle des Verdachts auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger. Die Vorwürfe richten sich nach Angaben des Bistums vom Dienstag gegen fünf Priester und kirchliche Mitarbeiter, darunter der 2002 gestorbene frühere Leiter der Limburger Domsingknaben. Bereits in der vergangenen Woche hatte das Bistum Missbrauchsvorwürfe gegen fünf Priester bekannt gemacht, von denen drei verstorben sind.

Auch in den nun bekanntgewordenen Fällen habe man alle Informationen an die Staatsanwaltschaft übermittelt, so das Bistum. Die Taten sollen sich in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren ereignet haben. "Einige" der Beschuldigten seien mittlerweile verstorben. Strafrechtlich seien die Taten verjährt.

Missbrauchsvorwürfe gegen sechs Patres in Bonn

Am Bonner Jesuitengymnasium sollen zwischen 1946 und 2005 sechs Jesuitenpatres Schüler sexuell missbraucht haben. Das teilte der kommissarische Rektor, Pater Ulrich Rabe, am Dienstag in Bonn mit. Er bezieht sich auf einen Zwischenbericht, der am Montag dem Kollegium, Elternvertretern und der Missbrauchs-Beauftragten der Jesuiten, Ursula Raue, vorgelegt worden war. Den Zwischenbericht erstellt hatte nach den Angaben eine interne Arbeitsgruppe mit Repräsentanten von Eltern, Lehrern, Schul- und Internatsleitung und Mitgliedern der Jesuitenkommunität.

Laut Rabe wurden bislang Aussagen von 30 verschiedene Personen gesammelt, "die in der Schilderung der Erheblichkeit der Übergriffe sehr unterschiedlich sind". Die Spannweite der Beschuldigungen reiche von Aussagen über den allgemeinen Erziehungsstil bis hin zu Berichten über heftigen und wiederholten sexuellen Missbrauch. Die drastischsten Schilderungen bezögen sich auf die 50er und 60er Jahre.

Hildesheim: Pfarrer suspendiert

Das Bistum Hildesheim hat einen Pfarrer aus Wolfsburg mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert. Der Geistliche, der einer Ordensgemeinschaft angehört, hatte gestanden, vor mehr als dreißig Jahren einen damals minderjährigen Jugendlichen sexuell missbraucht zu haben, wie die Diözese am Wochenende in Hildesheim bekannt gab.

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Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Archiv
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