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24.05.2012
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Auch aus dem Bistum Münster Reaktionen auf Papst-Lehrschreiben

Politik und Kirche würdigen Sozialenzyklika

Bonn / Bistum. Die erste Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. stößt in Deutschland auf überwiegend positives Echo. Als hochaktuelle, präzise Analyse bezeichnete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, das Lehrschreiben. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sprach von einem "Dokument der globalen Geschwisterlichkeit". Politiker würdigten das Grundsatzpapier als wertvollen und wichtigen Beitrag. Enttäuscht äußerte sich das globalisierungskritische Netzwerk "attac". Angesichts weltweiter Ungleichheit bleibe der Ton des Schreibens "ausgesprochen hilflos".

Das am Dienstag (07.07.2009) im Vatikan vorgestellte Papier trägt den Titel "Caritas in veritate". Darin fordert Benedikt XVI. eine Steuerungsinstanz, um die Weltwirtschaft zu lenken und die Folgen der aktuellen Krise zu meistern. Ausdrücklich verurteilt der Papst Profitgier und Egoismus, warnt aber vor Fatalismus und blindem Widerstand gegen die Globalisierung.

Zollitsch würdigte die Enzyklika als drängenden Appell an die Politiker der Industriestaaten, für die Weiterentwicklung einer gerechteren Weltordnung zu arbeiten. Mit der Enzyklika gelinge eine Aktualisierung der katholischen Soziallehre. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx sieht in dem Papst-Schreiben ein "moralisches Ausrufezeichen zur rechten Zeit". Es biete "Rückenwind" für Überlegungen zur Gestaltung einer weltweit verbindlichen Ordnung, sagte Marx, der die Kommission der Bischofskonferenz für gesellschaftliche Fragen leitet.

Lob von Overbeck – Zweifel von Gabriel

Der münstersche Weihbischof Franz-Josef Overbeck nannte die Enzyklika eine "sehr dichte und systematische Schau der katholischen Soziallehre" und "einen wertvollen Beitrag für die mittel- und langfristige Ausrichtung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung". Der Papst habe "Orientierungsmaßstäbe für das moralische Handeln in einer globalisierten Welt formuliert", heißt es in Overbecks Stellungnahme, die die Bischöfliche Pressestelle in Münster verbreitete. Dem Papst zufolge sei die katholische Soziallehre Garant einer ganzheitlichen Entwicklung der Menschheit, unterstreicht der Weihbischof.

Der Sozialethiker Karl Gabriel, Direktor des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster, hält die Forderung des Papstes nach einer politischen Weltautorität dagegen für "unrealistisch". Der Vorschlag der Sozialenzyklika sei "kaum zielführend", er liege außerhalb der Möglichkeiten der heutigen komplexen Welt, sagte Gabriel. Realistischer als eine neue "Weltregierung" sei die engere Zusammenarbeit auf Basis des internationalen Rechts und der Vereinten Nationen. So könnten globale Rechtsräume entstehen, die die Weltwirtschaft besser regeln.

Verbandsvertreter beeindruckt

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht durch die Sozialenzyklika die kirchlichen Hilfswerke gestärkt. Benedikt XVI. betrachte die Globalisierung positiv, sie müsse aber von Wahrheit und Liebe durchdrungen sein. Ähnlich äußerte sich der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst. Die Kirche als weltweite Kraft müsse den "Global Players in Wirtschaft und Politik Maßstäbe verantwortlichen Handelns vor Augen stellen".

Nach Ansicht von ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer umreißt das Schreiben "ein weites Panorama der gegenwärtigen Menschheitsprobleme". Der Text sei Verkündigung, Analyse und Programm zugleich. Caritas-Präsident Peter Neher betonte, der Kirche und ihrer Botschaft komme angesichts der derzeitigen Verunsicherung besondere Bedeutung zu. Mit seiner "großen Enzyklika" zeige Benedikt XVI., wie ein Ausweg aus der Krise aussehen könne.

Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) würdigte das Grundsatzpapier als "wichtige Orientierungsmarke in stürmischer Zeit". Der Papst bekenne sich zum Markt als zentraler Institution der Wirtschaft, der aber in ein größeres soziales und politisches Umfeld eingebunden und auf das Gemeinwohl ausgerichtet sein müsse, betonte BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött.

Merkel sieht "Ermutigung"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in der Sozialenzyklika eine Ermutigung, für eine sozial verantwortliche Welt einzutreten. Vor dem G-8-Gipfel in L'Aquila bestärke das Papier zudem die Notwendigkeit der Entwicklungshilfe für die Ärmsten in der Welt, sagte Merkel.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) nannte das Papier eine Orientierungshilfe für die Politik. Als besonders wichtig bezeichnete er, dass sich der Papst mit Nachdruck "für gerechte Entlohnung, für würdevolle Arbeit, für starke Gewerkschaften und für umfassenden sozialen Schutz" ausspreche. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla wünschte eine breite Diskussion über die Enzyklika, "nicht nur innerhalb der katholischen Kirche, sondern auch in der CDU und der gesamten Gesellschaft". Benedikt XVI. mache deutlich, dass unternehmerische Freiheit und Initiative ebenso wichtig seien wie soziale Verantwortung und die Ausrichtung der Wirtschaft an den Interessen von Mensch und Umwelt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht sich durch die Sozialenzyklika in seinen Forderungen nach einer besseren Kontrolle der globalen Kapitalströme bestätigt. Auch der DGB setze sich dafür ein, nachhaltiges Wirtschaften mit Strukturen der Zusammenarbeit von internationalen Institutionen wie Welthandelsorganisation und Weltbank zu verknüpfen, sagte DGB-Chef Michael Sommer.

Protestanten äußern sich nicht

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird zu der Enzyklika nicht offiziell Stellung nehmen. Es sei "guter Brauch" der Kirchen, sich nicht gegenseitig zu kommentieren, sagte EKD-Sprecher Reinhard Mawick auf Anfrage. Er verwies aber darauf, dass es zwischen den Thesen des Papstes und dem EKD-Papier zur Wirtschaftskrise deutliche Ähnlichkeiten gebe.

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  6. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Papst Benedikt XVI.

Zum Herunterladen:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterDie Sozialenzyklika "Caritas in veritate"

Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, jjo
08.07.2009

    1. Enzyklika will keine technischen Lösungen bieten
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