Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Kirche heute
24.05.2012
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Proteste am Rande der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2011 in Paderborn.

Proteste am Rande der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz 2011 in Paderborn.

Kirche wendet sich den Opfern zu

Missbrauchsskandal wurde vor zwei Jahren publik

Berlin. Am Anfang stand ein Brief. Den schrieb vor genau zwei Jahren Pater Klaus Mertes, damaliger Rektor des Berliner Jesuiten-Gymnasiums Canisius-Kolleg, an 600 Ehemalige. Die Botschaft: Patres des Ordens hätten in den 1970er- und 80er Jahren Schüler sexuell missbraucht - und zwar systematisch und über Jahre.

Der Brief, der am 28. Januar 2010 bekannt wurde, trat eine Lawine los: Der Skandal weitete sich auf andere Ordensschulen aus, überrollte auch evangelische Institutionen und weltliche Einrichtungen wie die Odenwaldschule oder Sportvereine.

Sensibilität gewachsen

Auch heute noch werden frühere Missbrauchsfälle bekannt. So musste sich zuletzt ein katholischer Priester aus Salzgitter vor Gericht verantworten, weil er sich zwischen 2004 und 2011 in 280 Fällen an drei Jungen vergangen haben soll. Zugleich ist die Sensibilität gewachsen, wie auch Mertes in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) betonte.

20 Monate lang befasste sich ein von der Bundesregierung eingesetzter Runder Tisch mit Kindesmissbrauch. Bei der Missbrauchsbeauftragten Christine Bergmann liefen über 20.000 Briefe und Anrufe auf. Über die Hälfte der dort berichteten Missbrauchsfälle geschah in Familien. Jeder dritte fand in Institutionen statt, rund 60 Prozent davon in den Kirchen.

Tiefe Vertrauenskrise

Die katholische Kirche stürzte der Skandal in eine tiefe Vertrauenskrise. "Wie konnte solcher Missbrauch möglich sein - in einer Kirche, die für so hohe moralische Werte steht, die beansprucht, Antworten auf die tiefsten Fragen des Menschseins geben zu können?", fragte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.

Eine Quittung für den Skandal: 2010 kehrten so viele Katholiken der Kirche den Rücken wie lange nicht, nämlich 181.193. Jesuitenpater Friedhelm Mennekes macht zudem massive Auswirkungen auf die Seelsorge aus. "Früher habe ich mich nett mit den Menschen unterhalten, heute wird man sofort als potenzieller Verführer der Kinder gesehen", sagt er. Die Geistlichen stünden "mit dem Rücken zur Wand".

Bischöfe verschärften Leitlinien

Die Bischöfe reagierten mit einer Serie von Maßnahmen. Schon im März 2010 entschuldigten sie sich bei den Opfern. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wurde zum Missbrauchsbeauftragten ernannt und eine Hotline eingerichtet. Im Sommer 2010 verschärften die Bischöfe die Leitlinien für den Umgang mit den Tätern. Darüber hinaus verabschiedeten sie ein Präventionskonzept und brachten zwei Forschungsprojekte auf den Weg.

Außerdem präsentierte die Bischofskonferenz als erste Institution ein Modell zur materiellen Anerkennung des Unrechts. Demnach sollen Opfer bis zu 5.000 Euro erhalten. 950 Betroffene stellten bislang einen Antrag auf Entschädigung. In 90 Prozent der Fälle sei eine Zahlung empfohlen worden, heißt es. Dass Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch im September fünf Missbrauchsopfer traf, markiert einen weiteren Schritt der Aufarbeitung.

"Früher zu stark die Täter und die Kirche im Blick"

"Für alle Diözesen lässt sich sagen, dass wir uns den Opfern zugewandt haben, nachdem wir früher viel zu stark die Täter und die Kirche selbst im Blick hatten", resümiert Bischof Bode. Auch Mertes, der für die Veröffentlichung seines Briefes Zustimmung, aber auch viele Hassmails erhielt und als Nestbeschmutzer beschimpft wurde, betont, dass sich die Kirche habe "erschüttern" lassen.

Ihm und vielen anderen Kirchenvertretern ist klar, dass der Missbrauchsskandal eine Krise ans Licht gebracht hat, die schon viel länger virulent ist. Von "bohrenden Zweifeln" an Lehren der Kirche sprach der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Und verweist etwa auf die Sexuallehre, die Rolle der Frauen und der Laien in der Kirche oder die priesterliche Ehelosigkeit - wobei ein Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch auch von Wissenschaftlern klar verneint wurde.

Zollitsch: Chance zu einer Erneuerung der Kirche

Zollitsch brachte deshalb im September 2010 einen Dialogprozess auf den Weg. Ein Balance-Akt: Es bestehe die Gefahr, dass im Streit Brücken abgebrochen würden und die Einheit zerbreche, warnt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck.

Zollitsch räumt ein, dass die Kirche unter Druck stehe - aber nicht vor einer Spaltung. Den Missbrauchsskandal will der Freiburger Erzbischof nutzen - als Chance zu einer Erneuerung der Kirche.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Kindesmissbrauch

Text: Christoph Arens, Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
27.01.2012

    1. Übersicht: Kindesmissbrauch
    1. Arbeit gegen Missbrauch: Kirche mit positiver Zwischenbilanz
    1. 250-facher Missbrauch: Pfarrer muss sechs Jahre in Haft

Wir beten für Sie!

KLOSTERFÜRBITTE im Monat Mai: St.-Franziskus-Haus in Nordwalde.

Bischof Felix Genn

Sein Leben – sein Wirken – seine Texte.

Wohnungsnotfallhilfe

In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für Jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.

Durch das Jahr

Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten: Ein wenig Geist und viel Frühling.

Bibelarbeit

Unterwegs nach Emmaus: Kleopas und sein Freund.

Glaubenswissen

Frömmigkeit - Gesamthaltung des gläubigen Menschen vor Gott.

Landvolkshochschule

Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.

Das aktuelle VIDEO...

Grüße vom Katholikentag (1): Aufbruch gelingt ...

Dossier: Maria

Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.

Kommunionempfang

Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.

Trauerseelsorge

Hilfe bei berufsethischen Fragen.

Wallfahrtsorte

Vinnenberg: Muttergottes vom Himmelreich.

Mit der Bibel leben

Ich bin das A und O.

Geistlicher Impuls

"Gehet hin in Frieden!"

Heiligenlexikon

30. Mai: Heilige Johanna von Orléans.

Glaubens-ABC

Marienverehrung: Magd des Herrn

Regionen

Cosfeld / Recklinghausen.

Service für Sie

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web

Spruch des Tages

Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten.
Aristoteteles

Reden, Fragen, Antworten finden

im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie


Seelsorger im Mai:
Pfarrer Martin Weber.

Seelsorger/-innen

Haus der SeelsorgeHaus der Seelsorge

Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Lebenshilfe+Seelsorge: 
  Martin Weber
  weberkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand