
Pfarrer Hans Cornelsen.
Interview mit dem Mailänder Pfarrer Hans Cornelsen
"Keine schwerwiegenden Unterschiede"
Mailand. Mit dem gebürtigen Dortmunder Hans Cornelsen verantwortet seit dem Jahr 2004 ein Priester des Bistums Münster die Seelsorge der Katholiken deutscher Sprache in Mailand. Der im Jahr 1977 zum Priester geweihte Cornelsen war zuvor einige Jahre als Leiter der deutschen Gemeinden in Singapur und Manila tätig und leitet neben der Gemeinde in der norditalienischen Großstadt auch die Auslandsgemeinde in Ispra/Varese am Lago Maggiore, die ebenfalls zur Erzdiözese Mailand gehört. Im Interview mit kirchensite.de berichtet er von seinen Erfahrungen mit dem ambrosianischen Ritus.
kirchensite.de: Seit mehr als fünf Jahren sind Sie als deutscher Pfarrer im Erzbistum Mailand. Sie haben in dieser Zeit den ambrosianischen Ritus kennen gelernt. Welches sind Ihrer Ansicht nach die augenfälligsten Unterschiede zum römischen Ritus, wie ihn die Menschen in Deutschland kennen?
Pfarrer Hans Cornelsen: Der auffälligste Unterschied ist meiner Ansicht nach die Platzierung des Friedensgrußes in der heiligen Messe. Der Friedensgruß erfolgt im ambrosianischen Ritus vor der Gabenbereitung. Ich finde das sehr sympathisch und auch sinnvoll. Auch in der vatikanischen Liturgiekongregation gab es ja zeitweise Überlegungen, den Friedensgruß im römischen Ritus an diese Stelle zu platzieren. Man hat allerdings nach reiflichen Beratungen davon Abstand genommen. Alle weiteren Unterschiede habe ich noch zu keiner Zeit meiner Tätigkeit in der Erzdiözese Mailand als schwerwiegend empfunden. Ganz außergewöhnlich, wie manch Interessierte denken, ist dieser Ritus nicht. Als regelmäßiger Besucher der Messen im ambrosianischen Ritus gewöhnt man sich sehr schnell an die Unterschiede.
"kirchensite.de": Ein offensichtlicher Unterschied liegt allerdings im Ablauf des Kirchenjahres. Die Adventszeit beginnt bereits am ersten Sonntag nach St. Martin und umfasst damit sechs Wochen. Erleben Sie einen anderen Umgang mit der vorweihnachtlichen Zeit in Mailand?
Cornelsen: Ich nehme eher von Jahr zu Jahr eine schwindende Innerlichkeit wahr. Wenn man nicht bewusst damit lebt, fällt einem hier in Mailand nicht einmal sofort auf, dass man sich in der Adventszeit befindet. Am stärksten sind es noch die Beleuchtungen in den Straßen, die daran erinnern, dass wir uns im Advent befinden. Für mich ist seit Beginn meines Dienstes in dieser Auslandsgemeinde regelrecht auffällig, dass die Zeit für viele Italiener keine große Tradition und anscheinend keine allzu große Bedeutung hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals irgendwo bei italienischen Freunden zuhause einen Adventskranz gesehen habe. Als wir hier zum ersten Mal den ökumenischen Adventsgottesdienst mit Basar gefeiert haben, da haben mir viele Italiener bestätigt, dass sie diese Form von adventlicher Atmosphäre als etwas sehr Schönes entdeckt haben. Von den Deutschen in meiner Gemeinde habe ich dann sinngemäß gehört, dass sie dankbar seien, wenigstens dieses Fest mitfeiern zu können. Viele adventliche Bräuche, die uns in Deutschland sehr vertraut sind, sind hier gänzlich unbekannt. Nach meiner Einschätzung wirken sich die beiden zusätzlichen Wochen Advent nicht wesentlich auf das Bewusstsein der Menschen aus.
"kirchensite.de": Sie haben in den vergangenen Jahren natürlich auch Weihnachten in Mailand gefeiert. Wie sieht es mit der Atmosphäre am Fest der Geburt Jesu aus?
Cornelsen: Nach meinem Empfinden wird dieses Fest hier anders als in den Orten gefeiert, die ich zuvor als Kaplan und Pfarrer im Bistum Münster kennen lernen durfte. Es ist für mich äußerst irritierend, dass am Heiligen Abend die Geschäfte bis abends geöffnet haben. Das würde man von Mailand und Italien auf den ersten Blick sicher nicht erwarten. Es ist hier in Mailand in der Tat weniger emotional. Ich erinnere mich an mein erstes Weihnachtsfest an der italienischen Wirkungsstätte. Auf dem Weg zur Kirche war ich so sehr über den starken Verkehr und die Lautstärke an diesem besonderen Tag verwundert, dass es mir alles andere als einfach fiel, mich darauf einzustellen, am Abend die Christmette zu feiern. Das war schon bemerkenswert. In solchen Momenten wird deutlich, welche eigene Geschichte man mitbringt.
"kirchensite.de": In welchem Ritus zelebrieren Sie die deutschsprachigen Messen?
Cornelsen: Trotz aller Nähe und Verbundenheit zur Kirche von Mailand feiern wir in der deutschen Gemeinde im gewohnten römischen Ritus.
"kirchensite.de": Warum?
Cornelsen: Ich kannte natürlich schon den ambrosianischen Ritus, als ich hierher kam. Ich stehe aber in der Tradition meiner Vorgänger in der deutschsprachigen Gemeinde. Darunter war auch ein italienischer Geistlicher, der in der Erzdiözese München inkardiniert und fest im römischen Ritus verankert war. In einer deutschsprachigen Gemeinde wäre ich nicht auf die Idee gekommen, den ambrosianischen Ritus zu übernehmen. Meine Gemeindemitglieder sind grundsätzlich eher mit dem römischen Ritus vertraut.
"kirchensite.de": An welchen Stellen Ihrer Tätigkeit werden Sie am ehesten mit den Unterschieden in der Liturgie konfrontiert?
Cornelsen: Ich feiere durchaus auch Messen im ambrosianischen Ritus. Das kommt dann vor, wenn ich den Pfarrer jener Gemeinde vertrete, in der ich meinen Wohnsitz habe. Wir haben uns durch Dekanatstreffen kennen gelernt, und er hat mir für die wöchentlichen Katechesen mit den Erstkommunionkindern Räume zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug helfe ich ihm in seiner Gemeinde aus.
"kirchensite.de: Fällt es Ihnen als Priester der Diözese Münster schwer, die Messe im anderen Ritus zu zelebrieren?
Cornelsen: Bei den ersten Messen im ambrosianischen Ritus musste ich mich schon in gewissem Maße darauf vorbereiten. Während der Feier der heiligen Messe muss ich mich entsprechend stärker auf den veränderten Ablauf konzentrieren. Ich konnte bislang aber immer auf die Unterstützung und Hilfe der Priester und Laien in der Gemeinde bauen.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Interview: Tim Schlotmann | Foto: Tim Schlotmann
03.12.09
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Neues Seelsorgekonzept
Im Bistum Münster wird derzeit ein neuer Diözesanpastoralplan erstellt. Er soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Ein erster Entwurf steht zum Herunterladen bereit.
Heilige und Selige
Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Sterbebegleitung
Wann beginnt das Sterben? Was erwartet mich auf meinen letzten Wegen vor dem Tod? Kann ich mich und meine Verwandten auf diese Wege vorbereiten?
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de














Newsticker für Ihr Web