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24.05.2012
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Ein Katholik an der Staatsspitze empfängt Benedikt XVI.

Der Präsident und der Papst

Berlin. Der erste deutsche Papst seit einem halben Jahrtausend wird am Donnerstag (20.09.2011)vom katholischen Bundespräsidenten Christian Wulff empfangen. Dessen Vorgänger Horst Köhler hatte den Papst bereits 2006 nach Berlin eingeladen.

2007, damals noch als Ministerpräsident von Niedersachsen, bat Wulff Benedikt XVI. dann bei einer Romreise noch ins Eichsfeld, später wiederholte er die Einladung nach Berlin als Bundespräsident. Die Hauptstadt und das Eichsfeld wird das Kirchenoberhaupt nun besuchen. Umso mehr ist Wulff daran gelegen, "dass wir Deutsche herzliche Gastgeber sind".

Stimmung in den Gemeinden und Dialogprozess

Angesichts erhitzter Diskussionen über die Bundestagsrede des Papstes will Wulff gleich zu Anfang Akzente setzen: Er empfängt den Papst gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Regierungsmitgliedern am Flughafen Tegel. Zum offiziellen Empfang an Wulffs Amtssitz im Schloss Bellevue erwarten den Papst dann nicht nur militärische Ehren, sondern auch Tausend Bürger, darunter viele engagierte Katholiken, mit denen symbolisch das ganze Land das Kirchenoberhaupt in seiner Heimat willkommen heißt.

Wulff hat sich auf diesen Besuch ausführlich vorbereitet, Bischöfe und Laienkatholiken empfangen und auch mit Theologen gesprochen. Er könne dem Papst berichten, wie er die Stimmung in den Gemeinden und den Dialogprozess in der katholischen Kirche sehe, sagte das Staatsoberhaupt in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Wulffs persönliche Biografie

Neben erwartungsvoller Offenheit steht dabei auch der Wunsch nach Reformen im Raum, die sich nicht zuletzt mit Wulffs persönlicher Biografie verbinden: der Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit konfessionsverschiedenen Ehen. 2006 trennte er sich von seiner ersten Frau. Im März 2008 heiratete er die fast 15 Jahre jüngere PR-Beraterin Bettina Körner, die wenige Wochen später den gemeinsamen Sohn Linus Florian gebar. Aus erster Ehe hat Wulff eine Tochter.

Nach geltendem Kirchenrecht ist er zwar weiter Mitglied der katholischen Kirche, aber seine erste Ehe besteht weiter. Wegen der neuen zivilen Eheschließung bleibt er daher von den Sakramenten ausgeschlossen und kann auch bei der Papstmesse nicht die Kommunion empfangen. Der Sakramentenausschluss ist für ihn nach eigenem Bekunden schmerzlich.

Vorsichtige kirchenpolitische Einlassung

Millionen Menschen in dieser Situation wünschten sich "eine individuelle Betrachtung, Verständnis, versöhnende Erfahrungen, befreiende Botschaften", erklärt er nun. Damit nähert sich Wulff einer Forderung des Reformflügels im deutschen Katholizismus an, vermeidet aber den offenen Konflikt mit Rom.

Mit seiner vorsichtigen kirchenpolitischen Einlassung folgt Wulff seinem geistigen Ziehvater, dem im März verstorbene CDU-Politiker und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Werner Remmers. Dieser gehörte zur Gruppe der kirchlich engagierten Laienkatholiken in der CDU wie Norbert Lammert, Bernhard Vogel, Erwin Teufel oder Annette Schavan, die sich immer wieder auch zu innerkirchlichen Fragen äußern. Doch während diese auch dezidiert römische Positionen hinterfragen, meidet Wulff das Gebiet der Dogmatik und des Kirchenrechts.

Liberal-vermittelnder Katholizismus

Als Sohn der konfessionell gemischten Stadt Osnabrück ist er von einem liberal-vermittelnden Katholizismus geprägt. Wulff legt Wert auf ein gutes ökumenisches Miteinander sowie eine Verständigung der Weltreligionen als Botschafter Frieden.

Wie eine "Politik aus christlichem Geist in der modernen Welt" aussehen könnte, erläuterte er in einer gleichnamigen Rede 2010 noch als Ministerpräsident. Darin wendet er sich gegen einen fundamentalistischen oder ideologischen Kurzschluss zwischen Glauben und Politik und spricht sich für eine aus christlichem Ethos entwickelte persönliche Verantwortung für das Gemeinwohl aus. Ein Gedanke, der sich auch im Denken Joseph Ratzingers wiederfindet. Nicht zufällig sieht Wulff wohl deshalb im Dialog von Glaube und Vernunft eines der Kernthemen im Pontifikat von Benedikt XVI.

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