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11.02.2012
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Dompropst Josef Alfers

Dompropst Josef Alfers.

Dompropst Josef Alfers:

Größerer Zusammenhang und Akt des Vertrauens

"Wenn ich einmal soll scheiden..." so dichtete der protestantische Geistliche Paul Gerhardt 1656 im Lied "O Haupt voll Blut und Wunden". Der Tod war ihm  allgegenwärtig: Vier seiner fünf Kinder und seine Frau starben vor ihm. – Mit welchen Gedanken begegnen heute Menschen dem Tod? "kirchensite.de" stellt Zeitgenossen und ihre Ausblicke aufs Sterben vor.

Bei den größten Festen sind die Toten immer dabei. Wenn Dompropst Josef Alfers bei den feierlichen Gottesdiensten an seinem Platz in "seinem" St.-Paulus-Dom sitzt, so hat er gleich die Gräber mehrerer Verstorbener im Blick. Die ganze Kathedrale ist ein Totenfeld, ein Gottesacker. Viele der 74 Bischöfe von Münster sind in ihr begraben. Zahlreiche Grabinschriften, -tafeln und Epitaphe erinnern an die Verstorbenen. Der Kreuzgang, über den die Geistlichen bei festlichen Messen in den Dom einziehen, umgrenzt den Domherrenfriedhof.

"Da wird irgendwann auch mein Platz sein", sagt der Dompropst. Schon einige seiner Mitbrüder im Domkapitel hat er in ihren letzten Stunden begleitet. Als Pfarrer der Nepomuk-Gemeinde in Steinfurt-Burgsteinfurt waren die Spendung der Sterbesakramente, die Beerdigung der Toten und die Begleitung von Trauernden Teil der alltäglichen Arbeit.

Von Kindesbeinen an ist Alfers das Thema Tod präsent: "Ich stamme von einem Bauernhof und da war Geburt und Tod schon immer Teil des Lebens. Zu meiner Schulzeit zogen die Leichenzüge bei Beerdigungen an unserer Schule vorbei. Wenn wir auf dem Feld gearbeitet haben, hörten wir die Totenglocke." Der Tod war etwas Alltägliches für den jungen Josef Alfers in Gescher. Die Rituale der Kirche waren für ihn "Deutungszusammenhang"; der Tod stand nicht isoliert im luftleeren Raum. Die Menschen im katholischen Gescher hatten einen Rahmen, in dem Trauer stattfinden konnte. Das half ihm selbst, als sein Vater früh starb.

Und sein eigener Tod? "Jeder Schritt, jeder neue Tag bringt mich dem Tod näher." Was nüchtern klingt, bringt Alfers in ein größeres Gefüge. "Ich glaube fest daran, dass jeder Schritt mich aber auch dem kommenden Christus entgegenbringt." Er zeigt sich überzeugt, "Christus im Tod zu begegnen und dass alle meine Sehnsüchte erfüllt werden". Er gesteht aber auch ein: "Alle meine Gebrochenheit wird Gott dann heil machen." – Alfers sagt das keineswegs pathetisch. Es ist die Erkenntnis eines Theologen und die Botschaft eines langjährigen Gemeindepfarrers. Oder ist es die unbändige Hoffnung eines 66-Jährigen? Bei allen Zweifeln hat der Dompropst keine Angst vor dem Tod. "Ich halte es mehr mit einem alten Kapuzinerpater: Ich bin fürchterlich gespannt, wie das Leben nach dem Tod ist...", meint er und lächelt dabei. Der Tod ist für ihn ein Akt des Vertrauens: "Ich möchte in Gott hineinsterben."

Was hilft ihm in diesem Glauben? Alfers verweist auf die Passion Christi und ihre Darstellungen in der Kunst. "Wir verdrängen das Leid, deshalb ist es umso wichtiger, uns den Leidenden und Gekreuzigt anzuschauen und zu betrachten." Aus der Meditation des Leidens und Sterbens Jesu könne Kraft erwachsen für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben. "Wir müssen das Leid Jesu wahrnehmen und darin unser eigenes Leiden hineinnehmen – dann werden wir auch sensibler im Umgang mit Leiden in unserer Umgebung." Der Osterglaube, der die Leidensgeschichte Christi überstrahle, zeige zudem dass das Leiden nicht das Letzte sei und der Gottesglaube nicht im Tod seine Grenze habe.

Und die Angst vor dem Richtergott? "Ich spüre die Ernsthaftigkeit des persönlichen Gerichtes, weil ganz sicher nicht alles gut war, was ich in meinem Leben getan habe", erklärt Alfers ernst. Und: "Ich bin auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen", sagt er mit aller Bestimmtheit. Der Priester erinnert an seinen Namenspatron. "Der heilige Josef wird um eine gute Sterbestunde angerufen und das erhoffe ich mir."

Die Beschäftigung mit dem eigenen Sterben hält Dompropst Alfers für wichtig: "Nichts ist in unserem Leben so gewiss wie unser Tod." Darum solle der Mensch "ganz nüchtern" sein Leben betrachten in "Anbetracht des sicheren Todes". Und: "Wir wissen nicht, wann wir sterben, aber wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass wir uns Gott verdanken. Darum kann unser Glaube unserem Leben und Sterben Halt geben, damit wir weder im Leben noch im Tod ins Uferlose fallen."

Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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