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04.02.2012
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Overbeck

Weihbischof Overbeck (r.) beim Weltjugendtag in Sydney.

Overbeck reiste zum Weltjugendtag

Welt der Kirche sprengt Grenzen

Bistum. Diözesan-Administrator Weihbischof Franz-Josef Overbeck reiste im Jahr 2008 zum Weltjugendtag nach Australien. Für Teilnehmer aus Deutschland bot er drei Katechesen zum Thema "Heiliger Geist" an. Im Vorfeld sprach er mit kirchensite.de über seine Vorfreude auf die Begegnung mit Jugendlichen aus dem Bistum Münster.

kirchensite.de: Haben Sie bisher schon an Weltjugendtagen teilgenommen?

Franz-Josef Overbeck: Ich gehöre zu den wenigen, die schon 1984 beim ersten Weltjugendtag in Rom dabei waren. Das war kurz vor meiner römischen Studienzeit. Ich habe gesehen, wie mit Papst Johannes Paul II. und Bischof Cordes diese Idee erstmalig mit Leben gefüllt wurde. Es war in den frühen Achtzigerjahren ein Wagnis, aber eine der genialen Intuitionen von Papst Johannes Paul. Dann bin ich in Köln gewesen. Zu den anderen Weltjugendtagen bin ich aber nicht gefahren.

kirchensite.de: War dieser erste Weltjugendtag schon vergleichbar mit den heutigen?

Overbeck: Er war noch nicht so professionell organisiert, aber schon damals eines der ersten großen Erlebnisse, bei denen man Weltkirche auf neue Weise erfuhr. Es war eine der zündenden Ideen, die sich von da aus auf alle Erdteile weitergetragen hat.

kirchensite.de: Wie haben Sie den Weltjugendtag in Köln erlebt?

Overbeck: In Köln – immerhin 21 Jahre später – war es auch ein universales Ereignis der Kirche, jetzt aber getragen von vielen vor Ort. Das hatte zum einen religiösen Festivalcharakter, zum anderen aber gleichzeitig einen Charakter von echter Jugendfrömmigkeit. Das hat mich sehr bewegt und beeindruckt.

kirchensite.de: Konnte man diese Stimmung im Bistum Münster aufgreifen?

Overbeck: Ich glaube schon, dass man das in kleinen Bereichen konnte und kann. Es gibt immer wieder junge Leute, die – berührt durch die Vorbereitung und Durchführung des Weltjugendtags in Köln – eine engere kirchliche Bindung bekommen haben. Sie sind dadurch bestärkt in den kirchlichen Dienst und das beständigere Leben mit der Kirche gegangen oder wollen es tun. Es ist aber keine Massenbewegung geworden. Es ist eine Bewegung von einigen, die aber nachhaltig beeindruckt sind. Das ist eine Form von Nachhaltigkeit, die ich positiv finde.

kirchensite.de: Was erwarten Sie in Sydney?

Overbeck: Jeder Weltjugendtag hat Lokalkolorit und eine andere Prägung durch das Leben der Kirche vor Ort. Ich erwarte bedingt durch das Thema einen Weltjugendtag, der nochmal deutlich auf die theologische Kategorie der Zeugenschaft zu sprechen kommt. Die Dynamik der Apostelgeschichte, die ja so etwas ist wie die Biografie der jungen Kirche, kann noch einmal deutlich als Auftrag wahrgenommen werden, den wir als Kirche heute haben. Ansonsten will ich neugierig sein auf das Einander zwischen den Kulturen, die sich durch die Ureinwohner und die vielen Einwanderer in Australien ergeben. Ich bin auch gespannt, was es für die deutschen Teil­nehmer bedeutet, dass ein Weltjugendtag hauptsächlich in englischer Sprache abgehalten wird.

kirchensite.de: Sie haben das Motto angesprochen: "Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein." Ist das nicht gerade für Jugendliche zu lang, zu sperrig?

Overbeck: Das ist bestimmt ein Thema, mit dem viele junge Leute viel anfangen können. In einer Welt, in der die meisten Botschaften kurz und knapp gefasst sein müssen, damit sie überhaupt wahrgenommen werden, ist es auch nicht schlecht, sich der Provokation eines längeren Zitats aus der Heiligen Schrift zu stellen. Ich freue mich darauf, das in den Katechesen inhaltlich entsprechend aufzubereiten.

kirchensite.de: Der Papst wird ja fast wie ein Star gefeiert. Besteht die Gefahr, dass sich das Geschehen zu stark auf seine Person konzentriert?

Overbeck: Das ist eine Chance und eine Bereicherung, weil man immer Menschen braucht, die das verkörpern, was sie sagen. Und das tut der Heilige Vater. Mit Ereignissen wie dem Weltjugendtag können wir immer nur Anstöße geben; die Nachhaltigkeit ergibt sich unter anderen Bedingungen. Ein solcher Anstoß ist der Papst. Er ist sehr präsent, aber von seiner Person her eher zurückhaltend. Es geht ihm um die Botschaft.

kirchensite.de: Organisatorisch, logistisch und finanziell ist der Weltjugendtag ein riesiger Aufwand. Lohnt sich das?

Overbeck: Wir leben in einer Welt, in der solche Ereignisse den Menschen anziehen, aber die Nachhaltigkeit sich nicht durch alle bestimmen lässt, sondern eher durch wenige, die innerlich mehr angerührt sind oder die Menschen getroffen haben, die ihnen wichtig geworden sind. Wir müssen lernen, Kirche mit einer neuen Demut und Bescheidenheit zu leben, die viele Menschen zwar als Sympathisanten anspricht, aber die Nachhaltigkeit, die nach innen geht und Menschen mit allen Konsequenzen des Lebens zu wirklichen Zeugen des Evangeliums macht, für wenige gilt. Das wird auch beim Weltjugendtag so sein. Wenn allerdings allein aus dem Bistum Münster 600 Jugendliche dahin fahren und dafür unendlich viel Zeit und Kraft aufbringen, dann ist das ein ganz großes Zeichen, über das wir uns freuen können.

kirchensite.de: Was geben Sie diesen Jugendlichen mit auf den Weg?

Overbeck: Zum einen offene Sinne für die Erfahrung einer für sie sicherlich ungewohnten Form von globalisierter Kirche, von Weltkirche. Und zweitens hoffentlich gute Englischkenntnisse, denn Sprache ist ein wesentliches Medium für die Mitteilung seiner eigenen Welt und von Welten, die man bisher nicht kennen gelernt hat. Ich wünsche ihnen eine Stärkung im Glauben durch die Erweiterung der Horizonte. Das passt gut mit dem Motto zusammen, das ja zu einer Zeugenschaft aufruft, die im Heiligen Geist die Grenzen des Gewohnten sprengen will. Ich wünsche allen Jugendlichen und Erwachsenen die Erfahrung: Die Welt der Kirche sprengt alle Grenzen.

Interview: Almud Schricke | Foto: Schricke
10.07.2008

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