
Im September 2007 wurde Franz-Josef Overbeck im St.-Paulus-Dom zum Bischof geweiht.
Franz-Josef Overbeck empfing Bischofsweihe:
"Freimütig das Evangelium verkünden"
Bistum. Domkapitular Franz-Josef Overbeck empfing im September 2007 im münsterschen St.-Paulus-Dom die Bischofsweihe. "Unser Bischof soll uns ermutigen, dass wir uns in der Kirche unserer Zeit und in unserem Land nicht in ein Ghetto zurückziehen, sondern freimütig das Evangelium des Lebens verkünden, in alle Bereiche unseres Lebens hinein", sagte Bischof Reinhard Lettmann in der Predigt im Pontifikalemt.
Die Weihezeremonie, an der rund 3.000 Gläubige teilnahmen, leitete Bischof Lettmann. Die Weihe wurde vollzogen durch Handauflegung außerdem der aus Rosendahl-Osterwick stammende Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff und Overbecks Vorgänger als Regionalbischof für die Region Münster-Warendorf, Weihbischof Friedrich Ostermann. Anschließend legten alle weiteren anwesenden Bischöfe dem 43-Jährigen die Hände auf.
"Vorsteher der betenden Kirche"
In seiner Predigt stellte Lettmann den Bischof als "Vorsteher der betenden Kirche" vor. "Das wird auch die Aufgabe unseres neuen Bischofs sein. Bei allen notwendigen Struktur-Veränderungen in der Kirche dürfen wir nicht vergessen, betende Kirche zu bleiben." Eine Kirche, die nicht mehr im Gebet auf Gott und ihren Herrn Jesus Christus schaue, höre auf, die Kirche Jesu Christi zu sein, betonte Bischof Lettmann.
Eine besondere Aufgabe des neuen Weihbischofs sei es, die vielen Gemeinden, die er besuchen wird, zur Eucharistiefeier zu versammeln. "Wie sehr jede Eucharistiefeier mit dem Dienst des Bischofs verbunden ist, wird daran deutlich, dass auch dann, wenn der Bischof nicht persönlich anwesend ist, sie doch in geistlicher Gemeinschaft mit dem Bischof gefeiert wird", sagte Lettmann.
Bischofsdienst als Hirtendienst
Am Ende des Gottesdienstes beschrieb Weihbischof Overbeck den Bischofsdienst als Hirtendienst: Es gebe kein treffenderes und schöneres Wort für den Bischof. Ein "uraltes, lebensnotwendiges Tun" finde im Hirtendienst seinen Ausdruck: "Es ist das Tun der Sorge, des Hütens und Achtgebens, des Reinigens und Sortierens, der Richtungsvorgabe und der Übersicht; es schafft Heimat und Sicherheit." In diesem Dienst gehe es darum - "sehr einfach und sehr schlicht", den Menschen Heimat zu geben, damit sie "Leben in Fülle haben".
Overbeck ging auch auf seinen Wahlspruch "Magnificat anima mea dominum" (Meine Seele preist die Größe des Herrn) ein. Als Wort aus einem Gebet mache es deutlich, dass der Mensch Heimat bei Gott habe, und die erfahre er im Gebet. Zugleich sei es ein Wort "radikaler Kritik der gewohnten Maßstäbe". Gott mache das Niedrige groß. "Überall, wo der Mensch ohne Obdach ist für seine Seele und seinen Leib, ist die Kirche in ihrer Hirtensorge gerufen, Heimat zu schaffen und die Hungernden mit Gottes Gaben zu beschenken." Zudem zeige der Wahlspruch, dass der Mensch seine Heimat in der Kirche habe.
Schweigendes Auflegen der Hände
Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Dompropst Josef Alfers die päpstliche Ernennungsurkunde verlesen. Die Weihehandlung fand dann nach der Predigt des Bischofs statt. Zunächst legte Overbeck ein Treueversprechen ab, danach rief die Gemeinde alle Heiligen um Fürbitte an. Während des Läutens der so genannten Kardinalsglocke des Paulusdomes legten nach Bischof Lettmann alle anderen Bischöfe dem knienden Overbeck schweigend die Hände auf.
Während zwei Diakone ein geöffnetes Evangeliar über dem Kopf des neuen Weihbischofs hielten, sang Lettmann dann das Weihegebet, dem die Gemeinde durch ihr "Amen" zustimmte. Nach der Salbung mit Chrisam wurden dem neuen Weihbischof das Evangeliar und die Insignien überreicht: Bischofsring, Mitra und Stab. Zum Abschluss der Weihe umarmten alle Bischöfe ihren neuen Mitbruder als "Zeichen seiner Zugehörigkeit zum Bischofskollegium", wie es im Ablauf des Gottesdienstes hieß.
Kollekte für benachteiligte Jugendliche
Bei der Weiheliturgie saßen die Eltern des neuen Weihbischofs, Annette und Hans-Josef Overbeck, und seine Schwester Annegret mit ihrer Familie in der ersten Reihe des Domes. Eine Vielzahl von Bischöfen nahm an der Feier teil: Unter ihnen waren der aus Velen Hamburger Alt-Erzbischof Ludwig Averkamp, die Weihbischöfe des Bistums Münster und sowie Weihbischöfe der Nachbardiözesen Aachen, Essen, Köln, Osnabrück und Paderborn, außerdem der aus Sendenhorst stammende Bischof von Nouakchott in Mauretanien, Martin Happe, und der Bischof des mexikanischen Partnerbistums Tula, Juan Pedro Juárez Meléndez.
In der festlichen Eucharistiefeier sang der Domchor, unterstützt von den Dombläsern, unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf Werke von Orlando di Lasso, Anton Bruckner und Giovanni Pierluigi da Palestrina. Domorganist Thomas Schmitz spielte den "Marsch pontificale" von Charles-Marie Widor. Die Kollekte wird auf Wunsch des neuen Weihbischofs beruflichen Förderungsmaßnahmen für benachteiligte Jugendliche und Projekten des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) zugute kommen.
Zitat:
"Wo immer dies geschieht – das Beten, das Beschenkt-Sein der Menschen mit dem Lebens-notwendigen, das lebendige Kirchesein -, findet der Mensch Heimat, findet er Leben in Fülle. Genau da hat der Bischofsdienst seinen Platz. Er ist Hirtendienst im Namen Gottes für den ganzen Menschen und unsere Kirche." Weihbischof Franz-Josef Overbeck
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Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte
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