
Papst Benedikt veröffentlichte ein Lehrschreiben mit dem Titel "Sacramentum caritatis".
Benedikt XVI. fordert mehr Qualität in der Liturgie
Werbung für das Schöne im Gottesdienst
Vatikanstadt. Papst Benedikt XVI. hat im März 2007 sein bislang längstes Lehrschreiben veröffentlicht – ein Dokument über die Eucharistie vom Umfang eines Taschenbuchs. Was sich auf den ersten Blick wie die Abhandlung zu einem Einzelthema katholischen Glaubens ausnimmt, ist seinem Anspruch nach nichts weniger als eine Neuvermessung der Kirche von ihrem Mittelpunkt in der Eucharistie. Ausgehend von der Weltbischofssynode im Oktober 2005 umreißt der Papst sein Verständnis von Kirche, gibt Leitlinien für eine Erneuerung der Liturgie und nennt Konsequenzen für die Mission der Kirche in der Welt.
Schon der Titel "Sacramentum caritatis" (Sakrament der Liebe) zeigt, dass das Schreiben in der Linie seiner ersten Enzyklika "Deus caritas est" (Gott ist die Liebe) liegt. Großes Gewicht legt Benedikt XVI. auf eine durchgreifende Erneuerung der Gottesdienstkultur. Zwar lässt er am Wert der Liturgiereform keinen Zweifel. Auch gewisse Missbräuche könnten deren Wert nicht verdunkeln. Dennoch sei eine vertiefte "Kunst des Feierns" nötig, um noch unentdeckte Schätze der Reformen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) zu heben.
Latein in der Messe
Großen Stellenwert räumt Benedikt XVI. dem Lateinischen in der Messe bei. Nicht nur, dass Priesteramtsanwärter und einfache Gläubige künftig besser auf eine Feier der Messe in Latein vorbereitet werden sollten. Besonders bei Gottesdiensten zu internationalen Anlässen müsse die Einheit der Kirche in der Sprache deutlich werden. Eine Rückkehr zur alten Messe der Traditionalisten sucht man in dem Text indes vergebens.
Voraussetzung für eine gute Liturgie ist aus Sicht des Papstes vor allem das richtige Rollenverständnis: Priester dürften sich nicht selbst in den Mittelpunkt der Liturgie rücken, sondern sollten mit einer stilvollen Feier bei den Gläubigen das "Gespür für das Heilige" nähren. Benedikt XVI. fordert auch, die Qualität der Predigten zu heben. Bei der Auswahl von Kandidaten dürfe es trotz des Priestermangels keine Kompromisse geben. Erneut erinnert der Papst an die Zölibatspflicht sowie an die Nichtzulassung von Homosexuellen zum Priesteramt.
Anforderungen an die Teilnehmer der Messe
Der theologische Anspruch der Eucharistie stellt nach den Worten des Papstes klare Anforderungen an die Teilnehmer der Feier. So müssen wiederverheiratete Geschiedene - "ein dornenreiches und kompliziertes pastorales Problem" - auf die Kommunion verzichten. Die beiden einzigen Lösungen lägen darin, dass ein Kirchengericht die Nichtigkeit der ersten Ehe feststelle oder die Betreffenden sexuell enthaltsam zusammenlebten. Ebenso schärft der Papst das generelle Kommunionverbot für nichtkatholische Christen ein - allerdings könne es im Einzelfall Ausnahmen für "bestimmte, außergewöhnliche, durch genaue Bedingungen gekennzeichnete Situationen" geben.
Mit Nachdruck tritt das Kirchenoberhaupt für den Schutz des Sonntags ein. Die Arbeit sei für den Menschen da und nicht der Mensch für die Arbeit. Für Katholiken bleibt die Sonntagsmesse verpflichtend. Wenn es auch lobenswert sei, dass Alte und Kranke am Radio oder vor dem Fernseher am Gottesdienst teilnähmen, so gelte dies nicht für jene, die sich damit vom Kirchgang dispensieren wollten.
Mögliche Neuerung für den Friedensgruß
In einer Fußnote versteckt sich eine mögliche Neuerung für den Friedensgruß in der Messe: Benedikt XVI. erwägt, ihn an eine andere Stelle im Gottesdienst zu verlegen, da diese Geste in der Praxis "übertriebene Formen annehmen und ausgerechnet unmittelbar vor der Kommunion Verwirrung stiften" könne. Noch 2004 hatte sich Johannes Paul II. gegen eine Veränderung ausgesprochen; jetzt prüfen laut dem Dokument vatikanische Behörden eine andere Lösung. Das Eucharistie-Schreiben des Papstes enthält klare Appelle zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Die Bitte um das tägliche Brot in jeder Messe verpflichte Katholiken, gegen den "Skandal des Hungers" weltweit anzugehen.
Offenbar geht es dem Papst insgesamt weniger um formale Disziplinierungen als darum, eine bestimmte Haltung zu fördern. Dass Benedikt XVI. sich den von der Synode vorbereiteten Entwurf seit dem vergangenen Sommer gründlich angeeignet hat, zeigt auch die häufige Verwendung der Ich-Form. "Sacramentum caritatis" ist damit nicht nur ein nach Umfang und Thema gewichtiges, sondern auch ein sehr persönliches Dokument des Papstes.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
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