
Das "Marienboot im Bievoetken" ist auch Treffpunkt für Andachten.
Mein Denkmal und ich (273): Marienboot in Lüdinghausen
Ehemaliges Boot dient als Kapelle
Lüdinghausen. Seit seiner Pensionierung arbeitet Hermann Wissmann aus Lüdinghausen bildhauerisch. Mit verschiedenen Materialien wie Sandstein oder Holz hat er schon Skulpturen geschaffen. Der 72-Jährige ist seit zehn Jahren Mitglied der Kunstschule Senden, die im Schloss Senden untergebracht ist. 40 Erwachsene und zahlreiche Jugendliche arbeiten dort künstlerisch. "Wir sind alles Autodidakten", erklärt Wissmann. Zwei Mal wöchentlich kommt Trutz Bieck, freischaffender Künstler aus Köln, und unterstützt die Mitglieder.
Aus dieser Arbeit heraus entstand die Idee, einen Marienbildstock zu errichten. "Meine Ehefrau Klara und ich wollten damit Dank sagen für das Gute, das uns in unserem Leben widerfahren ist", erklärt Wissmann. An der Marienfigur aus Stein arbeitete er zu diesem Zeitpunkt bereits. Im Lauf der Zeit entstand eine aufs Wesentliche reduzierte Darstellung der Maria Immaculata. "Sie hat die Augen geschlossen und ist in sich gekehrt", beschreibt er. "Doch fehlte ein Haus, unter dessen Dach sie geschützt steht", erinnert sich der Künstler weiter an die Anfänge. Er dachte über verschiedene Lösungen nach. Eines Tags kam ihm die Idee: Es könnte ein senkrecht aufgestelltes Boot sein. Dabei hatte er auch ein bestimmtes im Blick. Seit vielen Jahren lag auf der Gräfte der Burg Vischering ein altes Holzboot. Er erhielt die Erlaubnis für sein Vorhaben. In einer Zimmerei arbeitete sein Freund Hartmut Slomka ein halbes Jahr das Boot auf. "Insgesamt haben wir viel Unterstützung der Lüdinghauser Handwerker erhalten", lobt Wissmann die Zusammenarbeit.
Hermann Wissmann. |
Seit dem 8. Mai 2008 steht das "Marienboot im Bievoetken" auf städtischem Grund an seiner idyllischer Stelle. Hinter ihm erstrecken sich Wiesen, vor ihm fließt die Stever, zu Fuß ist das Franziskanerkloster ebenso in fünf Minuten zu erreichen wie auch die Burg Vischering. An dem modernen Bildstock treffen Wander- und Radwege aufeinander.
Allerdings wurde die Steinfigur nach kurzer Zeit bereits zerstört. "Ich habe eine neue aus einem Kunststoffgranulat gegossen. Die bläuliche Farbe verstärkt nun noch das Sphärische und Himmlische der Marienfigur", erklärt Wissmann. Die Symbolik seiner Marienfigur im Zusammenspiel mit der Symbolik des Boots, das immer wieder in den Texten der Evangelisten vorkommt, ist ihm ein Anliegen.
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Text: Michaela Kiepe | Fotos: Michaela Kiepe in
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