
Beim Weltjugendtag in Köln wurde Papst Benedikt wie ein Star umjubelt.
Deutschland schaut auf fünf Jahre Benedikt-Pontifikat
Was gilt der Papst im eigenen Land?
Berlin. Dass der Prophet wenig gilt im eigenen Land - Papst Benedikt XVI. könnte sich an dieses Bibelwort erinnern, wenn er am Montag (19.04.2010) sein fünfjähriges Amtsjubiläum feiert.
"Wir sind Papst" hatte "Bild" noch gejubelt, als der erste Papst aus Deutschland seit 482 Jahren am 19. April 2005 auf der Loggia von Sankt Peter erschien. Joseph Ratzinger, in der deutschen Presse auch schon mal als Großinquisitor charakterisiert, entwickelte plötzlich einen ganz eigenen Charme. Und die Bücher des Professors und Kardinals Ratzinger wurden plötzlich tausendfach gekauft.
Weltjugendtag und Heimatbesuch
Fast ungebrochen war die Begeisterung auch noch, als Benedikt XVI. im August 2005 zum Weltjugendtag nach Köln kam und mit rund einer Million Menschen den wohl größten Gottesdienst in Deutschland feierte. Im September 2006, beim Heimatbesuch in Bayern, war schon mehr Zurückhaltung spürbar. Freundliche Bilder von Volksfrömmigkeit, mit Bruder Georg am Grab der Eltern, Kurzvisite im Geburtsort Marktl - was in Erinnerung blieb, war jedoch die Vorlesung in der Regensburger Universität, die in der islamischen Welt aufgrund von Missverständnissen Zorn und Gewalt auslöste.
Inzwischen ist das Verhältnis der Deutschen zum Papst abgekühlt. So sehr, dass der Kölner Kardinal Joachim Meisner sich für die Haltung seiner Landsleute schämt. "Der Papst wird hoch geachtet und geliebt in aller Welt. Und in Deutschland?", fragte er. Er habe den Verdacht, dass sich jene Kreise wieder zu Wort meldeten, die schon dem Theologieprofessor und Präfekten der Glaubenskongregation widersprochen hätten. Einige Jahre hätten sie sich das nicht getraut. Nun aber "schlagen sie auf den Papst ein, dass man sich als Deutscher wirklich schämen muss".
Papst wird kontrovers beurteilt
Fest steht, dass der Papst aus Bayern besonders kontrovers beurteilt wird, wenn es um sensible Themen geht, die die deutsche Vergangenheit betreffen. Befremden löste beispielsweise aus, dass Benedikt XVI. im Mai 2006 in Auschwitz zwar ergreifende Worte über den Holocaust fand, die Deutschen aber als ein von den Nazis verführtes Volk darstellte.
Verwunderung auch darüber, dass der Papst aus Deutschland für Belastungen im Dialog mit dem Judentum sorgt. Kritisch reagierten viele Kommentatoren auf die Veränderung der Karfreitagsfürbitte für die Juden im "außerordentlichen" Messritus: Mit der Bitte um "Erleuchtung" der Juden werde das Judentum wieder als defizitäre Religion vorgestellt, hieß es. Dass der Papst dann in Israel oder jüngst in der römischen Synagoge klare Worte fand, wurde in Deutschland weniger intensiv wahrgenommen.
In seiner Heimat besonders kritische Wahrnehmung
Zu einem Eklat kam es nach der Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der traditionalistischen Piusbruderschaft: Als Bundeskanzlerin Angela Merkel den Papst im Februar 2009 aufforderte, seine Haltung zur Holocaust-Leugnung von Traditionalisten-Bischof Richard Williamson klarzustellen, zeigte sich, dass das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken weltweit immer noch auch als Deutscher gesehen wird und in seiner Heimat einer besonders kritischen Wahrnehmung unterliegt.
Die bekommt er auch im Zuge des Missbrauchsskandals zu spüren. Da der Papst selbst Erzbischof in München war, wo der Fall eines pädophilen Priesters bekannt wurde, den das Erzbistum seinerzeit nicht konsequent abschottete, wird Benedikt XVI. nicht mehr als einer gesehen, der unantastbar über den Vorfällen steht. In der Folge der Missbrauchsaffäre sank das Vertrauen der Deutschen in ihren Papst dramatisch: Nur noch 24 Prozent zeigten im März Vertrauen in Benedikt XVI.; sechs Wochen vorher waren es noch 38 Prozent gewesen. Bei den Katholiken sank die Vertrauensrate sogar von 62 auf 39 Prozent.
Die Weltkirche im Blick
Kirchenkreise versichern, dass Benedikt XVI. die religiöse Entwicklung in seiner Heimat aufmerksam beobachtet. Umgekehrt haben die meisten deutschen Bischöfe einen direkten Draht zum Vatikan. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, ist mehrfach - gerade in den Krisen um Piusbrüder und Missbrauchsskandal - länger im Vatikan gewesen. Zugleich weisen Beobachter aber darauf hin, dass sich die Präsenz der Deutschen im Vatikan keinesfalls verstärkt habe. Der Papst hat die Weltkirche im Blick. Die deutsche Perspektive ist da nur ein Aspekt.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Text: Christoph Arens,
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
16.04.2010
Landvolkshochschule
Mit einem Festakt wurde der langjährige Direktor der Landvolkshochschule "Schorlemer Alst", Johannes K. Rücker, in den Ruhestand verabschiedet.
Kommunionempfang
Erzbischof Robert Zollitsch setzt sich weiterhin dafür ein, dass Katholiken auch nach Scheidung und Wiederheirat die Kommunion empfangen können.
Ehegericht
Mit seinen rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigt sich Offizial Kurt Schulte größtenteils mit so genannten Ehenichtigkeitskeitsverfahren.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de













Newsticker für Ihr Web