
Beim Empfang in Hannover (v.l.): Prälat Felix Bernard, Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), Bischof Felix Genn (Münster), Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Weihbischof Heinrich Timmerevers (Offizialatsbezirk Oldenburg).
Referat beim Jahresempfang des Katholischen Büros Niedersachsen
Bischof Genn kritisiert "Turbo-Kapitalismus"
Hannover / Bistum. Nachdrückliche Kritik an einer ungeregelten kapitalistischen Wirtschaft hat der münstersche Bischof Felix Genn geübt. Beim Jahresempfang des Katholischen Büros Niedersachsen sagte Genn am Mittwochabend (28.10.2009) in Hannover, ein solcher "Turbo-Kapitalismus" habe in der jüngsten internationalen Finanzkrise auf dramatische Weise gezeigt, welche Folgen es habe, wenn Werte wie die Orientierung am Gemeinwohl oder ein ganzheitliches Menschenbild in den Hintergrund träten.
Genn sprach in Hannover zum Thema "60 Jahre Grundgesetz". Er erinnerte an Artikel 14 des Grundgesetzes, wo mit der Formulierung "Eigentum verpflichtet" der Staat als Sozialstaat begründet werde. Dazu gehöre ein Menschenbild, das durch Würde und solidarische Verbundenheit mit anderen Menschen gekennzeichnet sei. Eine einseitige, auf unbegrenztes wirtschaftliches Wachstum und auf Bereicherung ausgerichtete Orientierung lehnte der Bischof ab. Der Mensch werde so nur noch auf wirtschaftliche Aspekte reduziert, sagte Genn. Eine echte Fortentwicklung des Menschen im weltweiten Maßstab sei so nicht möglich.
Menschenwürde uneingeschränkt bewahren
Vor diesem Hintergrund müsse man auch den massiven Einsatz der Kirchen zum Schutz der Sonn- und Feiertage sehen, sagte der Bischof weiter. Die in der abendländisch-christlichen Kultur geprägten Zeiten der Arbeitsruhe entsprechen nach den Worten des Bischofs dem ganzheitlichen Wesen des Menschen und dem Schutz des Menschlichen in der Gesellschaft.
Der von den Urhebern des Grundgesetzes aus christlichem Geist formulierte Maßstab gesellschaftlichen Zusammenlebens könne in der heutigen Gesellschaft, die von Vereinzelung und Vielfältigkeit geprägt sei, nicht mehr vorausgesetzt werden, sagte der Bischof weiter. Umso wichtiger sei es, die Anerkennung der Menschenwürde und des Lebensrechtes jeder Person uneingeschränkt zu bewahren. Dieses Problem stelle sich besonders vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen in Medizin und Bioethik, wenn es zum Beispiel um Embryonen-Forschung gehe.
"Leben nicht als Mittel zum Zweck missbrauchen"
Die katholische Kirche sehe in der Verwendung embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken eine ethisch nicht verantwortbare Verletzung der Menschenwürde. "Kein noch so hoch stehender ethischer Zweck wie die Aussicht auf die Behandlung unheilbarer Krankheiten rechtfertigt es, menschliches Leben als Mittel zum Zweck zu missbrauchen", sagte der Bischof wörtlich.
Das Katholische Büro Niedersachsen ist die Kontaktstelle der niedersächsischen Bistümer Hildesheim und Osnabrück sowie des Offizialatsbezirks Oldenburg in Hannover. Das Büro hält Kontakt zur Landesregierung, zum Landtag und seinen Parteien, zu den Landesbehörden und den evangelischen Kirchen. Es stimmt grundsätzliche Fragen der Gesetzgebung im Verhältnis von Staat und Kirche ab. Dazu gehören vor allem Fragen der Schul- und Hochschulpolitik. Leiter des Katholischen Büros ist Prälat Felix Bernard.
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Text: Franz Josef Scheeben | Foto: Johannes Bernard
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